Laufsport
Charles Eugster verpasst weiteren Weltrekord

Charles Eugster hat am 8. März den Ü95-Weltrekord über 200m geholt. Das ist für den 95-Jährigen aus Uitikon aber erst der Anfang der Rekordjagd. Gestern verpasste Eugster den Rekord über 60m. Immerhin lief er britischen Rekord.

Timon Richner
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Charles Eugster
5 Bilder
Start: Flink wie ein Wiesel startet Eugster zu einem weiteren Trainingslauf.
Training gehört dazu: Eugster im Kraftraum.
Das Krafttraining bereitet ihm offensichtlich Freude.
Egal ob Liegestützen oder Rumpfbeugen - Eugster ist sich für nichts zu schade.

Charles Eugster

Sandra Ardizzone

Eugster holte sich den Europameistertitel mit einer Zeit von 14:56 Uhr und verbesserte so seinen vor 14 Tagen aufgestellten britischen Rekord (15:32) um 76 Hundertstelsekunden.

Am Freitag um 18.40 Uhr greift Charles Eugster erneut ins Wettkampfgeschehen ein – und zwar 200m Sprint. Das Ziel ist die Verbesserung seines Weltrekords von 8. März 2015 in Lee Valley/London.

Im Sommer möchte der dann 96-Jährige die Outdoor Weltrekorde über 100m und 200m angreifen. Diese liegen in Eugsters Reichweite. In der Halle lief er 60m in 14:56; der Weltrekord im 100m Outdoor liegt bei 20.41. 200m lief er in der Halle in 55:48; der Weltrekord liegt bei 48:69. Da sich Eugster draussen aber wohler fühlt als drinnen, stehen die Chancen gut.

Eugster am „Weltklasse Zürich“?

Dass sich da am Fusse des Üetlibergs ein alter Mann seit einem Jahr erfolgreich als Leichtathlet versucht, spricht sich herum. Auch den Veranstaltern von „Weltklasse Zürich“ ist Charles Eugster nicht mehr unbekannt. Im Vorprogramm von Weltklasse Zürich im Letzigrund den Ü95-Weltrekord über 100m knacken. Das wäre doch etwas.

„Nein, nein, nein! Auf keinen Fall“, meint der 95-jährige Charles Eugster zu dieser Idee. Sylvia Gattiker, Personal-Trainerin von Eugster, entgegnet dem Senior aber sofort: „Herr Eugster, Sie wollen doch die Welt verändern – klar würden wir das machen.“

Dass einer dieser Weltrekordversuche aber auf der grossen Bühne im Letzigrund vonstattengeht, schliessen die Verantwortlichen des Diamond League Meetings aus. „Eine Rekord-Inszenierung für Charles Eugster würde bestimmt eine Menge Aufmerksamkeit generieren. Aber so etwas passt nicht in unser Konzept und ist nichts für uns. Wir wollen im Vorprogramm jungen, talentierten Sportlern eine Plattform bieten“, sagt Roland Hirsbrunner, PR-Chef von Weltklasse Zürich. Auch von einem Auftreten Eugsters als Gag will Hirsbrunner nichts wissen, dazu sagt er: „Wir würden Herrn Eugsters eindrücklichen Leistungen nicht gerecht, wenn wir seinen Auftritt bloss als Gag inszenieren.“

Eugster selbst ist über die Absage vielleicht froh. Man wird aus dem 95-Jährigen in dieser Hinsicht nicht schlau. Manchmal tritt er auf wie ein Showman. In anderen Situationen vermittelt er den Eindruck, als wäre ihm zu viel Aufmerksamkeit unangenehm.

Eugster kämpft an schwieriger Front

Sein Ziel hat Charles Eugster in den letzten Jahren beibehalten. Er will die Welt verändern. Mit Trainerin Sylvia Gattiker an seiner Seite zieht er in einen politischen Kampf gegen die negative Konnotation des Alters und Inaktivität von Pensionierten. „Herr Eugster ist das Paradebeispiel: Alte Leute sind zu Höchstleistungen fähig und können noch Neues lernen.“, sagt Gattiker. Für diesen Kampf brauchen die beiden aber auch ein Sprachrohr. „Über sportliche Höchstleistungen können wir Aufmerksamkeit erregen“, sagt Gattiker.

Eugsters Drei-Punkte-Plan

Charles Eugsters drei Anweisungen für ein erfolgreiches Alter:

1. Arbeit

Alle Menschen sollten nach der Pensionierung einer gewinnbringenden Tätigkeit nachgehen.

2. Ernährung

„Studien zeigen, dass Fettleibigkeit das Gehirn schrumpfen lässt“, sagt Eugster. Gemäss dem fitten Senior ist aber nicht Fett das Problem, sondern Kohlenhydrate. Eine Ernährung mit viel Fleisch, Fett, Früchten und Gemüse sei besser.

3. Intensives Training

Kraft, Schnelligkeit und Koordination soll auch im hohen Alter intensiv trainiert werden.

Eugster sieht viele Probleme und hat dafür auch Lösungen parat (siehe Box). „Die Menschheit stürmt dem Unheil entgegen“, ist sich Eugster sicher. Erschreckend sei es, dass manche Menschen glauben, es sei normal, im Alter krank zu werden. Gattiker ergänzt: „Die Gehirne von älteren Leuten verlieren nur an Leistungsfähigkeit, wenn sie nicht gebraucht werden.“ Demenz ist heute fast zu einer Volkskrankheit geworden, sei aber „nur bei fünf Prozent der Menschen genetisch bedingt“, sagt Gattiker. Diese Missstände haben zur Folge, dass Pensionskassen heute zu viel Geld kosten“, findet Eugster.

Die Aktionen des Charles Eugsters haben auf jeden Fall das Potenzial, viel Aufmerksamkeit zu erregen.