Eishockey
«Das stärkste Urdorf seit langem»

Nicht einmal zwei Monate ist es her, da waren die Limmattal Wings mit Urdorf auf Augenhöhe. Doch nun im 3.-Liga-Derby herrschte beim 8:1 des EHCU gegen die Wings ein Klassenunterschied.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen

Nicht einmal zwei Monate ist es her, da waren die Limmattal Wings mit Urdorf auf Augenhöhe. Beim 6:8 forderten sie dem Lokalrivalen alles ab. Mittlerweile haben sich die auf vielen Positionen veränderten «Stiere» gefunden - und die Dietiker überflügelt. Im 15. Derby der Neuzeit herrschten so klare Kräfteverhältnisse wie lange nicht mehr.

Im Unterschied zu früheren Begegnungen unter ähnlichen Voraussetzungen - beispielsweise beim 9:5-Erfolg Urdorfs im Jahr 2006 - schlugen sich die Übermacht auch eindeutig auf das Scoreboard nieder. Das 8:1 liess bei den rund 230 Zuschauern keine Fragen nach dem Spielverlauf offen.

Urdorf mit bester Offensive

So interessierten zwei Details: Warum schickten die Urdorfer die Wings nicht mit einem Stängeli nach Hause? Wer vermieste EHCU-Goalie Sandro Fischer dessen zweiten Derby-Shutout nach dem 3:0 im November 2009? Die Antwort zur ersten Frage lautet «Nonchalance». Die Gastgeber vergaben eine Riesenmenge an Tormöglichkeiten infolge Verspieltheit, teilweise sogar in 2:0-Situationen. Raphael Studer, Gruppen-Topskorer der vergangenen Spielzeit, gestern mit einem Tor und einem Assist, bestätigte das: «Wir hätten viel mehr Tore schiessen können heute.»

Natürlich war das Jammern auf hohem Niveau, Studer wies zu Recht darauf hin, dass man erst einmal acht Treffer erzielen müsse. Dafür waren neben ihm Sandro Duttweiler, Adrian Casutt (2), Colin Wiederkehr, Andi Vital, Thomas Wigger und Thomas Heldner verantwortlich. Die Anzahl von sieben verschiedenen Torschützen - alle trafen bei numerischem Gleichstand - verdeutlicht: Mittlerweile sind alle drei Sturmlinien der «Stiere« gefährlich. Besonders herauszuheben ist der «Generationensturm» mit Center Casutt (Jahrgang 1971) und den Flügelstürmern Nicolas Landis (1992) und Samuel Kuoni (1990). Auch dank ihm haben die «Stiere» die Wings als beste Offensive abgelöst.

Die Antwort auf die zweite Frage lautet «Dominic Schori». Der eine von zwei etatmässigen 4.-Liga-Akteuren bei den Wings erzielte in der 52. Minute den letzten Treffer der Begegnung - und freute sich darüber ausgelassen. Der Grund dafür war nicht die (ihm unbekannte) Tatsache, dass es der 50. Treffer der Dietiker in einem Derby war, sondern: Einer von Schoris Teamkollegen in der zweiten Mannschaft der Wings heisst Sandro Fischer, in erster Linie Torhüter des EHC Urdorf. Fischer spielt seit einigen Jahren mit einer B-Lizenz im Plauschteam des Lokalrivalen. Sein Kommentar zum Gegentreffer fiel lapidar aus: «Natürlich ärgert es mich, doch was soll man machen.»

Den Wings bleibt nur Lob

Das dachte sich auch Wings Trainer Mike Weiss, der in seiner Analyse auf die dünne Kaderdecke und die Angeschlagenen hinwies. «Trotzdem ist es eine Enttäuschung. Da war kein Feuer, keine Leidenschaft von unserer Seite.» Im frusttrunkenen Oliver Bowalle fand er einen Fürsprecher. Der rekonvaleszente Stürmer hob bedeutungsschwer den Zeigfinger und suchte nach Worten. Schliesslich fand er die treffenden: «Wir waren schlecht und Urdorf gut.» Der danebenstehende EHCU-Trainer Dani Hüni, zuvor beim Lokalrivalen an der Bande tätig, quittierte das Gehörte und das Gesehene mit einem Lächeln. «Unsere Disziplin war heute hervorragend, wir haben unser Ding cool durchgezogen», sagte er zufrieden, bevor ihn Bowalle wieder in Beschlag nahm.

Zu den Angeschlagenen bei den Wings gehörte auch Cyrill Hruby, was - ganz wie bei den «Grossen» - vor der Partie verheimlicht wurde. Hruby plagt eine Rippenquetschung, weshalb er sich in Zweikämpfen sichtbar zurückhielt. Das Spiel lief folglich am aktuellen Topskorer der Gruppe vorbei. Der frühere Urdorfer hofft auf ein drittes Derby, das in der Masterround stattfinden würde. Er brachte die Geschehnisse des Abends in Kurzform auf den Punkt: «Das ist das stärkste
Urdorf seit langem.»