Eishockey
David Schöpf hat keine Gnade mit den Urdorfer Ex-Kollegen

Schöpf spielte von 2008 bis 2010 bei Urdorf. Wegen eines Jobangebotes verschlug es den Stürmer an den Bodensee, wo er zum EHC St. Gallen fand. Vor dem Duell der beiden Teams in der Abstiegsrunde provoziert Schöpf mit einer überraschenden Aussage.

Raphael Biermayr
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David Schöpf im November 2008 – damals noch im Dress des EHC Urdorf

David Schöpf im November 2008 – damals noch im Dress des EHC Urdorf

zvg

Die Antwort überrascht. Auf die Frage, ob David Schöpf neben seinem jetzigen Verein St. Gallen seinem Stammklub Urdorf den Verbleib in der 2. Liga wünscht, sagt er trocken: «Mein Traum ist es, Urdorf im letzten Spiel mit dem entscheidenden Tor herunterzuschiessen.» Das ist ein Satz, der von seinem Vater stammen könnte. Denn der Name Schöpf wird im Limmattaler Eishockey vor allem mit Dominique in Verbindung gebracht. Der war lange Jahre Trainer des EHC Dietikon, mit dem er den damals eigentlich übermächtigen EHC Urdorf in der 3. Liga öfter ärgerte. 2010 war er als Assistenztrainer im EHCU mitbeteiligt am Abstieg seines Ex-Teams. Zu provozieren liegt also durchaus in der Familie. Die ist einen Steinwurf entfernt von der Urdorfer Kunsteisbahn Weihermatt beheimatet. Dort kommt es heute ab 20.10 Uhr im Rahmen der Abstiegsrunde zum ersten Wiedersehen von David Schöpf mit den «Stieren».

Der 23-Jährige spielte von 2008 bis 2010 für den EHCU. Der Flügelstürmer machte mit seinen überdurchschnittlichen läuferischen Fähigkeiten auf sich aufmerksam. In seiner ersten Spielzeit blieben die Skorerwerte (2 Punkte in 13 Einsätzen) noch hinter seinen Fähigkeiten zurück, in der zweiten (18 Punkte in 16 Einsätzen) konnte er sein Potenzial besser umsetzen.

Wegen seiner Ausbildung hat es den heutigen Primarlehrer später nach Fribourg verschlagen, wo er – unter anderen mit dem heutigen Urdorfer Boris Otypka – für Sensee in der 3. Liga spielte. Nachdem er am Bodensee eine Stelle angenommen hatte, fand er zum EHC St. Gallen.

Gelernt von Don McLaren

Dort traf er auf den früheren Professional Don McLaren, der die Ostschweizer nach mageren Jahren zu neuen Höhenflügen coachen sollte. Gemäss Schöpf kursierte sogar das Wort «Playoffs» im Umfeld. Dieses Unterfangen misslang kolossal. Die 6 Punkte aus der Qualifikation sind ein miserabler Wert und traf die Spieler im Portemonnaie: Die vereinbarte Punkteprämie fiel bescheiden aus.

McLaren wurde vor einigen Wochen freigestellt, sein Assistent Michael Rossi hat das Ruder übernommen. Schöpf bedauerte McLarens Entlassung, er habe im technischen Bereich eine Menge vom ehemaligen NLA-Stürmer profitieren können. «Aber es musste etwas passieren. Es gab keine andere Möglichkeit», erklärt Schöpf, der um die Weihnachtszeit ernsthaft um den Zusammenhalt im Team besorgt gewesen sei. Mittlerweile sei man, ähnlich wie Urdorf, zu einer Einheit gereift. Ein Mentalcoach trug seinen Teil dazu bei.

Hat den Tritt gefunden

Nach den ersten zwei Spielen in der Abstiegsrunde stehen die Ostschweizer mit einem Sieg und einer Niederlage da. Einem 7:2 im Verzascatal folgte ein 4:5 gegen Rapperswil-Jona. «Nach einer starken Leistung im Tessin haben wir gegen Rappi den Start total verschlafen», erklärt Schöpf den zeitweisen 0:4-Rückstand. Die letzten zwei Drittel im Kantonalderby sei man aber die bessere Mannschaft gewesen. Die Schiedsrichter hätten das Ausgleichstor nicht anerkannt, weil der Puck aus dem Tor gesprungen sei.

Auch Schöpf hat den Tritt gefunden. In Rapperswil-Jona liess Trainer Rossi den Stürmer mit der Nummer 7 Doppeleinsätze leisten. Auch heute Abend braucht es einen starken Auftritt von ihm und seinen Teamkollegen, um gegen die formstarken Limmattaler zu gewinnen. Aller Voraussicht nach kann David Schöpfs Traum nur in diesem Fall noch in Erfüllung gehen.

Urdorf-Trainer Hüni: «Dürfen nichts verschreien»

Der EHC Urdorf würde mit einem Sieg heute gegen St. Gallen (20.10 Uhr, Weihermatt) einen grossen Schritt in Richtung Klassenverbleib machen. Dem ist sich auch Trainer Dani Hüni bewusst: «Das wäre schon viel wert. Wir werden natürlich alles daran setzen, auch das dritte Heimspiel zu gewinnen. Doch wir dürfen nichts verschreien – im Falle einer Niederlage wären wir wieder mittendrin», rechnet er vor. Getreu dem Motto «Never change a winning Team» dürfte wiederum Florian Wassmer im Tor sehen, der in den vergangenen Partien einen sehr sicheren Eindruck hinterliess. Wenn man so will, ist er der grosse Gewinner dieser ansonsten missratenen Spielzeit. Trainer Hüni, früher selbst Keeper, streicht dabei auch die «wichtige Rolle» von Ersatztorhüter Urs Landis heraus: «Er unterstützt Flo wie ein echter Sportsmann.»