Fussball

Aus der Fussball-Provinz in die Soccer-Hauptstadt nach Kansas

Das neue «Wohnzimmer» von Martin Steuble: Der Sporting Park von Kansas City.

Das neue «Wohnzimmer» von Martin Steuble: Der Sporting Park von Kansas City.

Der Schlieremer Martin Steuble lebt den amerikanischen Traum. In Kansas bei den Citys hat er eine neue sportliche Heimat gefunden.

Ausnahmezustand in Kansas City. Zehntausende von Menschen versammeln sich auf den Strassen und verfolgen auf Grossleinwänden die MLB World Series. Erstmals seit 29 Jahren steht das Baseball-Team aus der grössten Stadt des US-Bundesstaats Missouri im Endspiel um den Titel. Auch aufgrund der fast 30-jährigen Abwesenheit im Gipfeltreffen des amerikanischen Traditionssportes herrscht Ausnahmezustand in Kansas. Ansonsten ist die «City of Fountains» in den USA auch als Soccer Capital, also Fussball-Hauptstadt, bekannt.

Mittendrin befindet sich der ehemalige GC-Spieler Martin Steuble. Nach Vertragsablauf Ende Juni 2014 wechselte der Schlieremer vom Challenge Ligisten FC Wil zu Sporting Kansas City, dem hiesigen «Soccer-Team» der Major League of Soccer.

Dieser Transfer dürfte für Steuble vor allem eines bedeutet haben: einen riesigen Kulturschock. Während am vergangenen Wochenende 1380 Zuschauer die Ostschweizer im Heimspiel gegen Chiasso sehen wollten, war am selben Tag der Sporting Park in Kansas zum 53. Mal in Folge (!) ausverkauft.
19 188 Zuschauer strömen seit der Eröffnung am 9. Juni 2011 wöchentlich in die Fussballarena – also mehr Menschen, als die Stadt Wil bis zur Gemeindevereinigung mit Bronschhofen 2013 als Einwohner zählte.

Steuble schwärmt von der Atmosphäre in seinem neuen Heimstadion: «Die Fans sind unglaublich. Es wird nie gepfiffen und das Team wird immer nach vorne gepeitscht. Vor den Spielen singen alle die Nationalhymne, bevor mit Feuerwerk und Musik weiter animiert wird.» Als «grossartiges und zu Beginn sehr spezielles Gefühl» beschreibt der Schweiz-Philippinische Doppelbürger den Einmarsch auf den Rasen.

Initiator Pascal Zuberbühler

Dieses Gefühl verdankt Steuble einem glücklichen Zufall: Seit diesem Jahr spielt der Sohn einer Philippinerin im Nationalteam der Heimat seiner Mutter. Trainer der Philippinen ist Thomas Dooley, an der Fussball-WM 94 Captain der US-Auswahl, und ein Mann mit vielen Kontakten in seiner alten Heimat. Dooley organisierte dem 26-Jährigen ein Probetraining bei Sporting Kansas, wo der Linksfuss zu überzeugen wusste.

Weil neben der fussballerischen Qualität auch der Charakter entscheidend für die Aufnahme im Kader war, gelang die Integration ins Team ziemlich schnell. «Die Leute hier sind wahnsinnig nett. Besonders mit dem Franzosen Aurélien Collin, der bereits seit vier Jahren hier bei Kansas spielt, verbringe ich neben dem Platz viel Zeit», erklärt Steuble.

Dass der Schlieremer überhaupt in der Philippinischen Nationalmannschaft gelandet ist, verdankt er einem alten Bekannten. Pascal Zuberbühler, langjähriger Schweizer Nationaltorhüter, war als Torwarttrainer beim fünftgrössten Inselstaat der Welt, als er den offensiven Mittelfeldspieler in deren Landesauswahl vermittelte. Dies ermöglichte Steuble erstmals im Ausland zu spielen und öffnete im Anschluss die Tür zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Aufkommendes Heimweh

Es sei kein Entscheid gegen die Schweiz gewesen, wie der erste philippinische MLS-Fussballer rückblickend festhält. «Viel mehr reizte mich eine neue Herausforderung. Ich wollte neue Erfahrungen sammeln», diktiert Steuble.

Dass er hierzulande bereits einiges an Erfahrungen gesammelt hat, untermauert die Liste seiner ehemaligen Vereine. Seit 2005 spielte der ehemalige GC-Junior für Dietikon, Xamax, Grasshoppers, Lausanne, Wohlen und Wil. «Bei den Ostschweizern war ich im letzten halben Jahr aufgrund von Nati-Terminen kaum mehr dabei. Da war es logisch, dass ich den Vertrag nicht verlängert habe. Ausserdem zog es mich ins Ausland.»

Dort angekommen, versucht sich der Bruder von Oetwil-Geroldswil-Spieler Stefan Steuble in einem 30-Mann-Kader seinen Stammplatz zu erkämpfen. «Das braucht etwas Zeit, schliesslich bin ich noch nicht lange mit dabei.» Etwas Zeit braucht es auch, bis der Auswanderer seine Familie wieder sehen wird, an Weihnachten ist es endlich so weit – dann kehrt er für ein paar Wochen heim. Mit einer Prise Heimweh sagt Steuble: «In den letzten Monaten bin ich sehr viel gereist. Da ist klar, dass mir der bekannte Alltag etwas fehlt. Ausserdem vermisse ich Zürich schon ein wenig – schliesslich ist es mein Zuhause.»

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