Flavio Vecchiè legte sich auf dem Rasen hin und vergrub das Gesicht in den Händen. Trainer Goran Ivelj ging zu ihm hin und tröstete ihn. Es waren bittere Momente aus Dietiker Sicht an diesem Samstagabend auf dem Sportplatz Rolli in Seuzach. Soeben hatten die Limmattaler gegen Seuzach mit 2:6 verloren. Es war ihr letztes Spiel der Saison gewesen und vorläufig auch ihr letztes in der 1. Liga. Die Dietiker müssen den schweren Gang in die 2. Liga antreten.

Zwar sind die Limmattaler nicht wegen dieser Niederlage abgestiegen. Denn sie hatten die Entscheidung bezüglich Ligaerhalt nicht mehr in den eigenen Füssen. Balzers und Eschen/Mauren, die im letzten Spiel gegeneinander antraten und je mit zwei Punkten Vorsprung auf den Tabellenvorletzten Dietikon in die letzte Runde gingen, hätten nur bei einer Niederlage von den Limmattalern noch überholt und auf einen Abstiegsplatz verdrängt werden können. Da die Partie zwischen Balzers und Eschen/Mauren aber mit 1:1 endete, hätte den Dietikern selbst ein Sieg nichts mehr genutzt. „Na ja, wir hätten unsere Punkte vorher machen müssen“, meinte Luca Dimita. Der Dietiker Stürmer sagte aber auch: „Ich bin Fussballer, ich will immer gewinnen, egal, was in den anderen Spielen passiert.“ Umso enttäuschter war er ob der Niederlage: „Es ist hässlich, zu verlieren.“

„Hässlich“ – diesen Begriff benutzte Dimita an diesem Samstagabend oft. Er umschrieb damit aber weniger das Ergebnis als vielmehr die Tatsache, wie es zustande kam. Denn die Gäste haderten vor allem in der zweiten Hälfte mit dem einen oder anderen Entscheid des Schiedsrichters. Erst reklamierten sie einen Penalty, da Stéphane Eba Eba im Strafraum nach einem Tackling von Marc Müller zu Fall kam. Doch der Pfiff des Unparteiischen blieb aus. Stattdessen kassierten die Dietiker praktisch im Gegenzug ein Gegentor. Und dann mussten die Dietiker auch noch zwei Platzverweise verkraften. Erst musste Stéphane Eba Eba unter die Dusche. Vier Minuten später erwischte es auch Stefano Geri, der seinen Gegenspieler gefoult hatte. Für Ivelj war der  Platzverweis gegen Eba Eba die Schlüsselszene des Spiels. „Stéphane hätte einen Strafstoss zugesprochen kriegen müssen und wird dann vom Platz gestellt“, monierte er. Statt „Das ist bitter.“ Mit nur acht Feldspielern hatten die Gäste den Seuzachern nichts mehr entgegenzusetzen. Der Schiedsrichter hätte in der einen oder anderen Szene mehr Fingerspitzengefühl zeigen können, meinte Dimita. „Aber wir sind nicht wegen des Schiedsrichters abgestiegen“, fügte er hinzu. „Wir hätten in den vergangenen Partien eben mehr Punkte holen müssen.“

Diese Meinung vertrat auch Ivelj. „Die Gegentore, die wir heute kassiert haben, sind sinnbildlich für die gesamte Saison“, beklagte er. „Beim 2:1 ist einer unserer Spieler nicht hochgesprungen, und nach dem 2:2 hätten wir in Führung gehen müssen, haben aber wieder mal die Tore nicht gemacht.“ Stattdessen müsse man den dritten Gegentreffer hinnehmen – „wieder wegen eines Ballverlustes im Mittelfeld wie schon gegen United Zürich.“ Individuelle Fehler und eine gewisse Naivität hätten die Saison der Dietiker geprägt. Dann wiederholte Ivelj das, was er in der Vergangenheit schon mehrfach betont hatte: „Uns fehlt ein erfahrener Spieler, ein Leader auf dem Platz.“

Ob und wann dieser Leader kommt, steht noch nicht fest. Sicher aber ist, dass Ivelj Dietikon auch weiterhin trainieren möchte. „Ein Mann, ein Wort“, sagte er. „Ich will den Verein dorthin führen, wo er hingehört.“ Unnötig zu erwähnen, dass er damit die 1.Liga meinte.

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