«Goal, Sena!», schrie Blanzenko Klaric. Mit «Sena» meinte der Dietiker Stürmer seinen Mannschaftskollegen Luca Senicanin. Der Captain der Dietiker stand bereit für einen Freistoss an der gegnerischen Strafraumgrenze, während sich Klaric in die Mitte orientierte. Dann trat Senicanin an, und er tat genau das, was Klaric ihm zuvor nahegelegt hatte: Er zirkelte den Ball direkt aufs Tor und erwischte Freienbachs Torwart Sandro Schober via Pfosten in der nahen Ecke. Ein herrlicher Treffer der Dietiker zum 2:0, und da schon über 80 Minuten auf der Dornau absolviert waren, bedeutete es gleichzeitig eine Art Vorentscheidung in diesem ersten Saisonspiel der Limmattaler. Diese liessen in der Schlussphase nichts mehr anbrennen und feierten am Ende einen verdienten Sieg gegen die Schwyzer, die in der vergangenen Saison in ihrer Gruppe immerhin den zweiten Tabellenschlussrang erobert hatten. «Ich bin froh», sagte Dietikons Trainer João Paiva. «Das Ziel war, als Team aufzutreten, und das hat gut geklappt, auch wenn wir erst am Anfang dieses Prozesses stehen.»

Ein Team, bei dem Naim Haziri und Marco Takac verletzungsbedingt fehlten. Dafür standen mit Innenverteidiger Edmir Asani und Mittelfeldspieler Marko Mijatovic immerhin gleich zwei Neue in der Startformation - die weiteren Zuzüge sind noch nicht spielberechtigt. Die Anfangsphase blieb auf beiden Seiten verhalten. Nach einer Viertelstunde kamen die Limmattaler so richtig in die Gänge und erspielten sich gute Torchancen. Erst verpasste Klaric eine Hereingabe, dann schoss Raphael Meyer den Ball übers Tor. Nach einer knappen halben Stunde vergab Aleandro Norelli eine Gelegenheit, die Dietiker Führung wäre zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen. Dann wieder eine Szene im Freienbacher Strafraum. Dort lieferte sich Meyer einen Zweikampf mit Schober, der Freienbacher Torhüter konnte den Ball nicht festhalten, Meyer spitzelte diesen am Boden liegend in Richtung leeres Tor –und über die Torlinie. Die Freienbacher monierten Abseits: Der mitgelaufene Norelli, der im Abseits stand, habe den Ball noch berührt. «Ich habe den Ball nur abgedeckt», sagte dieser. Der Treffer zählte zu Recht – 1:0 für Dietikon.

Pepe im Cup gesperrt

Die Freienbacher versuchten zu reagieren und kamen kurz darauf zu einer guten Chance. Doch danach hatten die Dietiker das Geschehen auf dem Rasen im Griff. In der zweiten Halbzeit flachte das Spiel ab, was wohl auch dem hochsommerlichen Wetter geschuldet war. Dafür sorgten die warmen Temperaturen zeitweise für hitzige Zweikämpfe und Diskussionen. «In der ersten Partie der Saison ist das normal», sagte Paiva. «Beide Mannschaften wollen keinesfalls verlieren.» Mit dem Resultat, dass sowohl die Dietiker als auch die Freienbacher die Partie in Unterzahl beenden mussten: Auf Seiten der Limmattaler wurde nach einer Stunde Michele Pepe vom Platz geschickt, bei den Schwyzern war es Alessio Stumpo. Bitter für die beiden: Die rote Karte zieht automatisch eine Sperre nach sich – auch für den Cup. Damit wird Pepe am Sonntag gegen Lugano fehlen. «Das ist Pech für ihn», sagte Paiva. «Er ist ein sehr guter Junge.»

Spione aus dem Tessin

Das Duell mit dem Tabellensiebten der Super League ist seit Wochen das beherrschende Thema in der Region. «Besonders für die jungen Spieler ist das natürlich ein Traum», sagte Paiva. Dennoch versuchte der Dietiker Trainer, das Thema möglichst aus den Köpfen seiner Spieler zu verbannen: «Ich habe den Fokus auf Freienbach gelegt.» Für seine Schützlinge ist die Meisterschaft ohnehin viel wichtiger.«Klar ist es schön, dass wir im Cup einen solchen Gegner auf der Dornau haben», sagte Norelli. «Aber wir müssen realistisch bleiben.» Mit anderen Worten: Ein Weiterkommen gegen die Tessiner wäre eine Sensation. Fest steht, dass die Luganesi den Gegner aus Dietikon ernst nehmen. Auf dem Dach des Clubhauses hatten sich gegen Freienbach zwei Kameramänner positioniert. Sie waren vom FC Lugano geschickt worden.