Fussball
Dank ihren Paraden schrieb die U17-Nati Geschichte

Die Limmattalerin Nadja Furrer ist Teil des U17-Frauen-Nationalteams, das an der Europameisterschaft in Island als erste weibliche Auswahl der Schweiz an einem grossen Titelkampf den Final erreicht hat.

Marco Frei
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Auch dank Nadja Furrer holten die Schweizer U17-Girls die WM-Silbermedaille.

Auch dank Nadja Furrer holten die Schweizer U17-Girls die WM-Silbermedaille.

Marco Frei

In den letzten Wochen hat der Frauen Fussball in der Schweiz so viel Aufmerksamkeit genossen wie noch nie zuvor. Hauptverantwortlich dafür war die Schweizer A-Nationalmannschaft, die erstmals überhaupt an einer WM teilnehmen konnte und an den Titelkämpfen in Kanada unter anderem mit einem 10:1-Sieg über Ecuador für Furore gesorgt hat.

Selbst hartgesottene Fussballfans, die bis dato eher abschätzig über den Frauenfussball geurteilt hatten, mussten sich plötzlich eingestehen: Auch die Frauen können richtig guten Fussball spielen.

Doch nicht nur die A-Nationalmannschaft hat für Aufsehen gesorgt, sondern auch die U17-Auswahl. An der EM in Island erreichten die Schweizer Nachwuchsspielerinnen sensationell das Endspiel. Ein Erfolg historischen Ausmasses: Es war das erste Mal überhaupt, dass eine weibliche Landesauswahl an einem internationalen Grossanlass das Endspiel erreicht hat.

Ein Baustein des Erfolges

Mittendrin in dieser jüngsten Erfolgsgeschichte des Schweizer Frauenfussballs ist mit Nadja Furrer auch eine Limmattalerin. Die 17-Jährige aus Geroldswil hütete das Tor und war mit ihren starken Paraden mitverantwortlich für den Höhenflug der Schweizerinnen, der im Sieg über Titelverteidiger Deutschland im Halbfinal und schliesslich – nach der 2:5-Niederlage im Final gegen Spanien – dem Gewinn der Silbermedaille gipfelte. «Wir waren sehr überrascht über den Vize-Meistertitel, keine von uns hat damit gerechnet.»

Das Leben von Nadja Furrer dreht sich schon lange um das runde Leder. Seit sie sechs Jahre alt ist, steht sie regelmässig auf dem Rasen – und zwar nicht etwa in einem Mädchenteam, sondern bei den Jungs. Beinahe zehn Jahre hütete sie beim FC Oetwil-Geroldswil das Tor. «Ich habe mich geweigert, zu den Frauen zu wechseln, ich wollte bei den Jungs weiterspielen», sagt Furrer. Erst vor etwas mehr als zwei Jahren wechselte sie zu den Frauen von GC, wo sie in der ersten Mannschaft spielt.

Die Teilnahme an der U17-EM war das bisherige Highlight in der Karriere von Nadja Furrer. Für den EM-Final sind die Eltern extra aus der Schweiz angereist und haben mit Kuhglocken und Trommeln für Stimmung gesorgt. Obwohl es nicht zum Titel gereicht hat und die Enttäuschung im ersten Moment tief sass, war die EM ein unvergessliches Erlebnis. Die spielfreien Tage haben die Spielerinnen für gemeinsame Ausflüge genutzt. «Wir haben einen Geysir betrachtet und einmal gar einen Whale-watching-Ausflug unternommen. Das war sehr lustig und interessant», so Furrer, die den guten Zusammenhalt und die Atmosphäre im Team herausstreicht.

Was ihr besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die Rückkehr von Island in die Schweiz. Bei der Ankunft am Flughafen Zürich in Kloten wurden die U17-Heldinnen von zahlreichen Fans empfangen. «Es war echt krass, wie viele Leute da waren und uns mit Kuhglocken tosend empfingen. Wir waren sehr überrascht», so Furrer

Der Traum vom Ausland

Nach dem Highlight in Island steht für die junge Torhüterin nun wieder der Trainingsalltag bei GC an. Doch Nadja Furrer will mehr: Sie träumt von einer Profikarriere im Ausland und will sich eines Tages das Trikot der A-Nationalmannschaft überstreifen. Und vielleicht schreibt sie dann ja wieder Geschichte. Wie man sich für einen EM-Final qualifiziert, weiss sie zumindest schon einmal. Etwas, das sie allen Spielerinnen der aktuellen A-Nati voraus hat.