Jetzt wäre der Cupfinal einmal an der Reihe. In einer Woche duelliert sich der Streethockey-Club Bonstetten-Wettswil auswärts mit Grenchen-Limpachtal um den Einzug ins Endspiel. Zum dritten Mal steht man im Halbfinal, gewonnen hat der 1995 als Ableger des Fussballclubs gegründete Verein diesen indes noch nie.

Den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte Bonstetten-Wettswil 2007 als Schweizer Vicemeister. An einen solchen Exploit ist derzeit nicht zu denken, in der letzten Runde der NLA-Qualifikation am Wochenende droht der Rückfall auf Platz 7, was ein Playoff-Duell mit Rekordmeister Oberwil bedeuten würde. Nicht gerade die perfekte Ausgangslage, um eine durchzogene Leistung noch zu retten.

Spielertrainer Beat Hedinger indes bleibt zuversichtlich – was Cup und Playoffs betrifft. Der 27-Jährige, der vor 15 Jahren mit Streethockey begonnen hat und nach einer Pause letzte Saison ein Comeback wagte, sagt, dass das Feld in der NLA so dicht beieinander liegt wie noch nie. «Von Platz 1 bis Platz 7 kann jeder jeden schlagen», behauptet der Ex-Nationalspieler und möchte mit seinem Team in den nächsten Wochen noch so gerne den Beweis antreten.

Die Limmat als Grenze

Als Streethockey-Club fristen die Säuliämter im Kanton Zürich ein ziemlich konkurrenzloses Dasein. «Die Limmat ist die natürliche Grenze dieser Sportart in der Schweiz», sagt Sportchef Ronald Weber. Das Epizentrum befindet sich in der Region Bern, Solothurn und in der Westschweiz. Weber stellt, zumindest was das Alter betrifft, eine Ausnahmefigur im Verein dar. Er ist 67 Jahre alt und sein Eintrittsticket in den Club war primär die Vaterschaft von Nationalgoalie Jerome Weber, dem starken Rückhalt des NLA-Teams.

Worin er sich vom überwiegenden Rest des Vorstandes, der ersten Mannschaft und überhaupt des Vereins nicht unterscheidet, ist die Herkunft. Ronald Weber wohnt in Bonstetten. Trotz des rasanten Aufstiegs – inzwischen spielt auch das zweite Team in der NLB – ist der SHC Bonstetten-Wettswil ein Dorfclub geblieben. Mit entsprechender Identifikation in der Bevölkerung und Unterstützung von Gemeinde und Umfeld. So zählt man bei Heimspielen regelmässig eine dreistellige Zuschauerzahl.

Die WM als Motor

Der örtliche Rückhalt geriet unter anderem bei der Abstimmung über den neuen Sportplatz Moos in Wettswil zum Vorteil. Seit drei Saisons spielen die zwei Aktiv- und drei Nachwuchsteams nun auf einem grösseren Platz, der den internationalen Anforderungen genügt. Damit ist der Club gerüstet, wenn nach der Heim-WM 2015 die Schweizer Liga von 4 gegen 4 auf den international üblichen Standard 5 gegen 5 Feldspieler umgestellt werden soll. Dann beschränkt sich der Unterschied zum grossen Bruder Eishockey nur noch auf die fehlenden Schlittschuhe.

Überhaupt verspricht sich die Sportart dank den Welttitelkämpfen, die im Juni 2015 im Heimstadion des EV Zug über die Bühne gehen, eine markante Steigerung der Beachtung. Vielleicht finden sich dann auch für die Säuliämter neue Sponsoren, um das bescheidene Budget von 65 000 Franken zu vergrössern. Bei Bonstetten-Wettswil hat der Boom eigentlich bereits begonnen, zumindest was das Interesse an den Nachwuchsteams betrifft. «Bei den Kleinen bis 12 Jahre haben wir derzeit rund 40 Spieler», sagt Vereinspräsident und Gründungsmitglied Sven Bürki.

Die Sprache als Problem

Als Abenteuer erwies sich die erstmalige Verpflichtung eines ausländischen Spielers. Bei dieser Premiere 2012 tat man mit dem tschechischen Internationalen Jan Bily einen Glücksgriff. Mit dessen Nachfolger, dem Slowaken Jakub Sibik, läuft es nicht so gut. Der Verein hat keine Arbeitsstelle für ihn gefunden und sportlich ist die Sprachbarriere – Sibik spricht weder deutsch noch englisch – ein Knackpunkt. Auch bei ihm gilt punkto Playoffs: Steigerung erwünscht.