Herr Wiederkehr, drei Siege, zwei Unentschieden, zwei Niederlagen – so die Bilanz nach sieben Runden. Sind Sie zufrieden?

Andi Wiederkehr: Als Trainer willst du immer gewinnen, aber man muss realistisch sein. Als Absteiger wollen uns alle Gegner zeigen, dass auch in der 3. Liga guter Fussball gespielt wird. Wir müssen uns daher über den Kampf beweisen. Wirklich zufrieden bin ich mit dem Saisonstart aber nicht.

Wo sehen Sie die Probleme im Spiel Ihres Teams?

Wir sind zu inkonstant. Mal spielen wir richtig guten Fussball und dann tauchen wir plötzlich 30 Minuten ab.

Woran liegt das?

Ich habe eine sehr junge Mannschaft mit nur wenigen Routiniers. Da fehlen in bestimmten Situationen die Cleverness und die Erfahrung. So ist auch zu erklären, weshalb wir gegen Wädenswil und Buttikon jeweils wegen Gegentreffern in der 90. Minute noch Punkte haben liegen lassen. Aber die mangelnde Erfahrung bringen wir nicht von heute auf morgen weg, das braucht Zeit. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit diesem Team bereits in der nächsten Saison um den Wiederaufstieg in die 2. Liga mitspielen können.

Welche Neuzugänge haben bis jetzt überzeugt?

Überraschend gut sind die beiden A-Junioren Tiago Pereira und Ruben da Silva, die oft zum Einsatz kommen. Auch Alessandro Stambene hat sehr gute Voraussetzungen, braucht aber noch mehr Praxis.

Wer blieb unter den Erwartungen?

Wirklich enttäuscht hat mich niemand, aber die ganze Mannschaft hat noch Steigerungspotenzial.

Mit Davide de Luca scheint ein wichtiger Spieler langsam wieder Fuss zu fassen.

Ja, Dave hat eine lange Odyssee bei Klubs hinter sich, die nicht optimal waren. In Thalwil hat er seit Februar nicht mehr gespielt. Er braucht daher noch Zeit. Den richtigen Dave de Luca, der uns mit seinem Spielwitz weiterbringt, werden wir erst im Frühjahr sehen.

Anfangs Saison sagten Sie, dass Ihr Team mehr Tore schiesst als Strafpunkte kassiert. Das sieht nach sieben Spielen anders aus: 14 Tore und 30 Strafpunkte.

(Lacht). Ja, das stimmt. Ich muss mein Team aber in Schutz nehmen, denn zehn oder zwölf Strafpunkte hat es mir zu verdanken. Dies, weil ich im Spiel gegen Langnau am Albis den Schiedsrichter verbal attackiert habe und daraufhin des Feldes verwiesen wurde. Das ist eigentlich nicht meine Art, aber in der Hitze des Gefechts kann das passieren.

Ihr Team wurde in die Gruppe 1 und nicht wie alle anderen Limmattaler 3.-Liga-Teams in die Gruppe 2 eingeteilt. Bedauern Sie das?

Als wir die Einteilung gesehen haben, waren wir schon überrascht. Wir hatten uns auf die Derbys gefreut, aber nun versuchen wir uns halt in der «Seegruppe».

Morgen wartet das Heimspiel gegen Altstetten II. Aufgrund der Tabellenlage ist Urdorf der klare Favorit.

Absolut. Wir wollen das Spiel gewinnen, auch wenn wir in diesem Jahr unserer Rolle als Heimteam noch nicht gerecht geworden sind. Ich habe zu Beginn der Saison gefordert, dass wir eine Heimmacht werden. Davon sind wir noch weit entfernt. So wie wir derzeit spielen, dürfen wir keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen. Zudem hat Altstetten erst zwei Spiele verloren in dieser Saison.