Turnfest
Das Turnfest anno 1973: Bernhard Russi im Matsch

1973 fand das erste Mal ein Turnfest in Weiningen statt. Auch der Ski-Abfahrtsweltmeister Bernhard Russi machte mit – was für damalige Verhältnisse nicht ungewöhnlich war.

Raphael Biermayr
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Bernhard Russi 1973 am Turnfest in Weiningen, das auch wegen des nasskalten Wetters in die Geschichte einging..JPG

Bernhard Russi 1973 am Turnfest in Weiningen, das auch wegen des nasskalten Wetters in die Geschichte einging..JPG

Zur Verfügung gestellt

Vor 42 Jahren richtete der TV Weiningen schon einmal das Turnfest der Glatt- und Limmattaler (damals noch ohne Stadtzürcher) aus. Damals reichten für das eine Festwochenende 200 Helfer aus dem Dorf – heute sind es über 1000 aus der ganzen Region. Über die Beteiligung 1973 gibt es unterschiedliche Angaben: die Jubiläumschronik des Vereins berichtet von 3600 Turnern, die «NZZ» von 2700.

So oder so war es das grösste Turnfest des Jahres 1973 in der ganzen Schweiz. Die Kunstturner wetteiferten in Regensdorf, die Leichtathleten in Dietikon auf dem Sportplatz Gyrhalde. Die Organisatoren hatten allerdings grosses Pech mit dem Wetter. Am Samstag schüttete es den ganzen Tag, weshalb einige Disziplinen gestrichen wurden und weitere nur in reduzierter Form ausgetragen werden konnten. Wenn möglich, wurden die Wettkämpfe in die Zelte oder in die Turnhalle Schlüechti verlegt. Die sogenannte Körperschule, eine Gymnastikvorführung der Männer, fand im Freien statt. Die «NZZ» schrieb dazu: «Es ist erstaunlich, wie die Turner trotz des Regens guter Laune waren und gleichwohl recht gute Leistungen an den Tag legten.»

Als zäh erwies sich auch Bernhard Russi. Der Ski-Abfahrtsweltmeister des Vorjahres trat für den TV Andermatt im Hochsprung und im 100-m-Lauf an. Früher war es durchaus üblich, dass Sportstars, von denen viele im Turnverein begonnen hatten, bei solchen Gelegenheiten auftraten. Das gilt auch für spätere Politik-Schwergewichte: Der heutige Weininger Gemeindepräsident und kürzlich zurückgetretene Kantonsrat Hanspeter Haug war damals als Nationalturner aktiv und schaffte es als Dritter aufs Podest.

Frauen nahmen und nehmen im TV Weiningen bedeutende Rollen ein (siehe Artikel links). Da erstaunt es nicht, dass man 1973 dem Frauenturnen «mehr Platz einräumte als bei früheren Anlässen», wie der Berichterstatter festhielt. Erstmals durchgeführt wurde darüber hinaus der kantonale Gymnastikwettkampf, an dem 38 Turnerinnen beteiligt waren. Die Frauen mussten ihre freien Vorführungen – auch eine Frühform der Gymnastik – am Sonntag auf dem durchweichten Boden präsentieren. Offensichtlich mit nachhaltigem Eindruck: «Die Turnerinnen haben bewiesen, dass auch sie barfuss und auf glitschigem Gelände turnen können», heisst es in der «NZZ».

Dass dieses Turnfest überhaupt in Weiningen stattfinden konnte, war der Hartnäckigkeit der Organisatoren zu verdanken. Denn der TV Opfikon-Glattbrugg bot den Limmattalern einen erbitterten Kampf um die Ausrichtung. Schliesslich sprach die Delegiertenversammlung des GLTV-Verbands den Anlass den Weiningern zu. Heute sind die Verhältnisse ganz andere: Der Verband (heisst jetzt GLZ) ist froh, wenn ein Verein das Fest organisieren will. 2010 fand mangels Organisator keine Austragung statt. Übrigens: Das GLZ-Turnfest fand seit seiner Premiere 1895 neben Weiningen bereits in mehreren Limmattaler Gemeinden statt: in Dietikon (1931 und 1964), in Schlieren (1941), in Urdorf (1950 und 2006) sowie in den beiden Engstringen (1958).