Fussball
Christian Schneuwlys Flucht vor den Vorurteilen

Der 26-jährige Christian Schneuwly wechselte in diesem Winter vom beschaulichen Berner Oberland in die selbst ernannte Weltstadt Zürich und will mit Vorurteilen aufräumen.

Nicola Imfeld
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Christian Schneuwly (26) freut sich auf seine neue Herausforderung beim FCZ.

Christian Schneuwly (26) freut sich auf seine neue Herausforderung beim FCZ.

Keystone

Im besten Fussballeralter nimmt Christian Schneuwly einen erneuten Anlauf, sich bei einem «Grossen» der Schweizer Super League durchzusetzen. Trotz anderen Offerten hat sich Schneuwly schnell für den FC Zürich entschieden. «Der FCZ ist eine Topadresse in der Schweiz, da musste ich nicht lange überlegen».

Den Zeitpunkt des Wechsels begründet Schneuwly damit, dass er im Sommer den FC Thun wohl sowieso verlassen hätte. «Ich hatte keine neue Offerte von Thun, daher musste ich mich nach anderen Möglichkeiten umsehen». Abwarten bis im Sommer wollte der jüngere der «Schneuwly Brothers» nicht. «Man weiss nie, ob eine solche Offerte im Sommer erneut kommt, daher wollte ich diese Chance packen».

Man merkt: Dieser Mann will beim FCZ durchstarten. Erstmals raus aus dem Kanton Bern. «Ich wollte bewusst aus dem Umfeld ausbrechen, neue Erfahrungen sammeln». Schneuwly möchte beweisen, dass er auch bei einem anderen Verein als Thun erfolgreich sein kann.

Parallelen zu Bruder Marco

Nach einer überzeugenden Vorrunde mit Thun (vier Tore und fünf Vorlagen) scheint Schneuwly für die neue Aufgabe gerüstet. 2007 erhält der 19-Jährige einen Profivertrag bei den Berner Young Boys. Bei YB kann sich Schneuwly allerdings nie durchsetzen, lässt sich zum FC Biel und später ins Berner Oberland ausleihen. Nach dem Ende seiner Ausleihe muss er zurück in die Hauptstadt. Doch dort läuft es wieder nicht rund. Im Sommer 2013 erfolgt dann der definitive Wechsel zum FC Thun. Der Neo-FCZ Spieler begründet seine durchzogene Zeit bei YB damit, dass er nicht wertgeschätzt wurde. «Als ehemaliger Junior hast du nie den Stellenwert eines Neuzuganges».

In Thun kann Schneuwly Fuss fassen und entwickelt sich zu einem Leistungsträger. Etwas wehmütig sagt er dann auch: «Ich werde die Zeit beim FC Thun vermissen, der Zusammenhalt ist da wirklich das A und O. Das ist einmalig in der Schweiz». Während seiner Zeit in Thun gesellte sich auch sein Bruder Marco dazu. Dieser hat eine ähnliche Karrierelaufbahn wie Christian. Auch er lancierte seine Karriere bei YB, versuchte sich durchzusetzen. Doch auch sein Stern ging erst nach dem Wechsel zum FC Thun auf. Können die Schneuwlys nur in Thun erfolgreich Fussball spielen?

Marco Schneuwly hat sich im Sommer 2014 als erster Schneuwly aufgemacht, um dieses Vorurteil auszuräumen. Persönlich spielte er eine gute Vorrunde, erzielte in 22 Pflichtspielen 15 Treffer. Doch mit dem FC Luzern steckt er im Tabellenkeller. Nun verlässt auch Christian Schneuwly den FC Thun und zeigt sich überzeugt, dass er sich durchsetzen wird: «Ich konnte Erfahrungen in der Europa League sammeln, habe mich stets weiterentwickelt und bin gereift. Ich bin überzeugt, dass es in Zürich klappen wird».

Konkurrenz im FCZ-Mittelfeld

Der Sprung von Thun an die Spitze der Super League ist gross. Luca Zuffi hat es aber ohne Startschwierigkeiten geschafft und nimmt bereits eine zentrale Rolle im FCB-Mittelfeld ein. Schneuwly ist überzeugt, dass auch er schnell Fuss fassen kann. «Ich bin eine bodenständige Person und kann mich schnell in eine neue Mannschaft integrieren».

Der FCZ hat viele Mittelfeldspieler im Kader. Yassine Chikhaoui, Davide Chiumiento, Oliver Buff und Gilles Yapi haben eine gute Vorrunde gespielt. Die talentierten Avi Rikan und Asmir Kajevic wollen in der Rückrunde mehr Spielzeit, der Konkurrenzkampf ist gross. Trotzdem wird Schneuwly mit grosser Wahrscheinlichkeit heute Samstag im Rückrundenauftakt gegen den St. Gallen (20:00, live auf TC Sport 1) in der Startaufstellung stehen. Chiumiento verpasst das erste Spiel aufgrund einer Gelbsperre und der verletzte Gilles Yapi fällt für die ganze Rückrunde aus. Schneuwly kann aber nur von diesen Absenzen längerfristig profitieren, wenn er sofort einschlägt. Sonst findet er sich schon bald auf der Ersatzbank wieder.

Angriffslustig und zuversichtlich. So zeigt sich Christian Schneuwly angesprochen auf die Meisterschaft, denn die hat er noch lange nicht abgeschrieben. «Im Fussball kann es schnell gehen, wir spielen noch zweimal gegen den FC Basel».

Eine Kampfansage? Schneuwly relativiert: «Natürlich ist es immer noch der FCB, die werden wohl nicht viele Spiele verlieren. Wir müssen auf uns schauen, unsere Spiele gewinnen und dann wird am Schluss abgerechnet».