Laufen
Bettina Berger läuft und läuft - aufgeben ist kein Thema

Die Dietikerin Bettina Berger sucht die Herausforderung.Läuft alles nach Plan, wird die zweifache Mutter dereinst zu einem Marathon starten.

Raphael Biermayr
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Bettina Berger hat den Aletsch-Halbmarathon erneut gepackt.

Bettina Berger hat den Aletsch-Halbmarathon erneut gepackt.

zvg

Was bewegt Menschen zur Bewegung? Vielfach der Drang nach draussen, der Wille zum Abschalten. «Lauf, Forrest! Lauf!», lautet das wohl berühmteste Filmzitat dazu. Dass es so einfach nicht läuft, musste Bettina Berger erfahren.

Die Dietiker Volks- und Alpinläuferin sagt: «Man muss Laufen lernen.» Bevor sie selbst im Jahr 2004 zu ihrem ersten Wettlauf startete, nahm sie an einer Laufschule teil, geleitet von Olympiamedaillengewinner Markus Ryffel. Im Laufe der Jahre sei Berger immer und immer wieder auf ihre Leidenschaft angesprochen worden. Das hat sie dazu bewogen, einen Lauftreff ins Leben zu rufen.

Ein grosser Schritt

Ein grosser Schritt für die zurückhaltende Limmattalerin, die auf eine Grosszahl von Läufen zurückblickt. «Ich bin ganz gern für mich», stellt sie klar. Zuletzt war sie das mit über 2200 andern inmitten einer einmaligen Landschaft. Am Aletsch-Halbmarathon auf der Walliser Bettmeralp sind neben den 21,1 Distanzkilometern auch 1050 Höhenmeter zurückzulegen. Nach 3:11 Stunden lief die 46-Jährige durch das Ziel, Platz 426 im Gesamtklassement, 1:19 Stunden Rückstand auf die Siegerin, immerhin Platz 1 unter den drei gestarteten Limmattalerinnen.

Für Bettina Berger sei die Zeit zweitrangig. «Während eines Rennens schaue ich nie auf die Uhr, das würde mich nur verunsichern, unter Druck setzen», erklärt Berger. Am liebsten würde sie vermitteln, dass sie gar nicht auf die Zeit schaut. Doch der Ehrgeiz hat auch sie erfasst. «Ich war neun Minuten schneller als letztes Jahr», stellt sie stolz klar.

Kopfmensch sucht die Grenze

Läuft alles nach Plan, wird die zweifache Mutter dereinst zu einem Marathon starten. Als sie am Swiss Alpine Marathon im vergangenen Jahr die 31-Kilometer-Kategorie bewältigt hatte, habe sie «zum ersten Mal» das Gefühl gehabt, dass auch die 42,195 in Reichweite liegen.

Die Vorstellung, sich zu quälen, reizt sie indes nicht. Eine Verletzung davonzutragen, eingeschränkt zu sein in der Bewegungsfreiheit; das ist die schlimmste Vorstellung für sie. Neugierig, wo ihre Grenze liegt, sei die Bibliothekarin dennoch. Und so läuft der literaturverbundene Kopfmensch Berger manchmal innerlich gegen eine Wand. Denn sich im Vorfeld schon zu viele Gedanken zu machen, widerspricht der intuitiven Art, widerspricht, der Freiheit ihren Lauf zu lassen.

Schiefgelaufen ist dennoch kaum etwas. «Ich kenne meinen Körper sehr genau, um zu wissen, wie weit ich gehen kann», erklärt sie. Entsprechend ist Aufgeben kein Thema – mit einer Ausnahme: Am Strongmanrun, einer Art Militär-Hindernis-Parcours für jedermann, verlor Bettina Berger «das Wichtigste», die Freude. «Da ging es mehr um das Waten im Schlamm, das war nichts für mich», hat die Limmattalerin festgestellt. Ausnahmsweise dumm gelaufen.