Eisschnelllauf

Christian Oberbichler befindet sich auf einer Zeitreise

Christian Oberbichler hat in kurzer Zeit eine gute Form aufgebaut.Willie Pavlinec/GOFOTO

Christian Oberbichler hat in kurzer Zeit eine gute Form aufgebaut.Willie Pavlinec/GOFOTO

Vergangene Saison warf ihn eine Verletzung zurück. Nun will der 21-jährige Urdorfer Christian Oberbichler heute in Basel seinen Schweizer Kleinbahnrekord von 2010 verbessern.

Ein Mann ist auf Achse. Christian Oberbichler ist seit Jahren in Sachen Arbeit und Eisschnelllauf unterwegs. Und wenn er nach dem Training auf dem Dolder das Elternhaus in Urdorf betritt und im Kühlschrank nichts zum Wärmen findet, stellt er sich selbst an den Herd. Einem Ernährungsplan folgt er nicht, als Bauschreiner auf Montage und im Training werden genug Kalorien verbrannt. Und sowieso: Obwohl Aerodynamik ein wichtiger Faktor ist, dürfe man kein Strich in der Landschaft sein. «Wenn Masse da ist, die man in Bewegung setzen kann, gleitet man besser», erklärt der 21-Jährige.

Wer mit ihm über seinen Formstand und seine Ziele spricht, erlebt ein Déja-entendu. Es macht den Anschein, als ob ihn eine Zeitreise genau ein Jahr zurückversetzt hat. «Das könnte man so sagen», bestätigt der Limmattaler. Unter normalen Umständen ist diese Feststellung für einen Leistungssportler alarmierend, für Oberbichler ist diese Zeitreise hingegen eher beruhigend: Eine Verletzung an der Patellasehne vermasselte ihm die vergangene Saison und zwang ihn zu vier Monaten Pause in der Vorbereitung auf die laufende.

Auf der Jagd nach der Weltcupnorm

Wie schon 2012 wird er sich auch heuer zwischen Weihnachten und Neujahr im bayerischen Inzell der Herausforderung stellen, über 1000 Meter die Weltcupnorm zu schaffen. Druck auferlegt er sich nicht: «Ich werde dort laufen und sehen, wozu es reicht.» Unabhängig der Resultate in Deutschland erwartet ihn im März ein Höhepunkt: Nach 2011 reist er zum zweiten Mal nach Calgary, um auf der dortigen «Wunderbahn» in Standardlänge (400 Meter) Saisonschlusswettkämpfe zu bestreiten. Für Oberbichler ist dies die Rückkehr an die Stätte seiner grössten Erfolge: 2011 stellte er dort neue Schweizer Bestmarken über 500 Meter und 1000 Meter auf.

Zunächst stehen heute die Basler Meisterschaften auf Oberbichlers Programm. Sein erklärtes Ziel auf der Kleinbahn (243 Meter): Seinen Rekord über 500 Meter aus dem Jahr 2010 brechen (39,03 Sekunden). Sein Selbstvertrauen gründet auf zwei bereits absolvierten Wettkämpfen, in denen er bei widrigen Verhältnissen vielversprechende Zeiten gelaufen sei. «Nach der viermonatigen Verletzungspause konnte ich in kurzer Zeit wieder eine gute Form aufbauen», stellt der Urdorfer fest. An den Sprint-SM in Davos am ersten Januarwochenende peilt er Goldmedaillen an.

Endlich wieder Konkurrenz in der Heimat

War die Konkurrenz hierzulande in den vergangenen Jahren äusserst überschaubar, wächst die Szene nun wieder. Grund dafür seien Zuzüge aus dem Inlineskating. «Die wollen an Olympischen Spielen teilnehmen, das können sie in ihrer angestammten Sportart nicht», erklärt Oberbichler, der die grössere Gegnerschaft begrüsst. Die dürfte jedenfalls ernst zu nehmender sein als der Rivale am vergangenen Wochenende. Im Rahmen des «schnällscht Zürischlifschue» lief Oberbichler gegen den ZSC-Spieler Mike Künzle einen Show-Wettkampf. Der Eisschnellläufer gewann diesen deutlich – in Eishockeyschlittschuhen.

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