Einen Moment hat man das Gefühl, Joe Cocker ist am anderen Ende der Leitung. Die Stimme von EHC-Urdorf-Trainer Dani Hüni klingt wie die des Musikstars: Schwerfällig, beschlagen, kratzig. Der 46-jährige Hüni liess sich wenige Stunden zuvor mit seiner mehrheitlich jungen Mannschaft treiben, die den Verbleib in der 2. Liga bis in die Morgenstunden feierte.

Es war das erste Mal in den drei Jahren seiner Tätigkeit in Urdorf, dass Hüni mit den Spielern fort war. Das mutet erstaunlich an, wenn man den Zürcher Unterländer im Umgang mit ihnen sieht. Er ist Teil des Teams, kritisiert – wenn überhaupt – ausnahmslos aufbauend, der Gute-
Onkel-Typ eben. Das ist Teil seines Wesens und geht so weit, dass man sich schwer tut, ihn ernst zu nehmen, wenn er mal böse ist. Das war in den beiden Matches der laufenden Saison gegen Dürnten der Fall. Er regte sich fürchterlich über seine Mannschaft und die Schiedsrichter auf. Als er im Heimspiel die Taktiktafel in Richtung Bande fortschleuderte, sie dort abprallte und auf dem Eis landete, schien ihm das umgehend peinlich zu sein.

Es ist nicht so, dass Hüni nicht anders könnte. Er spielt durchaus mit der Taktik der Gutmütigkeit. Seine gesamte Erfahrung im Trainermetier gründet darauf. Sowohl in der Frauennationalmannschaft als auch bei den Limmattal Wings und in Urdorf galt und gilt: Die Spieler verdienen nichts, der Trainer ist auf sie angewiesen. Mit anderen Worten: Sie sitzen am längeren Hebel.

Kein fertiger Trainer

Dahingehend äusserte sich Hüni am vergangenen Samstag im Gespräch mit Co-Trainer Thomas Heldner. «Vielleicht ist es gerade das, was den Erfolg bringt: Dass du es allen recht machen willst», mutmasste der frühere Nationalspieler Heldner.
Hüni passt mit dieser Eigenschaft hervorragend auf die Weihermatt. Denn die Vergangenheit zeigt, dass gerade die Urdorfer Mannschaft äusserst sensibel auf einen Trainer reagiert. Stellt er sich gegen sie oder verpasst er den richtigen Moment, um sie zu fordern, hat er seine Autorität eingebüsst. Hüni hat während der laufenden Saison Bereitschaft gezeigt, nicht nur arbeiten zu lassen, sondern mitzuarbeiten. Er liess sich auf Diskussionen über die Trainingsqualität ein und holte Tipps von aussen. Ein Zeichen, dass er sich nicht als fertigen Trainer sieht. Das wird ihm von den Spielern nicht negativ ausgelegt. Die Frage, ob er die Mannschaft noch einen Schritt weiterbringen kann, stellte sich in der Aufstiegssaison nicht. Einen Hinweis darauf gibt es trotzdem: Die Punkteausbeute ist deutlich höher ausgefallen als erwartet.

Verein will Hüni halten

Die Chancen sind gross, dass Dani Hüni weitermacht. Er heiratet im Sommer, die Flitterwochen würden aber die Saison nicht tangieren, sagte er vor kurzem. Entschieden hat er sich indes noch nicht hundertprozentig: «Zuerst will ich herausspüren und heraushören, ob mich die Mannschaft noch will», erklärt Hüni. Der Verein jedenfalls würde gern an ihm festhalten: «Wir sind daran interessiert, dass Hüni bleibt», bestätigt
EHCU-Präsident Thomas Leimgruber. Die Gespräche würden in der laufenden Woche aufgenommen. Auf die Frage nach höheren Zielen der ersten Mannschaft verweist Leimgruber auf die fernere Zukunft. Sein Augenmerk gilt aktuell dem Schaffen der Voraussetzungen dafür. Die grösste Herausforderung: Mehr Trainingseis. Das Fanionteam soll dreimal wöchentlich in Urdorf trainieren.

Das heisst für Hüni, dass von Vereinsseite her in der kommenden Spielzeit erneut der Klassenverbleib als Ziel feststeht. Das dürfte den Gutmütigen nicht bös stimmen.