Eishockey
Aufgeben ist für Dean Kukan keine Option

Der ehemalige Urdorfer Junior will sich in der NHL durchsetzen – er nimmt dafür einiges in Kauf

Michel Sutter
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Dean Kukan will sich bei den Cleveland Monsters für die NHL empfehlen. John Saraya

Dean Kukan will sich bei den Cleveland Monsters für die NHL empfehlen. John Saraya

Sie ist das Ziel eines jeden Eishockeyspielers, die nordamerikanische NHL. Auch der ehemalige Urdorfer Junior Dean Kukan arbeitet daran, sich in der weltbesten Eishockeyliga durchzusetzen. Nach ersten Einsätzen für die Columbus Blue Jackets spielt er derzeit für deren Farmteam, die Cleveland Monsters. Dort, in der zweithöchsten Liga der AHL, herrschen raue Sitten.

Eben erst ist für Kukan und sein Team mit der Partie bei den Charlotte Checkers ein fast zweiwöchiger Road Trip zu Ende gegangen. Im Schnitt jeden zweiten Tag standen der Urdorfer und seine Kollegen in dieser Zeit bei einem Auswärtsspiel auf dem Eis. «An Trainings ist da nicht zu denken», sagt Kukan. «Vor dem Spiel gibt es jeweils einfach ein Warm-up.» Einerseits waren die Spieler mit dem Flugzeug, andererseits aber auch mit dem Bus unterwegs. «Einmal hatten wir eine Fahrt nach Grand Rapids», erinnert sich der 188 Zentimeter grosse Verteidiger. «Wir sassen damals fünf Stunden im Bus.»

Die weiten Reisen von Spiel zu Spiel kennt Kukan, der seine ersten Schritte auf dem Eis beim EHC Urdorf gemacht hat, noch aus seiner Zeit in Schweden. Dort hatte er vor seinem Engagement in den USA vier Jahre lang für Lulea HF gespielt – trotz Angeboten aus der Schweizer National League A, in der er einst zwei Partien für die ZSC Lions bestritten hatte. «Ich wollte in die NHL», sagt der Schweizer Nationalspieler. «Daher bin ich auch in Schweden geblieben.» Dieser Plan schien aufzugehen: 2015 wurde er von den Columbus Blue Jackets verpflichtet, nach Ende der Vorbereitung jedoch zu deren Farmteam abgeschoben, das damals noch Lake Erie Monsters hiess. Ein halbes Jahr später, im März 2016, kam der zehnfache Schweizer Internationale unerwartet zu seinem ersten NHL-Einsatz: Er wurde von den Blue Jackets für die Partie gegen die Nashville Predators aufgeboten. «Ich war ziemlich nervös», sagt der 23-Jährige heute. «Aber für mich ging damals ein Traum in Erfüllung.»

Es schien, als hätte Kukan es in die internationale Hockeyelite geschafft. Doch am Ende der Saison und nach acht Einsätzen in der NHL führte sein Weg wieder zurück zu den Monsters. Seither versucht er, sich durch starke Leistungen erneut für die Blue Jackets zu empfehlen.

Ende Januar schien sich eine Chance für ihn zu bieten, als er vom NHL-Team für einen verletzten Spieler als Ersatz aufgeboten wurde. Zum Einsatz kam Kukan jedoch nicht, er wurde erneut zurückbeordert. «Diese ständigen Wechsel waren am Anfang etwas speziell», gesteht er. «Aber mittlerweile ist das für mich Normalität.» Es gäbe Spieler, die pro Saison acht-, neunmal vom NHL-Team ein Aufgebot bekämen und wieder in die AHL abgeschoben würden. Es sei aber nicht so, dass man völlig im Ungewissen gelassen würde. «Man weiss schon, ob man der NHL nähergekommen ist», sagt Kukan. Nur: Der Konkurrenzkampf ist gross. «In der AHL hofft sich jeder, eines Tages in der NHL spielen zu können», sagt der Urdorfer. «Daher ist der Spielstil auch ganz anders als in Europa. Aber auch als in der NHL. Dort ist das Hockey eher technisch, in der AHL dagegen kämpferisch, denn jeder will sich durchbeissen.»

Im Stadion der Cavaliers

Auch die Anspielzeiten sind in der zweithöchsten Liga Nordamerikas gewöhnungsbedürftig. «In Chicago mussten wir einmal um 11 Uhr morgens spielen», erinnert sich Kukan. «Das Stadion war dennoch ausverkauft. Es war voller Kinder.» In Cleveland spielen Kukan und seine Teamkollegen in der Quicken Loans Arena, dem gleichen Stadion, in dem die Basketballer der Cleveland Cavaliers in der letzten Saison den Titel geholt haben. Das Stadion fasst über 20 000 Zuschauer. «Wir spielen manchmal vor bis zu 10 000 Fans», sagt Kukan. Und das sehr erfolgreich. Letzte Saison haben die Monsters die AHL-Meisterschaft und damit den begehrten Calder Cup gewonnen. Kukan ist erst der zweite Schweizer, der diese Trophäe in die Höhe stemmen durfte. «Ich wusste, dass Roman Wick den Calder Cup einst gewonnen hatte», sagt er. «Es war eine grosse Sache für uns, ihn zu gewinnen.»

Eine grosse Sache wäre es für Kukan auch, dereinst wieder in der NHL auflaufen zu dürfen. «Ich spüre, dass ich nahe dran bin», sagt er. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus, doch er will weiterhin für einen Platz in der NHL kämpfen: «Ich möchte nochmals ein Jahr anhängen.» Bis es so weit ist, haben Kukan und die Monsters allerdings noch über 20 Ligaspiele vor sich.