Fussball 3. Liga

Beni Achermann kehrt aus dem Ruhestand zurück

Beni Achermann auf dem Sportplatz beim Schulhaus Huebwis in Geroldswil, wo er arbeitet.

Beni Achermann auf dem Sportplatz beim Schulhaus Huebwis in Geroldswil, wo er arbeitet.

Nach der überraschenden Beurlaubung von José Varela bricht beim Drittligisten Engstringen die Zeit des Weiningers Beni Achermann an. Es könnten raue Zeiten für die Spieler werden.

Es klopft an der Tür des Hauswartzimmers im Schulhaus Huebwis in Geroldswil. Unter den Augen der beiden Wellensittiche betrifft Patrick Meier den Raum. Der Werkhofmitarbeiter der Gemeinde hat sich in einen Finger geschnitten und fragt Chef-Hauswart Beni Achermann um ein Pflaster. Seit kurzem kreuzen sich ihre Wege auch in der Freizeit. Meier ist Goalgetter des FC Engstringen und Achermann seit wenigen Wochen sein Trainer.

Es war Meier, der den Kontakt hergestellt hatte, nachdem José Varela auf der Brunewiis nicht mehr erwünscht gewesen war. Achermann und Meier plaudern ein wenig, bald dreht sich das Gespräch um Laufeinheiten. «Wenn du genug Tore schiesst, können wir über deine Rundenzeiten hinwegsehen», scherzt Achermann. Als Meier sagt, dass die Zeit für die Abfahrt an das bevorstehende Testspiel für ihn knapp sei, stellt Achermann in forderndem Ton klar: «Du musst einfach kommen.»

Der Dialog zeigt: Der neue Mann an der Seitenlinie des FCE, ein selbst ernannter «harter Hund», fordert konsequent Leistung ein. Er weiss, wovon er spricht. Die bald 63 Jahre sieht man ihm zwar nicht unbedingt an. Dass sein Leben von schwerer Arbeit gezeichnet ist, hingegen schon: der Händedruck, der kräftige Nacken. 25 Jahre lang Anpacken auf dem Bau zeichnet sich darin ab. Nach einem Unfall liess sich Achermann umschulen, seit bald 20 Jahren ist er im Schulhaus Huebwis tätig.

Fühlt sich im «Familienverein» wohl

In all den Jahren war der Fussball sein Ausgleich. Der Schwamendinger wirkte als Trainer vor allem im Nachwuchsbereich, sammelte aber auch Erfahrungen bei den Aktiven. Vor einigen Jahren war er A-Juniorentrainer im FC Oetwil-Geroldswil. Es sollte eigentlich seine letzte Station sein – bis nun in Engstringen die Chance winkte, nochmals eine erste Mannschaft zu übernehmen. Der FCE und der FCOG pflegen als die beiden Vereine auf der rechten Limmatseite eine besondere Rivalität. Das blieb auch dem Weininger Achermann nicht verborgen.

«Ich wurde oft auf meine Aufgabe angesprochen. Die Geroldswiler würden es gern sehen, wenn wir sie gewinnen liessen und Birmensdorf schlagen würden – aber das liegt natürlich nicht drin.» Was spielerisch möglich ist mit dem Tabellensechsten nach der Vorrunde, kann der neue Trainer noch nicht abschätzen. In den wenigen Wochen seines Wirkens auf der Brunewiis – er war wie geplant mit seiner Frau noch drei Wochen in Asien in den Ferien – hat er erst einen Eindruck von seinem neuen Umfeld erhalten, es ist ein zwiespältiger. «Es ist ein Familienverein, das gefällt mir sehr», sagt Achermann.

Die Einstellung der Spieler missfiel ihm hingegen. «Überall, wo ich bisher war, trainierten wir dreimal pro Woche. In Engstringen ist das schwierig umzusetzen. Einige meinen, nicht trainieren zu müssen, weil sie sowieso spielen. Ich finde, das ist den anderen gegenüber unfair, das kann ich nicht tolerieren», erklärt er. Er schildert eine Erfahrung, die viele Trainer auf diesem Niveau machen.

Unterstützung seiner Frau

Achermann weiss um den kurzen Hebel, an dem er sitzt, sagt aber dennoch: «Ich schaue nicht auf Namen. Wenn ich nicht genügend Spieler aufbieten kann, die vor einem Match trainiert haben, nehme ich lieber Junge aus der zweiten Mannschaft mit, statt die spielen zu lassen, die nicht trainieren.» Er erwähnt die jungen Spieler häufig, Typen wie Cyrill Schmid und «der Lausbub» Ludovic Evegue haben es ihm angetan. Dass der FCE keine A-Junioren mehr hat, bedauert er sehr. Der Weininger lässt durchblicken, dass er in diesem Bereich mithelfen will.

So werden sich Achermanns Gedanken im Hauswartzimmer des Huebwis-Schulhauses künftig wieder vermehrt um Fussball drehen. Die Fanschals und Wimpel an der einen Wand verleihen die nötige Atmosphäre. Was bedeutet eigentlich die grosse Skorpion-Tätowierung links am Hals von Achermann? «Das Sternzeichen meiner Frau», sagt der fünffache Familienvater.

Brigitte Achermann hat im Laufe des Gesprächs den Raum ebenfalls betreten, sie arbeitet auch im Schulhaus. Sie findet es gut, dass ihr Mann wieder als Fussballtrainer tätig ist – auch aus Eigeninteresse: «Ich schaue gern Fussball und kann das mittlerweile entspannt tun, weil die Kinder draussen sind.» Eine gute Voraussetzung für die Zukunft im Familienverein.

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