Eishockey 3.Liga
Den Limmattal Wings droht nach schlechtem Saisonstart der nächste Abflug

Der Drittligist kann dem schlechten Saisonstart nur die Hoffnung entgegenhalten. Heute gegen Seewen wollen die Limmattaler in eine bessere Zukunft starten. Vereinspräsident Mike Weiss ist zuversichtlich: "Das ist fast ein 2.-Liga taugliches Kader."

Raphael Biermayr
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Die Limmattal Wings (in Blau) sind in den ersten fünf Matches nie als Sieger vom Eis gegangen. (Archivbild)

Die Limmattal Wings (in Blau) sind in den ersten fünf Matches nie als Sieger vom Eis gegangen. (Archivbild)

Fabio Baranzini

Im Februar 2010 stiegen die Limmattal Wings in die 4. Liga ab. Ein Jahr später kehrten sie zurück und kämpfen seither gegen die erneute Verbannung. Im Frühling des vergangenen Jahres erhielt die Hoffnung auf einen dauerhaften Verbleib in der 3.Liga Nahrung aus Urdorf: Die beiden Vereine hatten sich endlich auf eine Zusammenarbeit geeinigt, in der die 3.-Liga-Equipe unter der Hoheit der Limmattal Wings ein Fixpunkt sein sollte.

4.-Liga-Team als Ergänzung überlebte nicht

Eineinhalb Jahre später: Die ebenfalls initiierte 4.-Liga-Mannschaft aus Spielern beider Vereine wurde aufgelöst, die Konkursmasse stieg teilweise eine Liga auf. Nach fünf Spielen stehen die Wings gegenwärtig nur mit einem Punkt zu Buche, seit dem letzten Wochenende sind sie von Glarus auf den letzten Rang verdrängt worden. Heute versuchen die Limmattaler gegen Seewen, die rote Laterne wieder abzugeben (20.30 Uhr, Tägerhard, Wettingen). Die Direktbegegnung mit den Glarnern wurde in der 39. Minute wegen Regens abgebrochen, die Wings lagen zu diesem Zeitpunkt mit 2:4 im Rückstand.

Wünsche und Wirklichkeit weit auseinander

Trainer und Vereinspräsident Mike Weiss ist bekannt für seinen Optimismus, der manchmal die Realität negiert. So kommt er nach der Aufzählung der Spieler, die ihm für das heutige Spiel zur Verfügung stehen, zum Schluss: «Das ist fast ein 2.-Liga-taugliches Kader.» Zwar sind mit Urdorf-Captain Sebastian Hauser, Stefan Birrer und Weiss’ Sohn Dennis drei B-Lizenz-Spieler im Aufgebot, die normalerweise beim Nachbarn in der 2.Liga zum Einsatz kommen. Das ist allerdings nicht zum ersten Mal in dieser Situation so und deshalb kein Grund zur Euphorie.

Trainingslager ohne Goalies

Es macht vielmehr den Anschein, dass der Zeitgeist die Wings übergeht. Die Wings sind seit jeher (früher als EHC Dietikon) ein Verein, in dem vieles auf Improvisation basiert. Doch das Niveau in der die 3.Liga ist in den vergangenen Jahren im Durchschnitt stärker geworden und erlaubt nicht mehr allzu viel Freigeist. Die Limmattaler blicken auf eine selbst für ihre Verhältnisse fragwürdige Vorbereitung zurück, die in einem Trainingslager mit einer Handvoll Spielern und keinem Torhüter gipfelte. Darüber hinaus haben sie auf diese Saison hin von zwei auf eine Trainingseinheit wöchentlich reduziert. Doch selbst das führte nicht zu einer hohen Präsenz: Mittlerweile haben die Wings eine Trainingsgemeinschaft mit der 4.-Liga-Mannschaft von Wettingen-Baden gebildet, die vom früheren Urdorf-Trainer Andi Wismer gecoacht wird.

Vollzählige Trainings sind rar

Es gibt klar Gründe für die lamentable Trainingssituation. Im Kader finden sich beispielsweise ein Polizist, ein freiwilliger Feuerwehrmann, ein Hersteller von (Weihnachts)Marktständen, ein Juniorentrainer und ein Nachtdienstler in einem Kinderheim. Sie alle eint, dass sie nicht oder nicht zuverlässig am Trainingsbetrieb teilnehmen können.

Zuwenig Tore

Keiner der Akteure kann das Heft in die Hand nehmen, gerade in der Offensive, deren Hauptfigur Cyrill Hruby (mehrfacher 3.-Liga-Topskorer) wieder mit sich selbst kämpft. Insgesamt erzielte das Team in fünf Begegnungen nur 13 Tore. Die 28 Gegentreffer hingegen, liegen für diese Spielklasse nicht in einem alarmierenden Bereich. Mike Weiss stimmt das alte Lied der vergebenen Chancen an, mit dem Zusatz: «Es ist schlimm, wie wenig Tore uns gelingen.»

Wie geht es in die Zukunft?

Bleibt die Frage, ob eine Zukunft in der 3. Liga für die perspektivberaubten Wings überhaupt sinnvoll ist? Präsident Weiss zeigt auf, dass die Zugehörigkeit zu dieser Spielklasse unabdingbar ist für eine funktionierende Kooperation mit dem EHC Urdorf: B-Lizenz-Spieler dürfen nicht über zwei Ligen hinweg eingesetzt werden. «Ausserdem kommt der Abstieg nicht in unseren Überlegungen vor», ergänzt Weiss, «wir werden gegen Seewen anfangen mit gewinnen.»