Challenge League

Beim FC Zürich ist man sich bewusst, dass das Motto «Alle gegen den FCZ!» sein wird

FCZ-Trainer Uli Forte: «Ich habe ein gutes Gefühl.»

FCZ-Trainer Uli Forte: «Ich habe ein gutes Gefühl.»

Obwohl 28 Jahre dazwischen liegen, könnte die Schlagzeile der «NZZ» vom 15. Juli 1988 auch dieser Tage bedenkenlos übernommen werden: «Sofortiger Wiederaufstieg als Saisonziel des FC Zürich».

Um dies zu schaffen, hatte der damalige Präsident Sven Hotz anstelle des typisch deutschen Abstiegstrainers Timo Konietzka den nicht typisch deutschen Hannes Bongartz verpflichtet. Dessen damaliger Assistent Walter Iselin erinnert sich: «Bongartz war ein Lebemensch. Ihm war wichtig, dass immer eine gute Stimmung herrschte. Vielleicht aber nahm er das Ganze dann auch etwas zu locker.»

Beim FC Zürich von heute ist man sich dagegen bewusst, dass ein Wiederaufstieg nicht zum Selbstläufer wird. Thomas Bickel hatte dies in der Saison 1988/89 aus nächster Nähe mitverfolgen können. Nachdem seine neun Tore zuvor den Abstieg nicht verhindert hatten, wechselte er zu GC und sah von ennet der Bahngleise, wie schwer sich der FCZ tat. Wie er in den ersten vier Runden in Baden und Chiasso verlor und am Ende die Rückkehr ins Oberhaus meilenweit verpasste.

Verliess den FCZ im Sommer: Verteidiger Philippe Koch.

Verliess den FCZ im Sommer: Verteidiger Philippe Koch.


«Natürlich bin ich mir bewusst, welch grosse Herausforderung auf uns wartet», sagt Bickel heute. Im Juni ist er beim FCZ vom Chefscout zum «Leiter Sport» befördert und danach an der Transferfront gleich tüchtig gefordert worden. Mit den Verpflichtungen von Dzengis Cavusevic (St. Gallen), Roberto Rodriguez (Greuther Fürth), Andris Vanins (Sion), Kay Voser (Sion) und Adrian Winter (Orlando) glaubt er, die Abgänge von Kevin Bua (Basel), Anto Grgic (Stuttgart), Aleksandr Kerzhakov (Zenit), Philippe Koch (Novara) und Leonardo Sanchez (Santa Fé) kompensiert zu haben. «Innerhalb unserer Möglichkeiten bin ich zufrieden», sagt Bickel.

Doch weil das Transferwesen ein fortlaufender Prozess ist, sagt er auch: «Wir haben noch ein paar Pendenzen.» Im Raum steht der Verkauf von Albaniens EM-Spieler Armando Sadiku zu Galatasaray Istanbul für einige Millionen Euro, was Bickel neue Perspektiven auf dem Mercato eröffnen würde. Denn im Gegensatz zu 1988, als man vom «reinen Professionalismus» abrückte und danach das Ziel verfehlte, will der FCZ nichts dem Zufall überlassen.

Fokus auf sich selbst

Zumal im Gegensatz zu 1988 auch noch der Europacup auf dem Programm steht. «Klar ist die Gruppenphase in der Europa League wichtig für uns», sagt Bickel, «aber Priorität hat eindeutig die Meisterschaft.» Es fällt auf, dass die Zürcher bei ihren Akquisitionen das Schwergewicht auf bestandene Profis wie Vanins, Winter und Voser gelegt haben und der Meinung sind, dass Erfahrung ein Grundpfeiler ist, um das Ziel zu erreichen.

Andris Vanins kommt vom FC Sion nach Zürich.

Andris Vanins kommt vom FC Sion nach Zürich.

Der 52-Jährige räumt ein, dass ein Abstieg, wie er dem FCZ widerfahren ist, also einer ohne jegliche Ankündigung, nicht vom einen Tag auf den andern aus den Kleidern geschüttelt werden kann. «Aber ich sehe durchaus eine Aufbruchstimmung, spüre, dass im Verein wieder eine gute Atmosphäre herrscht», sagt Bickel. «Wichtig ist jetzt, dass wir den Fokus ganz auf uns richten und das Gerede um uns herum ausblenden.»

Ein Satz, den Uli Forte sofort unterschreiben würde. Der Trainer, der den FCZ in den letzten vier Spielen der vergangenen Saison nicht mehr hatte vor dem Abstieg retten können, erwartet in der Challenge League ein Jahr nach dem Motto «Alle gegen den FCZ». Sie wüssten sehr genau, dass es kein Spaziergang werde, sagt Forte. «Jede Partie gegen uns wird für den Gegner zum Spiel des Jahres.»

FCZ-Trainer Uli Forte.

FCZ-Trainer Uli Forte.

Deshalb hat der 42-Jährige in der Woche vor dem Meisterschaftsauftakt – am Montag im Letzigrund gegen den FC Winterthur − den Schwerpunkt seiner Arbeit auf den mentalen Bereich gelegt. «Physisch sind wir parat», sagt Forte, der seine Spieler in vielen Einzelgesprächen auf die schwierigen Aufgaben der nächsten Monate vorbereitet hat. Wenn der Druck ganz auf der Seite des FCZ liegt und die «Kleinen» nichts zu verlieren haben.

«Dass von uns Siege erwartet werden, ist normal, alles andere wäre angesichts unserer Möglichkeiten eine Frechheit», sagt Forte. Er glaubt, Lösungen dafür erarbeitet zu haben, wenn sich die Gegner am eigenen Strafraum verbarrikadieren. Er ist zufrieden mit der Mischung des Kaders wie generell mit der Saison-Vorbereitung. «Ich habe ein gutes Gefühl, das Team ist in den letzten Wochen extrem zusammengewachsen.» Der neue Mittelfeldspieler Antonio Marchesano berichtet vom riesigen Konkurrenzkampf, weil jede Position doppelt besetzt sei. Aber: «Wir sind bereit.»

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