Eishockey
Das neue Urdorf gefällt - der erste Sieg ist bereits Tatsache

Die «Stiere» bezwangen Biasca mit 3:1 in der 2. Liga. Ein starker Goalie, eine Steigerung in Sachen Disziplin und etwas Glück standen dabei Pate.

Raphael Biermayr
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Hat auch im Nebel den Durchblick: Goalie Florian Wassmer ist ein Garant für den Urdorfer Sieg.

Hat auch im Nebel den Durchblick: Goalie Florian Wassmer ist ein Garant für den Urdorfer Sieg.

Raphael Biermayr

Es war ein Bild mit Symbolcharakter. Sandro Fischer stand als Ersatzgoalie auf der Urdorfer Bank und zeichnete für das Öffnen und Schliessen des Türchens verantwortlich. Jener Sandro Fischer also, der fast zehn Jahre lang ob in der 3. oder der 2. Liga der unbestrittene Rückhalt der «Stiere» gewesen war. Natürlich: Fischer hatte während der Vorbereitung kundgetan, dass er lieber in der neuen zweiten Mannschaft seiner Leidenschaft als Feldspieler frönen will. Weil aber kein anderer Ersatzgoalie zur Verfügung stand, fiel die Aufgabe ihm zu, während Florian Wassmer auf dem Eis stand.

Wassmer behält die Übersicht

Das Bild stand dafür, dass einiges neu ist am EHCU. So neu, dass die allgemeine Erwartungshaltung möglicherweise etwas zu negativ ausfiel. Im dritten Saisonmatch gegen Biasca zeigten sich die Limmattaler trotz markanter Absenzen erneut verbessert. Sie bestimmten das Spieltempo, gefielen durch Härte und Zug zum Tor. Beim 3:1-Sieg gegen den erfahrenen Kontrahenten brauchte es letztlich auch etwas Glück - und einen starken Goalie Wassmer. Er strahlte grosse Ruhe aus und liess sich auch von den hartnäckig nachsetzenden Tessinern nicht über Gebühr irritieren. Gerade im Startdrittel, als die Urdorfer gleich fünf Zwei-Minuten-Strafen kassierten, behielt er die Übersicht. Nur als Teamkollege Colin Wiederkehr hinter dem Tor Prügel bezog, schaltete sich der Keeper ein.

Wassmer weist im Gegensatz zu vielen seiner Teamkollegen bereits 2.-Liga-Erfahrung auf: Für Aarau hütete der 22-Jährige während einiger Matches das Tor. Er sieht die Urdorfer Mannschaft bereits ziemlich weit in ihrer Entwicklung und sagt: «Wir können jeden schlagen.» Mit seiner eigenen Leistung war der überlegte Wassmer zufrieden: «Für mich ist es aufgegangen, die Mannschaft hat mich gut unterstützt.» Dass er als Nachfolger von Sandro Fischer ein schweres Erbe angetreten hat, scheint Wassmer nicht zu interessieren. Das ist ihm nicht zu verdenken, schliesslich hatte er bis vor kurzem keinen Bezug zum Team.

Diesem schuldet er nun eine Runde, zumindest, wenn es nach Captain Sebastian Hauser geht. «Du zahlst trotzdem», sagte er zum Torhüter. Ein Fingerzeig, denn Wassmer selbst hatte sich um den Shutout gebracht. Den Treffer zum 2:1 kurz vor dem Ende schenkte er sich selbst ein. Einen harten Schuss von Massimo Jamusci wehrte er mit der Stockhand ab, der Puck flog in hohem Bogen über ihn hinweg ins Tor.

Vorbildliches Boxplay

In dieser Situation hatten die Gäste das Glück, das ihnen zuvor einige Male gefehlt hatte. Anders die Urdorfer: Ihr erster schneller Angriff führte gleich zu einem Treffer. Marko Novkovic liess zwei Gegenspieler aussteigen, legte herrlich ab auf Boris Otypka, der mit einem verdeckt abgegebenen Schuss zum 1:0 traf. In der Folge wehrten sich die Gastgeber vor allem in Unterzahl mit einer selten gesehenen Aktivität. «Das Boxplay funktionierte», lobte Trainer Dani Hüni. In der Folge wurden die Strafen weniger, dennoch kamen beide Teams zu zahlreichen Tormöglichkeiten. Erst in der 47. Minute durchdrang wieder Torjubel die Nebelschwaden dieser milden Abend. Nicolas Landis lenkte im Powerplay einen Schuss von Glenn Huber ins Tor.

Auch der Geschichte um den letzten Treffer der Partie konnte man Symbolcharakter abgewinnen. Samuel Kuoni erzielte ihn mit der Schlusssirene. Der Torschütze trat von einer Krankheit geschwächt an. Gemäss Hüni habe er sich im Abschlusstraining übergeben. Jetzt stand Kuoni für die Bereitschaft, bis zum Letzten zu gehen. Der Lohn: der erste Sieg in der 2. Liga nach viereinhalb Jahren.