Fussball
Besondere Eile im Aufstiegsrennen

Anthony Gullo ist der grosse Profiteur der Rückrunde im FC Dietikon. Gullo ist nicht nur ein talentierter Fussballer, sondern auch ein begabter Schiedsrichter. Bis vor der laufenden Spielzeit war er – wie sein Vater Mario – als solcher tätig.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Anthony Gullo (hier nach sienem Tor in Kilchberg) ist ein Trumpf.

Anthony Gullo (hier nach sienem Tor in Kilchberg) ist ein Trumpf.

Klar: Jeder Akteur bei einem Aufstiegsaspiranten will die Promotion so früh wie möglich in der Tasche haben. Anthony Gullo hingegen hat eine echte Deadline: Am 1. Juni fliegt der 20-Jährige für zwei Monate nach Miami zu einem Sprachaufenthalt. Damit verpasst er das letzte Meisterschaftsspiel von Leader Dietikon in der 2. Liga interregional. Der Aufstieg sollte also am 31. Mai gelungen sein, damit Gullo ihn mit dem Team feiern kann. Das ist der Fall, wenn der FCD die Matches morgen gegen Liestal (16 Uhr, Dornau) und am kommenden Samstag in Muttenz gewinnt, und Seefeld in einem seiner beiden Partien Punkte liegen lässt. Es wäre bereits der zweite Aufstieg für Gullo. 2011 kam er bereits als A-Junior zu einigen Einsätzen im Fanionteam und stand auch beim entscheidenden Sieg gegen Siebnen als Einwechselspieler auf dem Platz.

Über einen Umweg zur Stammkraft

Mittlerweile ist Gullo, der bis und mit der U15-Stufe bei GC spielte, Stammspieler auf dem rechten Flügel. Allerdings über einen Umweg. Nach dem Aufstieg wechselte der Dietiker auf eigenen Wunsch zurück zu den Junioren. «Der Kantiabschluss stand im Vordergrund», erklärt er. Seit der laufenden Saison ist der angehende Wirtschaftsstudent zurück in der ersten Mannschaft. In der Vorrunde machte er als Joker auf sich aufmerksam, nach der Winterpause profitierte er von Verletzungen und machte sich als unermüdlicher Aktivposten, perfider Eckballtreter und kaltschnäuziger Vollstrecker unverzichtbar. «Es tut mir leid für die Verletzten», sagt der bescheidene, hochanständige Gullo zunächst, und ergänzt: «Aber natürlich bin ich froh, dass ich mich in die Mannschaft kämpfen konnte.» Trainer Goran Ivelj will den Einsatz des Youngsters nicht bloss auf die Verletzungen schieben: «Anthony hätte auch so Platz gefunden bei uns, er hat uns damals ja schon als 16-Jähriger in der 2. Liga geholfen», erklärt er. Ivelj habe von Aussenstehenden zahlreiche positive Reaktionen auf die Nummer 19 auf der Aussenbahn erhalten. Wer einem Match des FCD beiwohnt, merkt bald, dass Gullo der meistgerufene Akteur von Ivelj ist. «Ich höre meinen Namen tatsächlich oft auf dem Platz», sagt der Angesprochene mit einem Lächeln im Gesicht. Er nimmt die Hinweise des Trainers ernst, denn «Goran weiss, was ich kann, und will das Beste aus mir herausholen.»

Gullo ist nicht nur ein talentierter Fussballer, sondern auch ein begabter Schiedsrichter. Bis vor der laufenden Spielzeit war er – wie sein Vater Mario – als solcher tätig. Mit der Zeit sei ihm der Spass daran abhandengekommen. Nun will er sich auf seine Spielerlaufbahn konzentrieren. Der leidenschaftliche Fan der italienischen Nationalmannschaft weiss, dass er keine Profilaufbahn mehr einschlagen wird. Seine Zukunft liege in Dietikon, wo immerhin die 1. Liga Classic winkt. «Nach einem Aufstieg würden wahrscheinlich neue Spieler kommen und ich müsste mich von neuem in der Mannschaft bewähren», ist sich Gullo bewusst. Eine Herausforderung, der sich der jüngste Stammspieler im aktuellen Kader gern stellen würde. Angesichts dieser Chance würde er es auch verkraften, den Aufstieg allein in den USA zu feiern.

LiZ-Tipp zur Partie: 3:1