Sein Name hat absolutes Starpotenzial – Dean Kukan. Ein Klangbild, kurz, harmonisch und prägnant, das im Ohr etwas auslöst. Nachvollziehbar etwas «Schmissigeres», als bei Diriwächter oder Hablützel. Nahe am Titan halt. Nun, für den Namen kann er nichts, den hat er von seinem Vater tschechischer Herkunft geerbt.

Und ein Titan ist Kukan auch noch nicht. Am Einsatz, Willen und der Disziplin, es zum Titan zu bringen, fehlt es dem 19-jährigen Limmattaler nicht. Kunststück: Seine Vorbilder heissen ja auch Jaromir Jagr und Nicklas Lidström. Mitunter das Beste überhaupt also, was das Eishockey in den letzten 20 Jahren weltweit geboren hat. «Mein Vater hat immer Tschechiens Spiele verfolgt und so bin ich Fan von Jagr geworden», erzählt Kukan.

Im Gegensatz zu ihm ist Jagr ein Stürmer und steht seit Juli bei den Dallas Stars unter Vertrag. Kaum war das «Triple-Gold-Club Mitglied» – inzwischen notabene 40-jährig – Anfang Juli auf dem Transfermarkt zu haben, gaben 21 der 30 NHL-Teams Angebote für ihn ab.

Lidström, wie Kukan ein Abwehrspieler, spielte von 1991 bis 2012 zwanzig Saisons für die Detroit Red Wings. «Klar ist es ein Traum», sagt Dean Kukan, «auch einmal in der NHL zu spielen, und zu den Besten zu gehören. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.»

Der frühe Wegzug nach Schweden

Allein, um den Traum vom Star der Szene Wirklichkeit werden zu lassen, tut der junge, ehemalige EHC-Urdorf- Junior sehr viel. Seit August 2011 lebt er in Schweden – allein. «Menschlich, denke ich, habe ich mich in dieser Zeit stark entwickelt», sagt Kukan. Er wisse heute, was dazugehöre, um auf den eigenen Beinen zu stehen. Bei Lulea, dem Elitserie-Verein dessen Organisation er angehört, hat er es bislang nicht in die
1. Mannschaft geschafft. Kukan kam seit seinem Wechsel in den hohen Norden vornehmlich bei Luleas Junioren zum Einsatz. Heuer spielt er für Tingsryd in der Allsvenskan-Liga – der schwedischen NLB. «Ich werde die Saison auch in Schweden zu Ende spielen», sagt Kukan.

EV Zug hat Interesse

Wie es danach indes weitergehe, sei noch «völlig offen.» Der EV Zug ist stark am jungen Schweizer Verteidiger interessiert. Und so wie es klingt, könnte die Rückkehr in die Schweiz zum EVZ durchaus ein Thema für den Jung-Internationalen sein. Bis dato hat Kukan auf helvetischem Eis erst zwei NLA-Spiele für die ZSC Lions bestritten. 66-mal lief er in der NLB für die GCK Lions auf.

Allein im März hatte Nationalcoach Sean Simpson Dean Kukan bereits für zwei Länderspiele mit der A-Nati gegen Finnland aufgeboten. «Ich werde mich nach der WM entscheiden, wo ich weitermache», sagt Kukan. Gemeint ist die U20-WM, die vom 26. Dezember bis zum 6. Januar in Ufa, der Hauptstadt der Republik Baschkortostan, in Russland stattfindet.

Nach dem 8. Rang an der letztjährigen WM in Edmonton und Calgary ist es für Kukan die zweite U20-WM seiner Karriere. «Wenn wir das System noch etwas verinnerlichen, denke ich, liegt für uns sicher eine gute Platzierung drin», so der junge Zürcher. Ziel ist klar der Viertelfinal. Der Weg dahin führt die Schweizer im zweiten Gruppenspiel am Freitag, 28. Dezember über die Schweden.

Ein besonderes Spiel für Kukan? «Ganz bestimmt – in Schweden werden all meine Kollegen zuschauen», schmunzelt er. Schon an der letzten WM in Kanada bekamen es die Schweizer mit den «Wikingern» zu tun. Und wer erzielte kurz vor Schluss das Tor zum 3:3-Ausgleich? Genau, Dean Kukan. Ein Defensiv-Verteidiger, für den Tore wahrlich etwas Rares sind.

Die U20-WM als Präsentierteller

Die U20-WM ist der prächtigste Präsentierteller, auf dem sich angehende Eishockeyprofis den Scouts aus allen Grossmächten der Szene zeigen können. Mit einer guten Leistung können die besten Nachwuchsspieler der Welt auch ihre Karten für den nächsten NHL-Draft, im Juni 2013, frisieren. Kukan ist sich dessen durchaus bewusst. «Aber es extra gut machen zu wollen, bringt nichts. Dann geht es eh schief. Also versuche ich einfach meine beste Leistung zu bringen», blickt der Limmattaler der grossen Showbühne entgegen.

Wer weiss – sollte Kukan an der WM einschlagen wie eine Bombe würden es sich die Verantwortlichen Lulea vielleicht noch einmal überlegen und ihrem talentierten, ehrgeizigen Schweizer «Back» auf die nächste Saison hin einen Vertrag im Elitserien-Team offerieren. «Wenn ich einen Stammplatz erhalten würde, dann würde ich sicher in Schweden bleiben», so Kukan. «Aber», sagt er auch, «ich will da spielen, wo ich am meisten Eiszeit erhalte.» In Schweden ein Stammplatz für einen 19-jährigen Schweizer Verteidiger? Das klingt dann doch eher nach einer Rückkehr in die Heimat. Abgesehen davon, dass es am Zugersee auch ganz schön ist. Und Kukan tönt auch in der NLA gut.