Reiten

Bei den Dressurtagen in Dietikon sind auch (wenige) Männer dabei

Freitagabend, Reitsportanlage Fondli. Es regnet. Kein guter  Auftakt aus meteorologischer Sicht zu den 21. Dressurtagen in Dietikon, welche von der Reitgesellschaft an der Limmat organisiert werden. Die Vereinsmeisterschaft, die für diesen Abend auf der Aussenanlage angesetzt ist, findet trotzdem statt.

Etwa die Hälfte der insgesamt zehn Teilnehmenden hat ihre Prüfung absolviert. Dann kommt Heinrich Furrers Auftritt. Der 55-Jährige gehört an diesem Abend gleich in zweifacher Hinsicht ein Aussenseiter: Er ist eigentlich Springreiter.

Und er ist der einzige Mann, der um den Vereinsmeistertitel reitet. Zwar ist noch der Unterengstringer Mario Schwinn dabei, doch dieser startet für die Junioren.

„Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt Furrer und lacht, als er darauf angesprochen wird, dass er zu einer Minderheit gehört. „Es ist im Reitsport nun mal so, dass die Männer eher in der Unterzahl sind.“ Allerdings sei das in den höheren Kategorien anders: „Je höher die Kategorie, desto mehr Männer sind dabei.“

Furrer reitet seit rund 30 Jahren im Verein und gehört auch dem Vorstand an. An der Vereinsmeisterschaft macht er jedes Jahr mit. Für das Dressurreiten hat er sich speziell vorbereitet. „Ich hatte bis Mittwoch noch einen Dressurkurs“, erklärt er. „Dann ist man im Dressurreiten drin.“

Verglichen mit dem Springreiten sind beim Dressurreiten ganz andere Aspekte ausschlaggebend. „Beim Dressurreiten muss der Reiter unter anderem auch auf die Sitzhaltung achten“, erklärt Furrer. Das spiele beim Springreiten überhaupt keine Rolle: „Da kommt es auf den Sprung an. Es ist egal, wie man im Sattel sitzt.“ Auch der Sattel sei im Springreiten anders.

Die Umstellung auf das Dressurreiten sei zwar nicht schwierig, findet Furrer. Dennoch müsse man sich gewisse Dinge immer wieder klar machen. Zum Beispiel eben die Haltung im Sattel, die gerade sein müsse. Und das, so Furrer, hänge auch vom Pferd ab. „Wenn ein Pferd schön trabt“, sagt er, „ist es einfacher, im Sattel zu sitzen.“

Mit seinem Ritt an diesem Abend ist der Dietiker zufrieden, wie er selbst sagt. Er erhofft sich einen Platz im Mittelfeld.

Vorbereitung fürs Sechseläuten

Furrer hegt bei der Vereinsmeisterschaft keine Ambitionen auf den Sieg. „Mit einem Platz in der Mitte wäre ich zufrieden“, sagt er. Daher nimmt er den ganzen Wettkampf gelassen. Nervöser dürfte er hingegen heute Montag sein.

Er reitet nämlich zum wiederholten Mal beim Sechseläuten mit. Für sein Pferd Cordino immer wieder eine grosse Herausforderung. „Ein Pferd wird unruhig, wenn es auf der Route auf etwas stösst, das es nicht kennt“, erklärt Furrer.

„Das kann auch nur ein Wassertank sein.“ Hinzu käme die Menschenmenge, die für das Pferd nicht alltäglich ist. Zwar wisse es mittlerweile, was es zu erwarten habe, aber: „Man ist sich nie zu 100 Prozent sicher, wie es reagiert.“ Besonders heikel sei der Moment, wenn die Formationen auf den Sechseläutenplatz einlaufen. Je nachdem stünden viele Schaulustige dort, und das erschwere den Pferden die Aufgabe.

Gestern Sonntag hat Furrer mit Cordino noch die Formationen geübt. Den Rest, so Furrer, könne man nicht beeinflussen. „Die äusseren Umstände kann man nicht üben“, sagt er.

Doch zurück zum Fondli in Dietikon. Eine Stunde nach seinem Ritt bei der Vereinsmeisterschaft sitzt Heinrich Furrer unter dem Dach der Festwirtschaft und wartet auf die Rangverkündigung. „Gegen die Besten habe ich keine Chance“, flüstert er und schmunzelt.

Dann wird sein Name aufgerufen. Furrer hat den fünften Rang erreicht. „Genau in der Mitte, wie ich es mir gewünscht habe“, sagt er und lacht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1