Eishockey 2. Liga

Bei Urdorf fällt nicht einer, sondern es fallen fast alle aus dem Rahmen

Kein Kaffeeklatsch: Interims-Headcoach Sandro Duttweiler (im Hintergrund) appelliert während des Time-outs an die Ehre der Urdorfer.

Kein Kaffeeklatsch: Interims-Headcoach Sandro Duttweiler (im Hintergrund) appelliert während des Time-outs an die Ehre der Urdorfer.

Der EHC Urdorf verliert in Chiasso so hoch wie lange nicht mehr in der 2.Liga. Und das vielbeschworene Urdorfer Kollektiv hat einen entscheidenden Haken: Es funktioniert auch im negativen Fall.

Mit Ausnahme der Goalies ragt bei Niederlagen im Regelfall selten ein Akteur positiv heraus. Das macht einen Turnaround während einer Begegnung umso schwerer. Die jüngste Partie in Chiasso war ein Abbild davon. Beim 0:6 ging die Mannschaft als ganze unter und leistete sich eine selten gesehene Fehlerorgie, deren Urheber, so machte es den Anschein, zufällig waren: Es hätte auch jeder andere Spieler dieser von aussen betrachtet manchmal schwer auseinanderzuhaltenden Gruppe sein können.

Plump und wenig Witz

Es war jedenfalls Captain Sebastian Hauser, der seinen Schuss in Überzahl nicht aufs Tor brachte und danach ohne Aussicht auf Erfolg dem Torschützen Andrea Vanetti hinterherhechelte (5.). Vor dem 2:0 kassierte Andi Vital eine sehr billige Zweiminutenstrafe, als er seinen Gegenspieler vor einem Schiedsrichter mit beiden Armen behinderte. Beim 3:0 setzten sich die Urdorfer endgültig die Narrenkappe auf: Thomas Wigger überraschte Dominik Erb mit einem Zuspiel im Aufbau, was der überragende Edoardo Raimondi zum erfolgreichen Abschluss einlud – in Unterzahl. In diesem Stil ging es bis zum 5:0 nach 40 Minuten weiter. Gegentreffer vier und fünf fielen binnen zwölf Sekunden. Was für eine pannenreiche Vorstellung.

Offensive Schwäche im Süden

Immerhin liessen sich die Gäste im Schlussdrittel nicht gehen, schafften es aber auch nicht, dem eingewechselten Ersatzgoalie Adrian Hoppler noch einen Shutout zu ermöglichen. Er vertrat Urs Landis, der für die Polizeischulprüfungen paukt. Eineinhalb Minuten vor dem Ende fiel das letzte Gegentor. Wie schon bei seiner ersten Tessinreise nach Bellinzona erzielte der EHCU keinen Treffer. Das Fehlen der B-Lizenz-Verstärkungsspieler wirkte sich einmal mehr auf die Vorstellung in der Offensive aus.

Playoff-Platz immernoch in Reichweite

Was bedeutet die höchste Niederlage seit über einem Jahr (1:10 in Wetzikon) für die Saison? «Dieses Spiel fällt schon etwas aus dem Rahmen», sagte Sandro Duttweiler in Chiasso, dessen Wunsch nach einem Wunder vor dem letzten Drittel ungehört blieb. Der eigentliche Assistenztrainer übernahm an diesem Abend die Führung der Mannschaft anstelle des verhinderten Thomas Heldner. Seine Aussage hat vor dem Hintergrund des überzeugenden Auftritts eine Woche zuvor gegen das Spitzenteam Schaffhausen (5:4-Sieg) ein besonderes Gewicht. Allerdings fiel auch jene Partie wegen seines unerwarteten Ausgangs aus dem Rahmen. Wie schon in der vergangenen Saison sucht man also vergeblich nach einem verlässlichen Gesicht des Teams. Das gilt auch für dauerhafte Leader. So wird die Achterbahn des Urdorfer Kollektivs wohl andauern in dieser Spielzeit. Die nächsten Gegner (beide zuhause) heissen Luzern und Leader Dürnten. Nach dem gestrigen Direktduell zwischen den Tabellennachbarn Bellinzona und Bassersdorf (2:3) beträgt der Rückstand auf einen Playoffplatz fünf Punkte.

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