Den nachfolgenden Zeilen liegt die Annahme zugrunde, dass den Handballern von Dietikon-Urdorf die komfortable Ausgangslage reicht für den Verbleib in der 1. Liga. Die Entscheidung fällt erst heute ohne das Zutun der Limmattaler: Wenn Liestal sein letztes Match gegen den feststehenden Absteiger Solothurn mit 25 Toren Unterschied gewinnt und die Seen Tigers den Leader Bern Muri schlagen, ist die Relegation
Tatsache.

Die Saison 2012/13 ist für den HCDU ein Wink mit dem Zaunpfahl. Jahrelang mogelte sich das Team mit einer dünnen Kaderdecke und einem ebenso dünnen Trainingsbesuch durch die 1. Liga. Jetzt hat es dafür beinahe die Quittung erhalten. Die einhellige Meinung, wonach die Spielklasse ausgeglichener geworden ist, hat sich bewahrheitet. In vielen Teams erhalten Talente von Nationalliga-Teams die Chance, sich an den Aktivhandball zu gewöhnen. Für Mannschaften mit einem hohen Anteil an Plausch-Spielern und einer nicht durchgängigen Nachwuchsabteilung wird es eng. Zum Beispiel für den HCDU.

Wenige Sportarten fussen derart auf Automatismen wie Handball. Fehlende Abstimmung kann kaum durch Talent wettgemacht werden. Das ist der Grund, warum das individuell eigentlich stark besetzte Team des HCDU sein Leistungsvermögen oft nicht annähernd abrufen konnte. Das Selbstvertrauen war fragil: Die Niederlage gegen das Schlusslicht Schwamendingen kurz vor Weihnachten riss die mit einer Erfolgsserie zugeschütteten Gräben der Verunsicherung wieder auf.

Kommt dazu, dass mit Claude Bruggmann ein Mann Trainer war, der nach 15 Jahren Leistungssport von den Verhältnissen in seinem Stammverein vor den Kopf gestossen wurde. Er rieb sich in seiner Rolle als Spieler und Trainer auf und suchte bis zum Schluss nach der Balance. Als er das Team in November 2011 übernahm, sprach er davon, «keine Kompromisse» eingehen zu wollen, was die laxe Trainingspräsenz anbetrifft.

Er wurde bald von der Realität eingeholt, die bei vielen durch die Arbeit begründet ist. In einer anonymen Umfrage unter den Spielern vor zwei Monaten in dieser Zeitung sagte ein Akteur zu Bruggmanns Situation: «Er hat das Beste herausgeholt. Es ist bewundernswert, dass er den Bettel wegen der Rahmenbedingungen nicht früh hingeschmissen hat.» Eine Bankrotterklärung.

In den vergangenen Wochen wurde die Situation nicht besser. Das brachte Bizarres mit sich: Sportchef Dominik Hari kam mangels Alternativen zu seinem 1.-Liga-Debüt - im zweitletzten Match der Abstiegsrunde. Dass nur 9 Siege in 27 Partien für den Verbleib in der dritthöchsten Spielklasse reichen, verdeutlicht das Glück des HCDU.

Die abgelaufene Saison hat zwei Erkenntnisse gezeigt: Erstens ist ein Platz in der 1. Liga keine Selbstverständlichkeit mehr. Damit ist der Verein gleich weit wie vor elf Jahren, als sich der erstmalige Abschied aus der NLB ankündigte (der 2005 erfolgte). Zweitens ist eine grundlegende Aufbauarbeit vonnöten. Weil der Verein zu Recht seinen Kurs beibehält, Spieler nicht zu entschädigen, verdammt er sich selbst dazu, sich Zeit zu geben. Wahrscheinlich braucht es eine Menge Geduld: Es dürfte mehrere Jahre dauern, bis ein regelmässiges Nachrücken eigener Junioren wieder gewährleistet ist.

Auf die Spieler im aktuellen Kader gibt es weiterhin keinen Druck. Ein echter Konkurrenzkampf ist nicht in Sicht. Der neue Trainer Karsten Hackel hat angetönt, sich nicht um Namen zu scheren, was die Aufstellung anbelangt. Für ihn zähle der Trainingsbesuch als Kriterium. Zieht er das durch, steht die Frage im Raum, ob er dafür gegebenenfalls den Preis zahlen will. Der könnte
Abstieg heissen. Denn aktuell spricht nichts dagegen, dass der HCDU sich auch in naher Zukunft nach hinten orientieren muss.