Thomas Heldner hob gestern Morgen wieder einmal ab. Der Trainer des EHC Urdorf hat beruflich oft im Ausland zu tun, seine jüngste Reise führte ihn nach Luxemburg. Heute kehrt er zurück. Nach einem kurzen Abstecher zu Hause steht bereits die nächste Reise in die Flughafenstadt Kloten an – diesmal bleibt er aber am Boden. Am Abend spielt sein Team in der Kolping-Arena gegen Bassersdorf (ab 19.30 Uhr).

Heldner, der nach der turbulenten Vorbereitung fast wie die Jungfrau zum Kind zu seinem ersten Trainerjob gekommen ist, habe die Mehrfachherausforderung mit Familie, Beruf und Sport gut unter einen Hut gebracht. Er sei froh um die Entlastung durch die vormaligen Spieler Sandro Duttweiler und Adrian Casutt, die Co-Trainer, die bei Abwesenheit die ganze Verantwortung übernehmen.

Der EHCU steht bei Saisonhälfte auf Platz 9. Der letzte PlayoffPlatz liegt zwei Punkte entfernt, der Abstiegsrundenplatz einen. Alles ist also offen. Dazu passt die Stimmungslage im Team, die Heldner folgendermassen beschreibt: «Es herrscht weder Euphorie noch Angst. Die Mannschaft trainiert grundsätzlich unbeschwert und orientiert sich vor jedem Spiel neu an der Tabelle.» Wenn sie das heute tut, stellt sie fest: Es ist ein besonders wichtiger Match im Kampf um einen Rang in den ersten acht.

«Die Disziplin hat sich gebessert»

Die erste Begegnung verloren die «Stiere» mit 4:5 nach Penaltyschiessen. Eine Stärke der Limmattaler in der laufenden Spielzeit sind die Special Teams. Das erstaunt. Die Besetzung des Teams variiert stark infolge von Absenzen und der stets unsicheren Situation um die Verstärkungsspieler aus dem ZSC- und Winterthur-Nachwuchs.

Trotzdem wagt es Heldner jeweils, zwei feste Powerplaylinien zu benennen, die Unterzahllinien sind hingegen variabel. Zum Thema Strafen äussert sich der Ex-Nationalspieler differenziert. «Die Disziplin hat sich gebessert. Aber wir haben immer noch zu viele unnötige Strafen.» Ein Grund dafür verortet er auch bei den Schiedsrichtern: «Durch die Vergangenheit haben viele ein besonderes Auge auf uns.»

Überraschendes für den Trainer

Das Augenmerk von Heldner liegt derweil darauf, dass die – nicht selten zusammengewürfelten – Reihen in ihren Einsätzen als Einheit auftreten. «Das klappt immer besser», hat er zu Recht festgestellt. Das geht einher mit der Verinnerlichung der Spielsysteme. Mit an Überraschung grenzender Freude konstatiert Heldner, dass er diese innerhalb einer Partie erfolgreich wechseln kann. «Die Spieler erkennen mittlerweile, warum eine Änderung nötig ist und ziehen mit», führt er aus.

Dennoch: Ihr Wundertütendasein haben die Urdorfer nicht ablegen können. Und das nicht nur wegen der vielen Änderungen, sondern auch wegen der ausgeprägten Launenhaftigkeit. Wie seine Mannschaft an einem Abend auftritt, wird auch für Heldner stets eine Überraschung bleiben.