Draussen herrschen an diesem Nachmittag über 30 Grad Celsius. Doch selbst an diesem heissen Tag bleibt es angenehm kühl in der Axa-Arena in Winterthur. Ein paar Handwerker sind in der Sporthalle noch mit Details beschäftigt. Schliesslich soll die 2000 Zuschauer fassende Arena, die sich gleich neben der Eishalle befindet, für die neue Saison in perfektem Zustand sein. Dann dient sie unter anderem den Handballern von Pfadi Winterthur als Heimspielstätte.

In der Axa-Arena wird ab nächster Saison auch der Dietiker Torwart Simon Schelling spielen. Er hat sich Pfadi Winterthur im Sommer für vorerst ein Jahr angeschlossen und beendet damit sein Engagement bei den Grasshoppers, für die er zwei Saisons gespielt hat. Zwei Saisons, die für den Dietiker nicht einfach waren. «Ich stand mit GC zweimal im Abstiegskampf», sagt er. «Es ist klar: Als Sportler spielt man lieber um Titel als gegen den Abstieg. Für mich ist das Engagement bei Pfadi eine Herausforderung, auf die ich grosse Lust habe.»

«Eine geniale Adresse»

Grosse Lust hat man in Winterthur auch auf Titel, eine Trophäe in einem nationalen Wettbewerb wird hier schon fast erwartet. Neunmal wurden die Winterthurer Schweizer Meister, insgesamt achtmal gewannen sie den Cup, zuletzt in der vergangenen Saison. Einmal holten sie gar den Supercup. Auch deshalb spricht Schelling von einer «genialen Adresse» im Handball: «Man weiss: Man kann hier um den Meistertitel kämpfen», sagt er. «Und da will ich unbedingt mitgehen.» Den Kontakt zwischen Schelling und Pfadi Winterthur gab es schon vor diesem Sommer. «Aber erst im Sommer wurden die Gespräche konkret, und da spürte ich auch, dass sie mich wirklich wollten», so Schelling. «Umso erfreulicher, dass es geklappt hat.»

Schelling wird sich nicht nur sportlich in Winterthur engagieren. Er wird in der Region auch künftig seinem ursprünglich erlernten Beruf als Hochbauzeichner nachgehen. «Ich werde zu 50 Prozent arbeiten», sagt der 23-Jährige, der jetzt in Olten wohnt und jeweils mit dem Zug nach Winterthur fährt.

Star im Tor

Dass er in derselben Stadt arbeitet, in der er trainiert, ist für den Dietiker ein grosser Vorteil angesichts der vielen Trainingseinheiten bei Pfadi. Achtmal trainieren die Winterthurer pro Woche, teils zweimal täglich. Generell fühlt sich Schelling im Training sehr gefordert. «Man spürt einfach: Jeder Wurf, der kommt, kommt von einem technisch und athletisch hervorragenden Spieler. Da kannst du dir keinen Moment der Unkonzentriertheit oder Müdigkeit erlauben.»

Auffallend sei auch, wie die Einheiten möglichst auf die Spieler abgestimmt seien. «Das Training hier ist sehr strukturiert», sagt Schelling. «Jeder Spieler bekommt ein Trainingsprogramm, das er absolvieren muss.» Früher habe er oft alleine Krafttraining gemacht, das gäbe es jetzt nicht mehr. «Wir trainieren immer alle zusammen und spornen einander auch an, das motiviert einen richtig.»

Auch motivierend ist für den Dietiker, dass er sich auf der Torhüterposition mit einem Star um den Platz im Team streitet: Matias Schulz. Der argentinische Nationaltorhüter ist mit Pfadi 2017 nicht nur Vizemeister geworden, er hat mit Argentinien schon an den Olympischen Spielen und an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. «Er hat viel Routine, ich kann von ihm sehr viel profitieren», sagt Schelling.

Kampf auf der Torhüterposition

Allerdings wird Schelling wohl auch wieder mehr um seinen Platz im Team kämpfen müssen, nachdem er bei GC in der vergangenen Saison als Torhüter gesetzt war. «Klar, ich muss mich neu etablieren. Das wird eine komplett neue Herausforderung», sagt er. «Aber ich will auch bei Pfadi möglichst viel Verantwortung übernehmen und mit guten Leistungen möglichst viel Spielzeit kommen.» Am liebsten schon beim ersten Ernstkampf der Saison, am 26. August im Supercup gegen Wacker Thun. Oder beim EHF-Cup, der Handball-Europa-Cup. Dort treten die Winterthurer am 6. Oktober gegen den dänischen Vertreter Aalborg an. Für Schelling eine Premiere: «Ich habe auf Vereinsebene noch nie international gespielt. Ich freue mich sehr auf diese Erfahrung.»