In Urdorf sind im dritten Drittel noch fünf Minuten und 35 Sekunden zu spielen. Die Limmattal Wings konnten soeben durch Ken Walliser zum 3:4 verkürzen. Die Hoffnung auf einen fulminanten Schlussspurt und den damit verbundenen Ligaerhalt steigt. Dann der Schock: Nach einem Limmattaler Stockschlag hebt Schiedsrichter Lechelt den Arm und schickt Hani Weber für zwei Minuten in die Kühlbox. Nicht schon wieder, ist man versucht zu sagen, denn es ist bereits die fünfte Strafe im Schlussabschnitt.

Weber, mittlerweile eigentlich als ruhiger und überlegter Spieler bekannt, lässt seine Missgunst an seinem Stock aus und schmettert diesen auf die Bank. Innerhalb von 34 Sekunden verwandelt sich die wiedererlangte Hoffnung auf ein Wunder in grosse Ernüchterung. Weber erhält zusätzliche zwei Minuten für unsportliches Verhalten – die Wings spielen von den verbleibenden fünf Minuten deren vier in Unterzahl.

«Es war eine einzige Katastrophe. Wir haben das Spiel einmal mehr selber vergeigt», kommentierte Wings-Trainer Mike Weiss die Szene. Sie war beispielhaft für die Saison der Limmattaler, die ihren Tiefpunkt nun im Abstieg in die tiefste Liga findet. «Heute war nicht unser Tag, wir haben zu wenig harmoniert. Für den Verein ist das ganz schlimm», sagte der trotzdem gefasst wirkende Weiss nach Spielschluss. Was der Abstieg für den Verein bedeutet, ist momentan noch nicht abzusehen. Sicherlich ist damit aber die Kooperation mit dem EHC Urdorf gefährdet, zudem droht der Rücktritt vieler arrivierter Spieler. «Auch für das 50-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr ist der Abstieg ein herber Dämpfer», fügt Weiss an.

Die letzten 3.-Liga-Sekunden der Limmattal Wings

Die letzten 3.-Liga-Sekunden der Limmattal Wings

Dabei startete die Partie aus Limmattaler Sicht perfekt. Frei und Frenzel schossen die Wings noch vor der ersten Sirene mit 2:0 in Führung. Und es hätte noch besser kommen müssen. Nach einem Weitschuss von Hug sprang die Scheibe aus dem Dübendorfer Tor zurück aufs Eis. Die Wings jubelten, der Pfiff der Schiedsrichter blieb aus. «Wir hatten heute nicht nur die fünf Gegenspieler, sondern auch die beiden Schiedsrichter gegen uns», kommentierte Weiss das zu Unrecht nicht gegebene Tor.

Nach dem Startfurioso folgte der Einbruch. Die Wings hatten spätestens ab der Spielhälfte nur noch begrenzten Zugriff auf das Spiel und es häuften sich die Eigenfehler sowie die (meist unnötigen) Strafen. Elf Minuten brauchten die Dübendorfer, um die Partie in eine andere Bahn zu lenken und drei Tore zu erzielen. «Die fehlende Physis darf keine Ausrede sein, wir waren gut vorbereitet», sagt Weiss.

Die Dübendorfer Fans zelebrierten den Ligaerhalt ihrer Mannschaft

Die Dübendorfer Fans zelebrierten den Ligaerhalt ihrer Mannschaft

Somit bleibt die die Zukunft der Limmattal Wings weiter ungewiss. Vor der Partie hatte Wings-Sportchef Lolo Bertschmann gesagt, dass die Wings im Falle einer Niederlage «wohl sehr lange nicht mehr aufsteigen» würden. Die ersten 30 Minuten zeigten, dass die Mannschaft lebt – zumindest punktuell. Ob dies ausreicht, um nochmals die nötigen Kräfte für «den direkten Wiederaufstieg» (Weiss) zu mobilisieren, bleibt zu bezweifeln.

Dass sich Urgesteine wie Cyrill Hruby oder Hani Weber nochmals durch die 4. Liga quälen, scheint unwahrscheinlich. Zu ihrer Zukunft konnten und wollten beide noch keine Auskünfte geben.