Was soll ein Sportler auf diese Frage anderes antworten als: «Es ist erst fertig, wenn es fertig ist – ich gebe einfach mein Bestes.» Die zugrunde liegende Frage an Patrick Rhyner lautet: «Sind die Olympischen Spiele für Sie gelaufen?» Der 25-jährige Urdorfer hat die Qualifikation für Rio 2016 als Ziel ausgegeben, als er sich vor fünf Jahren dem Leistungsbereich verschrieben hat. Nun, knapp ein Jahr davor, muss er sich wohl davon verabschieden. Ende 2014 wurden die Kader im Schweizer Triathlonverband gestrafft hinsichtlich den Olympischen Spielen. Rhyner wurde wie die meisten anderen von der Kategorie B in die Kategorie C zurückversetzt. Das bedeutet einerseits kaum Aussichten auf Weltcupstarts und damit keine Möglichkeit, mit den Spitzenkräften Sven Riederer und Andrea Salvisberg auf Augenhöhe zu konkurrieren. Andererseits bedeutet die Rückstufung finanzielle Einschränkungen. Der Athlet muss mehr selbst berappen, die gegenwärtige Saison sei dank Rhyners Teilzeitstelle als Mechaniker im Geschäft seines Vaters ein «Nullsummenspiel». Dem Limmattaler würden «ein, zwei» Sponsoren gelegen kommen. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass «es schwierig wird, sobald es um Geld geht».

Aufwärtstendenz erkennbar

Davon lässt sich der Athlet nicht demotivieren. Seine Formkurve zeigt nach oben. Innert dreier Wochen gelangen ihm drei Top-Ten-Resultate. Am Europacup in Kiew verpasste er über die Olympische Distanz das Podest als Vierter knapp. Als Nächstes wird er am kommenden Sonntag in Tübingen für ein deutsches Team im Rahmen der Triathlon-Bundesliga starten, bevor er an die Stätte seines prestigeträchtigsten Erfolgs zurückkehren wird: In Riga gewann er im vergangenen Jahr über die Sprintdistanz sein bislang einziges Europacuprennen.

Seither hat sich das Leben von Rhyner verändert, was allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Erfolg im Baltikum steht. Er hat ein Fernstudium in Sportwissenschaften begonnen und ist nach Wallisellen gezogen, wo sich der Schweizer Triathlonstützpunkt befindet. «Ich bin in ein paar Minuten zu Fuss im Hallenbad und auf der Laufbahn. Darüber hinaus sind einige Naherholungsgebiete schnell erreichbar», schildert der Limmattaler die Vorteile seines neuen Wohnorts. Diesen wird er auch beibehalten, sollte er im Sommer 2016 nicht in Rio starten. «Es würden wieder Olympische Spiele kommen», sagt Rhyner, «die Teilnahme daran bliebe mein grosses Ziel.» Sein Traum wäre also nur aufgeschoben.