Was war das Erfolgsrezept für den doch überraschenden Gewinn der Bronzemedaille?
Claudio Pescia: Wir ernten die Früchte unserer Arbeit der letzten beiden Jahre. Das junge Team (das Jüngste in der Schweizer WM-Geschichte, Anm. d. Red.) hat an internationalen Turnieren wertvolle Erfahrungen sammeln können. Obwohl wir dadurch die meisten Gegner kannten, war es wichtig, unser eigenes Spiel durchzuziehen. Dazu hatten wir - auch bei Niederlagen - nie ein schlechtes Spiel eingezogen. Diese Konstanz war wegweisend. Ausserdem hatten wir mit Headcoach Andreas Schwaller und Ersatzspieler Claudio Pätz (aus Urdorf) eine tolle Delegation, die wichtige Arbeit geleistet hat.

Inwiefern war der WM-Titel der Frauen in dieser Saison ein Ansporn?
Dieser Erfolg hatte sicher einen positiven Einfluss. Die Jungs wollten nachziehen. Im Hinterkopf wusste jeder von uns, dass ein Medaillengewinn möglich ist, obwohl es unsere erste gemeinsame Weltmeisterschaft war. Die mentale Stärke und der Siegeswille der Frauen haben uns den Weg gezeigt. Für das Bronzespiel gegen Kanada haben wir uns zudem das Eishockeyteam der Frauen zum Vorbild genommen. Auch sie waren im kleinen Final der Olympischen Spiele klarer Aussenseiter.

Sie haben bereits vor der WM von einer Medaille gesprochen. Wurden Sie dafür etwas belächelt?
Mit dem Verband haben wir uns offiziell die Playoffs zum Ziel gesetzt. Auch dieses Ziel war ambitioniert und schon da dachten sich die Leute bei Swiss Curling wohl, dass diese Formulierung etwas frech ist. Weil der Verband auch mit weniger zufrieden gewesen wäre, war der Druck auf unserem Team nicht zu hoch. Dass es nun doch zu Bronze gereicht hat, ist natürlich auch eine schöne Bestätigung.

Wer hat Ihnen bereits gratuliert?
Der Curlingverband hat uns am Flughafen Zürich einen schönen Empfang beschert. In China waren die meisten Eltern der Jungs und eine kleine Fangruppe dabei, die uns lautstark unterstützt hat. Daneben gab es natürlich auch zahlreiche Gratulanten per SMS. Darunter waren kreuz und quer viele Leute, auch solche, die ich über ein Jahr nicht mehr gehört habe. Man merkt: Nachdem es den andern in Sotschi knapp nicht gereicht hat, gönnen uns viele Leute diesen Triumph.

Wie haben Sie diesen Erfolg gefeiert?
Zum Empfang des Verbandes gehörte auch ein kleiner Apéro. So konnten wir zusammen kurz anstossen. Gestern ging noch alles Schlag auf Schlag. Nach dem Spiel konnten wir noch einen Teil des Finalspiels schauen, danach ging es zur Schlussfeier und Medaillenübergabe. Obwohl wir nicht viel Zeit hatten - der Bus zum Flughafen ging bereits um 4.15 Uhr - konnten wir das Bankett im Anschluss an die Abschlusszeremonie etwas geniessen. In den nächsten Wochen wollen wir aber eine Teamparty organisieren, dort können wir dann in Ruhe alle zusammen feiern.

Haben Sie nach den letzten beiden turbulenten Wochen nun Zeit sich in den Ferien zu erholen?
Ich arbeite zu 100 Prozent als Vermögensverwalter, deshalb waren diese zwei Wochen meine Ferien. Gleiches gilt für die Jungs, wir werden erst im Sommer die Beine etwas baumeln lassen können. Auf die dann anstehenden Strandferien freue ich mich natürlich sehr. Eine willkommene Abwechslung, bevor wir in den Eishallen die Vorbereitung auf nächste Saison starten.