Charly Güdel beschreibt den Moment, als er in Wohlen im Kart eines Kollegen an den Start ging: «Die ganze Rennerfahrung war gleich wieder da. Und das, obwohl ich schon so lange keine Rennen mehr gefahren bin.» Genau acht Jahre ist es her, als Charly Güdel seine letzte Saison als Rennfahrer bestritt. Damals fuhr er im Supermotard in der Kategorie Quad, einem vierrädrigen Motorrad, und erreichte den 5. Platz im Gesamtklassement – die beste Platzierung seiner Karriere in dieser Disziplin. Trotzdem entschied er sich damals, mit dem aktiven Rennsport aufzuhören. «Mein Sohn Robin hat damals begonnen, Kartrennen zu fahren», erklärt er. «Da war für mich klar, dass ich ihn betreuen werde.» Am Streckenrand zu stehen und den eigenen Sohn zu beobachten, sei aber keinesfalls beruhigender als das Erlebnis auf der Strecke, beteuert Güdel: «Im Gegenteil, es ist sogar noch intensiver, das mitzuerleben.»

Sohn spielt eine Rolle

Es hatte mit seinem Sohn zu tun, dass Güdel damals seinen Rücktritt als Rennfahrer bekannt gab. Und es hat auch mit seinem Sohn zu tun, dass er sich zu einem Comeback entschlossen hat. Denn Robin hat wegen seines Studiums seine Karriere vorerst unterbrochen. «Das war für mich der Grund, es nochmals selber zu versuchen», erklärt Güdel. «Und die Tatsache, dass ich im Alter von 15 Jahren mit Kartrennen begonnen habe und jetzt 51 bin», fügt er hinzu und lacht.

Auch während seiner Abwesenheit hat Güdel den Kartsport nie ganz aufgegeben. Gelegentlich hat er zum Spass ein paar Runden gedreht. Auch ein Grund dafür, warum er sich für ein Comeback im Kart entschieden hat – und nicht in seiner Paradedisziplin, dem Motorrad-Gespann. Neun Jahre lang, von 1989 bis 1998, hatte er mit seinem älteren Bruder Paul Rennen mit dem Seitenwagen bestritten. Das Duo wurde in dieser Zeit sogar Vizeweltmeister. Und trotzdem hat Charly Güdel nie mit einem Seitenwagencomeback geliebäugelt. «Gespannrennen sind viel gefährlicher», erklärt er, «und auch der Aufwand ist viel grösser. Nein, ich will nicht mehr Seitenwagen fahren. Dafür bin ich zu eingerostet.»

Was hat sich im Rennsport eigentlich verändert in all den Jahren? «Die Sicherheit in erster Linie», sagt Güdel. «Bei Kartrennen kommt es selten zu Verletzungen. Nicht zuletzt deshalb wird Kart von den Versicherungen als Nichtrisikosportart eingeschätzt.» Aber nicht nur der Sport birgt weniger Risiken, sondern auch Güdels Fahrweise. «Ich gehe eher mit Distanz an die Sache heran», sagt er. «Daher wählt man die Risiken auch bewusster aus. Früher war ich eher hitzköpfig, aber jetzt nicht mehr.»

WM-Reise nach Florida reizt

Mit dem Sieg in Wohlen könnte sich Güdel theoretisch für die Weltmeisterschaft in Orlando, Florida qualifizieren, falls er die nächsten Rennen erfolgreich gestaltet. Ob er wieder an den Start geht, ist aber fraglich. «Ich habe keinen eigenen Kart», erklärt er. «Zudem hatte ich in Wohlen keine höheren Ambitionen. Ich habe einfach zum Plausch mitgemacht.» Allerdings gibt er zu, dass ihn die WM reizen würde: «Ich würde gern in die USA fliegen.»