«FC Spektakel» – diesen Namen verdiente sich der FC Oetwil-Geroldswil in der vergangenen Spielzeit. 106 Tore fielen in seinen 22 Begegnungen, das sind fast 5 im Durchschnitt. Für Stefan Steuble ist das ein Indiz für die Launenhaftigkeit der Mannschaft. «Wenn wir gut drauf sind, sind wir fast unschlagbar; wenn nicht, passieren Dinge wie in der letzten Saison, als wir in einer Viertelstunde vier Gegentore kassierten.» Das sei auch signifikant für das tiefe Alter des Teams. Tatsächlich: Steuble ist mit seinen bald erst 25 Jahren der Zweitälteste.

Als einer von nur drei Akteuren im aktuellen Kader war er bereits im Sommer 2005 dabei, als der jüngste Limmattaler Verein (1982 gegründet) in seine erste 3.-Liga-Saison stieg. Das Fanionteam stieg sogleich ab, 2008 kehrte es zurück. Seither zeigt sich ein Abwärtstrend. Auf den überragenden 4.Rang in der Aufstiegssaison folgte zwei Mal Rang 8, aus zunächst 39 Zähler wurden 30 und zuletzt 28. Demgegenüber stehen die Ambitionen des Vorstands um den jungen Präsidenten Steven Meier. Er spricht forsch vom Aufstieg in die 2.Liga
innerhalb der nächsten drei Jahre.

Stefan Steuble unterstützt den Vereinsobersten: «Wir haben die Qualität im Team, um vorn mitzuspielen, das beweisen die guten Resultate aus Vorbereitungsspielen gegen höherklassige Gegner.» Auch für ihn persönlich sei der Aufstieg in die 2. Liga mit «seinem» Verein der Antrieb. Seine Zuneigung war in der vergangenen Saison entsprechend auf eine harte Probe gestellt: «Wären wir abgestiegen, hätte ich mir gut überlegt, ob ich bleibe», sagt der Informatikstudent, der kürzlich eine neue Vereinssite kreierte und aufschaltete (www.fcog.ch).

«Ziehen am gleichen Strang»

Als einem der Dienstältesten ist ihm klar, was den Ausschlag für den Durchbruch geben könnte: «Uns würde es guttun, erfahrene Spieler zu haben, die in höheren Ligen spielten.» Doch unterstütze er den Weg des Vereins, vorwiegend auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. «Wenn jemand von aussen kommen würde, müsste das eine echte Verstärkung sein, also besser als Spieler von uns.» So übernehmen andere Führungsaufgaben im Team, auch Steuble, der seine Juniorenzeit bei GC bestritt. Er betont: «Bei uns braucht es keine klare Hierarchie, weil wir einander schon lange kennen und am gleichen Strick ziehen.» Das gelte auch für Trainer Andrea Roselli, den vormaligen A-Junioren-Trainer, der in der chaotischen Vorrunde 2009/10 das Fanionteam übernommen hatte. «Er ist als Trainer natürlich eine Respekts-, darüber hinaus aber auch eine Vertrauensperson.»

Beim ersten Aufstieg in die 3. Liga spielte auch Steubles Bruder Martin beim FCOG. Dieser sorgte in der vergangenen Saison ein paar Klassen höher für Furore: Mit Lausanne spielte der frühere Xamax- und GC-Spieler in der Europa League und stieg in die Super League auf. Aktuell steht er beim Challenge-League-Verein Wohlen unter Vertrag. Stefan Steuble freut sich über die Erfolge seines Bruders, Neid sei für ihn kein Thema. «Natürlich wäre auch ich gern Fussballer – ich renne lieber vier Stunden pro Tag herum, als deren acht vor dem PC zu sitzen. Letzten Endes weiss ich aber, was ich kann und ich weiss, was mein Bruder kann.»

Was Oetwil-Geroldswil in der Saison 2011/12 kann, zeigt sich erst ab dem kommenden Samstag. Zum Saisonstart gastiert um 18 Uhr Sporting Club im Werd.