Obwohl Bruno Weibel seinen Klassensieg bereits mit seinen zwei Siegen beim letzten Rennen in Zandvoort (NL) zementiert hatte, liess er es sich nicht nehmen, in Dijon (F) an den Start zu gehen und nochmals alles zu geben. Im Qualifying vom Freitag konnte Weibel die drittschnellte Zeit heraus fahren und durfte am Schluss sogar von Startplatz Zwei aus fahren, da einem der Konkurrenten die schnellste Runde aufgrund einer Regelübertretung gestrichen wurde.

Dass es trotzdem keinen Spaziergang sein würde, war von Anfang an klar und so schenkten sich die drei Favoriten keinen Millimeter und wechselten sich mit der Führung während des gesamten Rennens immer wieder ab. Am Ende fuhr bei beiden Rennen vom Samstag und Sonntag der Italiener Pierre Tonetti als erster über die Ziellinie, gefolgt von Manfredo Rossi di Montelera, ebenfalls italienischer Staatsbürger, und Bruno Weibel als Dritter.

Nach dem Rennen kommt der Spass

Wie viel Spass die drei Konkurrenten hatten und wie fair gekämpft wurde, sah man spätestens auf dem Podest, als alle drei breit grinsend und zu Spässen aufgelegt ihre Trophäen entgegen nahmen. Beim Rennen vom Sonntag fuhr Bruno Weibel sogar die schnellste Rennrunde, auf den letzten Metern jedoch gelang es Manfredo Rossi di Montelera noch, ganz knapp vor der Ziellinie an Weibel vorbeizuziehen. Das war Rossis Revanche für selbige Situation im Rennen zuvor in Zandvoort (NL), wo Weibel ganz knapp vor Rossi über die Ziellinie fuhr. Zusammengezählt aus beiden Rennen trennten die ersten drei gerade einmal 2.9 Sekunden.

Doch nicht nur seine eigenen Erfolge konnte Weibel am Wochenende feiern, auch den seines Gönners, dem Briten Colin Nursey. Der Besitzer des Lotus 22, den Weibel im vergangenen Jahr erfolgreich in der Europameisterschaft der historischen Formel Junior einsetzen durfte, gewann den Europameister-Titel der FIA Formel Junior. Dies, so meinte Nursey mit seinem typisch englischen Humor, sei nur möglich gewesen, weil er in den USA den Lotus 22 aufgestöbert, nach Europa verschifft und Weibel zum Rennen fahren zur Verfügung gestellt hat.

Weibel in Personalunion

So konnte sich Weibel mit den Favoriten in der Königsklasse abmühen, wo sich die Konkurrenten gegenseitig Europameister-Punkte abjagten, während Nursey diese ganz unauffällig sammelte. Somit konnte Weibel den Europameister-Wanderpokal direkt an Nursey weitergeben. Während Weibel in den Jahren 2015 und 2017 Europameister wurde, hat es nun sein Freund und Gönner Colin Nursey geschafft, der selber einen Lotus 18 fährt, dessen Motor und Getriebe von Grund auf von Bruno Weibel aufgebaut wurden.

Dies ist übrigens die grosse Besonderheit an Weibels Erfolgen. Er ist als einziger der ganz erfolgreichen Fahrer der Formel Junior nicht nur Rennfahrer, sondern auch Rennmechaniker, Organisator und Chauffeur des «Teams». Will heissen, der Grossteil seiner Konkurrenten reist bequem im Flugzeug oder mit der Limousine an, nächtigt im Fünfsternehotel und lässt seine Sportgeräte von einem Chauffeur auf die Rennstrecke bringen und von einem Mechaniker-Team bereitstellen. Weibel macht dies alles in Personalunion.

Bei technischen Problemen von Mitstreitern hilft er immer gerne mit Know-how und Ersatzteilen aus. Seine tolle Performance auf und seine Hilfsbereitschaft neben der Rennstrecke bringen ihm viel Respekt und Sympathie bei seinen Konkurrenten ein.