Das Zwölfeckige muss ins Rechteckige – denn im Gegensatz zum richtigen Fussball ist dieses Spielgerät nicht wirklich rund. Dieser Ball besteht aus sechs Quadraten und acht Dreiecken, ist auf einer Hälfte schwarz und auf der anderen weiss. Die Farbe, die oben angezeigt wird, bestimmt, wer den nächsten Schuss hat. Tipp-Kick ist ein exotisches Hobby. Knapp zwei Dutzend junge und jung gebliebene Männer zwischen 16 und 60 sowie eine Frau trafen sich am Sonntag im Birmensdorfer Gemeindezentrum Brüelmatt, um die Schweizer Meisterschaften für Teams auszutragen. Die Rivalität ist alt: Birmensdorf und Baden machen sich keine Geschenke. «Daniel Nater spielte früher bei uns», erklärte John Appenzeller von den organisierenden Birmensdorf Eagles, die die Schweizer Meisterschaften. «Wir konnten bisher verhindern, dass er mit einer anderen Mannschaft den Titel holte.»

Querdenker spielen mit einem Querfuss. Aber die echten Profis können diese Technik nicht so recht ernst nehmen. Sie feilen an den Füssen ihrer Spieler herum, bis der Effet stimmt und der Ball fast immer auf der gewünschten Farbe zu stehen kommt. Erfolgreiche Schüsse sind fast immer Heber, die sich hinter dem als Mauer postierten gegnerischen Feldspieler aufs Tor senken. Der Ball fliegt dabei so schnell, dass man ihn fast nicht sehen kann. Aber Tippkicker sind fair. Normalerweise sind sich die beiden Gegenspieler einig, und sonst genügt ein Blick zum Schiedsrichter, dessen Entscheidung immer ohne zu murren akzeptiert wird.

Das entscheidende Match lieferten sich in der zweitletzten Runde der Birmensdorfer Serge Endrizzi und der Badener Daniel Nater. Ein Unentschieden hätte Birmensdorf genügt, aber Nater gelang fast mit der Schlusssirene das Siegestor. Die Badener lagen sich bereits jubelnd in den Armen, denn dass sie in der letzten Runde den krassen Aussenseiter Dynamo Zürich schlagen und sich so den Titel sichern würden, war anzunehmen.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. «Hier geht es zu wie bei der Fifa», sagt ein Birmensdorfer. «Warum, wen soll ich bestechen?», fragt ein anderer. Ein Kübel Glacé, eine Kiste Bier und ein Nachtessen für den besten Spieler kamen als Motivationsspritze für Dynamo Zürich zusammen. Doch daraus wird nichts. Die Badener gewinnen ihre letzte Begegnung klar und feiern den Schweizer Meistertitel.

«Diesmal sollte es nicht sein», zog John Appenzeller Bilanz. «Im entscheidenden Moment zeigten unsere wichtigsten Spieler Nerven. Wir sind bis jetzt vier Mal Meister geworden, aber das sind schon viele andere Vereine. Fünf heisst die magische Zahl. Jetzt sind wir motiviert, nächstes Jahr, wenn in Baden gespielt wird, den Titel nach Birmensdorf zurückzuholen.»