Curling
Beim diesem Geschwisterpaar wird der Titel zur Familiensache

Die Geschwister Alina und Claudio Pätz aus Urdorf sind Schweizer Meister

Michel Sutter
Merken
Drucken
Teilen
Alina Pätz hat Baden Regio als Skip zum Schweizer-Meister-Titel geführt, ebenso wie Skip Peter De Cruz (links) den Curling Club de Genève. Heiner Hochreutener

Alina Pätz hat Baden Regio als Skip zum Schweizer-Meister-Titel geführt, ebenso wie Skip Peter De Cruz (links) den Curling Club de Genève. Heiner Hochreutener

Beide im Final, beide den Gold geholt: Für Alina und Claudio Pätz waren die Schweizermeisterschaften (SM) in Flims vom vergangenen Wochenende zum grossen Triumph geworden. Die Geschwister aus Urdorf konnten zum ersten Mal gemeinsam über den Schweizer-Meister-Titel jubeln.

Dabei waren die Vorzeichen diesmal anders als sonst. Denn normalerweise gilt Alina Pätz als dreifache Weltmeisterin (inklusive eines Titels im Mixed Doubles) als Titelanwärterin. Doch in Flims war die 26-Jährige nach einer schwierigen Saison für sie und ihr Team Baden Regio nicht favorisiert. Doch an den SM konnten sie sich von Spiel zu Spiel steigern. Im Final trafen sie dann auf Flims, gegen das sie 2016 noch verloren hatten. Von einer Revanche will Pätz allerdings nichts wissen. «Für uns spielte es letztlich keine Rolle, gegen wen wir im Final antraten», meint sie. «Wir wollten einfach den Titel holen.»

Den obersten Platz auf dem Podest haben sich die Badenerinnen am Ende mit einem 7:6 verdient. Es ist der erste Titel für Pätz seit dem Gewinn der Schweizer- und Weltmeisterschaft 2015. Dem Triumph an der SM in diesem Jahr misst sie indes mehr Bedeutung bei als demjenigen von vor zwei Jahren. «Damals war es von uns fast erwartet worden, dass wir die SM gewinnen», sagt sie. «Dieses Jahr nicht.»

Bruder als Favorit an der SM

Ganz anders war die Erwartungshaltung bei ihrem Bruder Claudio, der mit seinem Teamkollegen vom Curling Club de Genève die Saison dominiert hatte. Entsprechend war das Ziel klar: der Titelgewinn. «Wir haben lange darauf hingearbeitet, und jetzt haben wir es gepackt», sagt der 29-Jährige. Im Final schlugen Pätz und seine Mannschaftskollegen Dübendorf mit 8:6.

Für den Urdorfer ist es der erste Titel seit 2013. Damals hatte er mit seinem Team erst die Schweizer- und dann die Europameisterschaft gewonnen. Der grosse zeitliche Abstand zeige indes, dass es nicht einfach sei, Erfolge zu bestätigen: «Man muss sich einen Titel immer wieder erarbeiten.»

Claudio Pätz

Claudio Pätz

zvg

Die Spiele seiner Schwester hat Claudio Pätz wann immer möglich mitverfolgt. Auch Alina Pätz hat ihrem Bruder zugesehen, wenn auch unter grosser Anspannung. «Ich war sehr nervös», sagt Pätz. «Es war fast schwieriger, ihm zuzuschauen, als selber mitzuspielen.»

Dass die Geschwister füreinander beim Curling mitfiebern, kommt praktisch nur an solchen Turnieren vor. Sonst trainieren sie mit ihren jeweiligen Mannschaften. Und wenn sie sich zusammen mit anderen Familienmitgliedern treffen, ist Curling kein Thema. «Wir haben schon genug Curling im Alltag», findet Pätz. «Da reden wir über andere Dinge, wenn wir zusammenkommen.»

Nun trennen sich die Wege der Geschwister wieder. Zwar reisen beide an die Weltmeisterschaft, aber in unterschiedliche Richtungen. Claudio Pätz verschlägt es nach Kanada, genauer gesagt nach Edmonton, wo Anfang April um den Weltmeistertitel gespielt wird. Dort wird er im ehemaligen Stadion des NHL-Eishockeyteams Edmonton Oilers spielen. «Da Kanada als Curlinghochburg gilt, werden auch viele Zuschauer ins Stadion kommen», ist Pätz überzeugt.

Alina Pätz wird hingegen schon in drei Wochen in Peking im Rink stehen. Ihr Team hat noch kein Ziel definiert, aber: «Wir reisen nicht an eine WM, um Fünfte oder Sechste zu werden.»

Ein fünfter Platz wäre für ihren Bruder hingegen ein gutes Resultat. Denn das würde bedeuten, dass die Schweizer Herren die Olympiaqualifikation geschafft hätten. Druck verspüre er deshalb keinen, es sei eher eine «positive Challenge». Er weiss aber auch: «Wir müssen in Edmonton eine wirklich gute Woche haben, um das zu schaffen.»