Beachvolleyball
Badi Urdorf ist kein Beachvolley-Ersatz für den Kirchplatz Dietikon

Erstmals seit 2009 gastierte im Limmattal wieder ein B1-Turnier der ZüriBeachTour. Der Anlass im Schwimmbad Weihermatt in Urdorf lässt Erinnerungen aufkommen an die spektakulären Beachvolleyball-Events auf dem Dietiker Kirchplatz.

Rainer Sommerhalder
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Anahita Aebli vom Siegerteam spielt im Final des Urdorfer B1-Turniers einen perfekten Smash.

Anahita Aebli vom Siegerteam spielt im Final des Urdorfer B1-Turniers einen perfekten Smash.

Beachvolleyball ist nicht Beachvolleyball. Während das Interesse der Öffentlichkeit an den Leistungen der Schweizer Aushängeschilder angesichts deren Resultatbaisse merklich nachgelassen hat, boomt das Spiel im Sand beim Breitensport weiterhin. So steigerte der Zürcher Kantonalverband die Anzahl der Turniere der regionalen ZüriBeachTour im Vergleich zum Vorjahr von 19 auf 42. Rund 2500 Starts werden es bis Ende Saison in zwei Wochen sein.

Der Hauptgrund der zunehmenden Popularität der Zürcher Regio-Tour liegt bei den Organisatoren. Der ehemalige Spieler Pascal Lüchinger zeichnet mit seinem neu gegründeten Verein Sport Org erstmals für die Durchführung verantwortlich. Als Vorbild dient ihm die Aargauer Beach-Tour, die sich vor Jahren als Pionier ins Breitensport-Segment gewagt hat und inzwischen mit rund 100 durchgeführten Anlässen die klare Nummer 1 in der Schweiz ist. Lüchinger hat aber durchaus eigene Visionen. «Wieso soll unsere Tour nicht eines Tages die meisten Turniere anbieten», sagt er. Dafür braucht es vor allem gut organisierte Events und eine starke Vermarktung. Über die Kanäle Neuer Medien wie Facebook kann sich in der Szene herumsprechen, dass hier der Bär tanzt.

Erstmals seit 2009 kam am Sonntag auch das Limmattal wieder als Durchführungsort eines B1-Events zum Zug. Ein weiteres Turnier, ebenfalls im Schwimmbad Weihermatt, wird am nächsten Samstag folgen. Dazu machen auch die B2-Spielerinnen wie immer in den letzten Jahren zweimal Halt in Urdorf. Allerdings erwies sich ausgerechnet die Limmattaler Destination ein wenig als Spassbremse für die Männer. Beide vorgesehenen Turniere mussten mangels Anmeldungen abgesagt werden.

So erwiesen sich die Beachvolleyballerinnen in Urdorf als das starke Geschlecht. Ein Achterfeld war vorgesehen, je 13 Teams bei den B1 und B2 kämpften schliesslich bei perfekten Bedingungen um Punkte, Sätze und Spiele. Der Begriff Breitensport passte allerdings nur begrenzt zum Limmattaler B1-Turnier, denn einerseits standen sich die vier topgesetzten Teams in den Halbfinals gegenüber und zeigten teilweise hochstehenden Sport. Andererseits war die Finalpartie zwischen der 22-jährigen Linda Kronenberg und der 23-jährigen Anahita Aebli gegen die 41-jährige Sibylle Keller und die 37-jährige Sascha Korner Schoch nicht nur ein Generationenduell, sondern auch das Aufeinandertreffen grosser Namen. Keller spielte im Sand bis vor vier Jahren auf höchstem Niveau und stand im Volleyball im Nationalteam, Kronenberg mauserte sich im vergangenen Winter beim Schweizer Topteam Köniz zur Leistungsträgerin. Der Final ging nach drei sehr engen Sätzen an die beiden «Jungen», die sich vom Rückstand nach einem Marathon-Satz auf 31 Punkte nicht aus dem Konzept bringen liessen und letztlich den etwas frischeren Eindruck machten. Kronenberg/Aebli feierten den zweiten Turniersieg innert 24 Stunden. Am Samstag schwang das Duo in Buochs obenaus.

Mit dem attraktiven Finalspiel in Urdorf kamen auch Erinnerungen auf. Erinnerungen an die Zeit zwischen 2001 und 2008, als der Dietiker Kirchplatz jeweils zum regionalen Beachvolleyball-Mekka umfunktioniert wurde. Neunmal organisierte der VBC Kanti Limmattal einen Event mit überregionaler Ausstrahlung. «Nach 2008 wollten wir eigentlich zwei, drei Jahre Pause machen und dann wieder loslegen», sagt Thomas Keller, der allen neun Austragungen als OK-Präsident vorstand. Zwei Gründe sorgten für das vorläufige Ende des Beachspektakels auf dem Kirchplatz: «Das Zuschauerinteresse nahm am Schluss spürbar ab und im Verein konnten durch das Engagement der Leute beim Beachturnier immer mehr wichtige Ämter nicht mehr besetzt werden», sagt Keller.

Das Turnier in Urdorf sieht Keller nicht als Ersatz für den Kirchplatz-Event. Dazu sei die Ausrichtung zu unterschiedlich. «Urdorf spricht direkt die Spielerinnen und Spieler der regionalen Szene an, Dietikon war gedacht, um die Sportart einem grösseren Publikum zu präsentieren.» Die Durchführung einer Jubiläumsausgabe sei im übrigen nicht vom Tisch, aber derzeit fehle es im Verein an den nötigen Leuten für ein OK. «Weil Beachvolleyball nicht mehr den Stellenwert wie vor einigen Jahren hat, müsste man auch ein völlig neues Konzept präsentieren», mutmasst Keller und zündet gleich selber eine Idee. «Wenn der Fussballclub auf uns zukäme und wir einen Beachsoccer- mit einem Beachvolley-Event kombinieren könnten, dann wären wir sicher mit von der Partie.»