Würde nur der letzte Eindruck zählen: Es wäre eine gute Saison, die für den EHC Urdorf morgen zu Ende geht. 5 Siege aus den vergangenen 5 Spielen (das Spiel gegen Rapperswil-Jona wird doch nicht wiederholt, siehe separaten Artikel). Diese Erfolge erzielten die Limmattaler allerdings in der Abstiegsrunde, wohin sie nach einer schwachen Qualifikation verbannt wurden.

Die Diskrepanz lässt sich in Zahlen ausdrücken. In 22 Partien des Grunddurchgangs hat der EHCU sogar einen Zähler weniger geholt als in den bislang 4 Matches im Kampf gegen die Relegation. Wer anfügt, dass die Gegner der letzten Begegnung ja ähnlich schwach waren wie die Urdorfer, verkennt: Die Limmattaler holten in der Qualifikation gegen die beiden Teams in tabellarischer Reichweite nur drei von zwölf möglichen Punkten.

Dieses Schwächeln gegen ähnlich Eingestufte ist der grosse Unterschied zur Vorsaison, als der damalige Aufsteiger sämtliche Partien gegen die direkte Konkurrenz für sich entschieden hatte. Im Gegensatz dazu punktete Urdorf in der laufenden Kampagne gegen zwei Playoff-Teams.

«Urdorf = Uuuuuh doooof!»

Dieser Punkt steht für die doppelgesichtigen Auftritte, die die Mannschaft seit Oktober abliefert. Die Krise des Herbsts – neun Niederlagen in Serie – manifestierte sich in der Partie der 6. Runde gegen Luzern. Die Limmattaler drehten die Partie nach einem 0:1-Rückstand und gingen nach dem Gegentor zum 2:2 rund sieben Minuten vor Schluss 3:2 in Führung.

53 Sekunden vor Schluss fiel der Ausgleich; nach 13 Sekunden war auch die Chance auf einen zweiten Punkt dahin. Und nach der 3:8-Niederlage nach 2:0-Führung im Auswärtsspiel gegen denselben Gegner belächelte das Team sich auf seiner Facebookseite selbst. «Urdorf = Uuuuuh doooof!», heisst es da. Eine saloppe, aber zutreffende Einschätzung, die für die ganze Saison gilt.

Die Mannschaft ist näher zusammengerückt

Die Kernfrage: Warum zeigte der EHCU erst mit Beginn der Abstiegsrunde sein schönes Gesicht? Eine abschliessende Antwort darauf gibt es nicht, nur die von Staff und Spielern bekundete Erkenntnis vom nötigen Messer am Hals und dem damit verbundenen Zusammenrücken.

Damit kompensierte das Team gerade noch rechtzeitig den fehlenden Esprit aus der Aufstiegssaison, der der Hauptgrund für die schwache Qualifikation gewesen war. So makaber es sich liest: Die gesundheitlichen Probleme des scheidenden Headcoaches Dani Hüni haben das Wir-Gefühl gestärkt.

Im ersten Abstiegsrundenmatch gegen Rapperswil-Jona musste er passen, tauschte er die Rollen mit Assistenztrainer Thomas Heldner, um sich zu schonen. Die Mannschaft kämpfte auch für ihn.

Rollentausch sorgt für Erfolg

Dieser Rollentausch war – um neue Impulse zu setzen – schon während der Qualifikation ein Thema gewesen, wurde damals aber wegen der beruflichen Belastung Heldners nicht umgesetzt. Nachdem dieser Wechsel hinter der Bande unfreiwillig erfolgt war, entfaltete er seine Wirkung.

Der Ex-Profi Heldner fand den Draht zu den Spielern mit seinen knappen, platzierten Worten. Jeder Erfolg erhöhte seine Glaubwürdigkeit. Führungsspieler wie Sebastian Hauser, Serge Haas, Thomas Wigger und Raphael Studer kamen aus ihren Verstecken hervor, Junge wie Terence Roth und Claudio Kunz konnten Verantwortung abgeben und sich auf die Aufgaben konzentrieren, denen sie gewachsen sind.

Trainerwechsel bringt frischen Wind

Weil die gefahrenreiche zweite Saison nach dem Aufstieg gut ausgegangen ist, ist die Versuchung gross, es dabei bewenden zu lassen und gleich weiterzufahren. Doch das wird glücklicherweise nicht passieren. Ein neuer Trainer übernimmt das Ruder. Sportchef Ruedi Haas tut gut daran, einen Mann zu verpflichten, der die Mannschaft nicht kennt und deshalb gar nicht erst abschätzen kann, ob Massnahmen populär sind oder nicht.

Massnahmen sind nötig, um den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams zu beleben. Wie ein konsequentes Umstellen auf weniger Linien, wenn es die Situation erfordert, oder die vorübergehende Streichung von Formschwachen aus dem Kader. Damit haben die Spieler, ungeachtet der Tabellensituation, immer das Messer am Hals. Das brauchen sie nach eigener Aussage.