Damit haben sie nicht gerechnet. Die Spieler von Schlieren II, die in der Gruppe 4 der 4. Liga spielen, stehen an der Spitze der Tabelle und haben beste Chancen, aufzusteigen. Die Limmattaler brauchen in ihrer letzten Partie gegen den Drittletzten Albisrieden noch einen Sieg, dann wäre ihnen der Platz in der 3. Liga aufgrund der geringeren Anzahl Strafpunkte praktisch nicht mehr zu nehmen. Sollte am Samstag das zweitplatzierte Benfica Clube de Zurique gegen CCD Lautaro-Chile verlieren, könnten sich die Schlieremer im letzten Saisonspiel gar eine Niederlage erlauben.

Dabei war der direkte Wiederaufstieg eigentlich gar nicht das Ziel der Schlieremer. «Wir haben mehr eine Plauschmannschaft zusammengestellt», sagt Spielertrainer Souhel Muhi-Eddine. Entsprechend habe man relativ locker trainiert und nicht viel Aufwand betrieben. «Man hat auch gesehen, dass wir in der Hinrunde vier Partien verloren haben.» Dann aber sei das Plauschteam zusammengewachsen. In der Rückrunde hat man nur noch einmal verloren. «Wir haben füreinander gekämpft», so Muhi-Eddine.

Als Beispiel dafür erwähnt er die Partie gegen Dietikon II, als man mit 0:3 in Rückstand lag. «Dann haben wir uns drei, vier Minuten heiss gemacht, und plötzlich lief es für uns», sagt Muhi-Eddine. Der Spielertrainer glich mit drei Toren in Folge erst aus, bevor Emanuele Preite in den Schlussminuten noch den 4:3-Siegtreffer erzielte.

Tore am Fliessband

Es war nicht das erste Mal, dass Muhi-Eddine diese Saison dreimal in einem Spiel traf. Gegen Altstetten hat der Stürmer ebenfalls drei Tore geschossen, gegen den FC Turkuaz Zürich sogar vier. In der Rückrunde hat Muhi-Eddine bislang in jedem Spiel mindestens ein Tor erzielt, insgesamt kommt er in dieser Saison auf sagenhafte 27 Treffer. «Gut, die Aufgabe eines Stürmers ist es ja, Tore zu schiessen», sagt er.

Dass er so oft trifft, habe aber auch viel mit Erfahrung zu tun. «Ich spekuliere oft, wohin der Verteidiger den Ball spielen könnte», sagt Muhi-Eddine. Und meistens spekuliert er richtig.
Muhi-Eddine hat sich seine Erfahrung bei seinen Engagements in höheren Ligen angeeignet, etwa bei den Blue Stars Zürich in der 2. Liga interregional oder in der 2. Liga beim FC Wettingen. Bei beiden Vereinen hat er jeweils eine Saison gespielt, bevor er zu Beginn dieser Saison wieder zurück zu seinem Stammverein Schlieren wechselte. «Ich habe ein Studium begonnen und nicht mehr so viel Zeit für Fussball», sagt der 29-Jährige. «Ich wollte einfach weniger Aufwand betreiben.» In der 4. Liga trainieren die Schlieremer zweimal pro Woche, zudem verzichte man auf eine lange Wintervorbereitung.

Bekannte Schlieremer Spieler

Der geringere Trainingsaufwand dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass die zweite Mannschaft klangvolle Namen in ihren Reihen hat: Emanuele Preite, Denis Hodzic, Sefket Hani oder auch Selcuk Sasivari, der in den letzten beiden Partien aushalf. Sie alle hätten das Potenzial, in höheren Ligen zu spielen. «Ich habe die Mannschaft bewusst so zusammengestellt, dass wir viele ehemalige Schlieremer Spieler in unseren Reihen haben», so Muhi-Eddine.

Denn Schlieren habe durch Abgänge zahlreiche Spieler verloren, die in Schlieren lebten. «Mein Ziel ist es, solche Spieler zurückzuholen.» Ein Konzept, das auch bei einem allfälligen Aufstieg in die 3. Liga fortgesetzt werden soll. «Selbst dann wird es keinen Umbruch geben», sagt Muhi-Eddine, der in jedem Fall Spielertrainer bleiben möchte. Auch der Trainingsaufwand soll bei zwei Einheiten pro Woche bleiben.

Doch noch ist es nicht so weit. Und Muhi-Eddine warnt vor Gegner Albisrieden, gegen den die Limmattaler am 17. Juni antreten müssen. «Die Albisrieder befinden sich im Abstiegskampf», sagt er. «Sie müssen also gewinnen, daher nehme ich Albisrieden sehr ernst.» Andererseits ist auch Muhi-Eddine bewusst, dass die Schlieremer mit ihrem Kader eigentlich gewinnen müssten. «Wenn wir diese Partie verlieren», sagt er, «haben wir in der 3. Liga ohnehin nichts verloren.»