Eishockey
Aus, Ende, vorbei: Die Limmattal Wings steigen in die 4. Liga ab

Die Limmattal Wings verlieren gegen Dübendorf II mit 3:5 und steigen in die 4. Liga ab. Es ist nach 2011 der zweite Abstieg in Urdorf. Dieser könnte für den Verein ungleich verherendere Folgen haben.

Cedric Heer
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Sportchef Lolo Bertschmann (66) und die Limmattal Wings müssen dem Abstieg entgegenblicken.

Sportchef Lolo Bertschmann (66) und die Limmattal Wings müssen dem Abstieg entgegenblicken.

Roland Jaus

In Urdorf sind im dritten Drittel noch fünf Minuten und 35 Sekunden zu spielen. Die Limmattal Wings konnten soeben durch Ken Walliser zum 3:4 verkürzen. Die Hoffnung auf einen fulminanten Schlussspurt und den damit verbundenen Ligaerhalt steigt. Dann der Schock: Nach einem Limmattaler Stockschlag hebt Schiedsrichter Lechelt den Arm und schickt Hani Weber für zwei Minuten in die Kühlbox. Nicht schon wieder, ist man versucht zu sagen, denn es ist bereits die fünfte Strafe im Schlussabschnitt.

Der Limmattaler Severin Peverelli verletzte sich im Schlussdrittel nach einem unglücklichen Dübendorfer Check.
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Die Dübendorfer Fans zelebrierten den Ligaerhalt mit einer Pyroshow - zum Leidwesen der Hallenbetreiber.
Nach dem ersten Drittel und der 2:0-Führung sah die Welt für die Wings noch in Ordnung aus.
Der Limmattaler Nicolas Gamper gab den Pass zum zwischenzeitlichen 2:0.
Einer der wenigen schnellen Limmattaler Angriffe über Tobias Hug (Mitte).
Wings-Stürmer Alexander Marty verlässt geschlagen das Feld.
Wings-Trainer Mike Weiss hat die bittere Niederlage vor Augen.
Wings-Goalie Andrej Gingg zeigte eine starke Leistung.
Die Tore in Urdorf bringen den Limmattal Wings kein Glück: Bereits 2011 stiegen die Wings am gleichen Ort in die 4. Liga ab.

Der Limmattaler Severin Peverelli verletzte sich im Schlussdrittel nach einem unglücklichen Dübendorfer Check.

Roland Jaus

Weber, mittlerweile eigentlich als ruhiger und überlegter Spieler bekannt, lässt seine Missgunst an seinem Stock aus und schmettert diesen auf die Bank. Innerhalb von 34 Sekunden verwandelt sich die wiedererlangte Hoffnung auf ein Wunder in grosse Ernüchterung. Weber erhält zusätzliche zwei Minuten für unsportliches Verhalten – die Wings spielen von den verbleibenden fünf Minuten deren vier in Unterzahl.

«Es war eine einzige Katastrophe. Wir haben das Spiel einmal mehr selber vergeigt», kommentierte Wings-Trainer Mike Weiss die Szene. Sie war beispielhaft für die Saison der Limmattaler, die ihren Tiefpunkt nun im Abstieg in die tiefste Liga findet. «Heute war nicht unser Tag, wir haben zu wenig harmoniert. Für den Verein ist das ganz schlimm», sagte der trotzdem gefasst wirkende Weiss nach Spielschluss. Was der Abstieg für den Verein bedeutet, ist momentan noch nicht abzusehen. Sicherlich ist damit aber die Kooperation mit dem EHC Urdorf gefährdet, zudem droht der Rücktritt vieler arrivierter Spieler. «Auch für das 50-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr ist der Abstieg ein herber Dämpfer», fügt Weiss an.

Dabei startete die Partie aus Limmattaler Sicht perfekt. Frei und Frenzel schossen die Wings noch vor der ersten Sirene mit 2:0 in Führung. Und es hätte noch besser kommen müssen. Nach einem Weitschuss von Hug sprang die Scheibe aus dem Dübendorfer Tor zurück aufs Eis. Die Wings jubelten, der Pfiff der Schiedsrichter blieb aus. «Wir hatten heute nicht nur die fünf Gegenspieler, sondern auch die beiden Schiedsrichter gegen uns», kommentierte Weiss das zu Unrecht nicht gegebene Tor.

Nach dem Startfurioso folgte der Einbruch. Die Wings hatten spätestens ab der Spielhälfte nur noch begrenzten Zugriff auf das Spiel und es häuften sich die Eigenfehler sowie die (meist unnötigen) Strafen. Elf Minuten brauchten die Dübendorfer, um die Partie in eine andere Bahn zu lenken und drei Tore zu erzielen. «Die fehlende Physis darf keine Ausrede sein, wir waren gut vorbereitet», sagt Weiss.

Somit bleibt die die Zukunft der Limmattal Wings weiter ungewiss. Vor der Partie hatte Wings-Sportchef Lolo Bertschmann gesagt, dass die Wings im Falle einer Niederlage «wohl sehr lange nicht mehr aufsteigen» würden. Die ersten 30 Minuten zeigten, dass die Mannschaft lebt – zumindest punktuell. Ob dies ausreicht, um nochmals die nötigen Kräfte für «den direkten Wiederaufstieg» (Weiss) zu mobilisieren, bleibt zu bezweifeln.

Dass sich Urgesteine wie Cyrill Hruby oder Hani Weber nochmals durch die 4. Liga quälen, scheint unwahrscheinlich. Zu ihrer Zukunft konnten und wollten beide noch keine Auskünfte geben.