Phantome sind in der Regel nicht gern gesehen, zumal im Fussball. Arsim Shala ist eine Ausnahme. Wegen zahlreicher Verletzungen verpasste er in dreieinhalb Jahren beim FC Dietikon mehr Spiele, als er bestreiten konnte. Dennoch geht er als einer der Grossen in die Erinnerung ein. Warum in die Erinnerung? Shalas Karriere als Aktiver ist mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Ende. Sicherlich im FCD. Nach dem ersten Training in der laufenden Vorbereitung ereilte den 35-Jährigen die Hiobsbotschaft. Eine alte Verletzung am grossen Zeh machte sich wieder bemerkbar. Die Diagnose: Nicht sauber zusammengewachsen. Die Folge: Operation und lange Pause. Der Rat des Arztes: Sofort aufhören mit Fussball.

Auch wenn der ruhige und überlegte Shala das nie so sagen würde: Er hatte nach diesem Bescheid die Schnauze gestrichen voll. In seinen Worten: «Ich fühlte mich gut in Form, freute mich darauf, wieder anzugreifen … was soll ich machen.» Dass es in ihm rumort, ist spürbar. Doch wie schon auf dem Platz verarbeitet er Frust innerlich.

Bellinzona als beste Erinnerung

Ruhe und Erhabenheit gehören zu den herausragenden Eigenschaften von Arsim Shala – auf dem Platz genauso wie daneben. Dass der Spreitenbacher darüber hinaus stets fair und offen ist, und selbst Vorbereitungsspiele als Zuschauer besuchte, hat ihm einen Sonderstatus eingebracht. Denn, obwohl er so oft verletzt war, liess der FCD seinen Taktgeber im Mittelfeld nicht fallen. Dasselbe hat Shala sogar im Profigeschäft in seiner Zeit in «Bellenz», wie er sagt, erlebt. Die Zeit im Tessin sei ihm die liebste gewesen in seiner Karriere. «Fussball hat dort einen höheren Stellenwert. Wir hatten fast vor jedem Spiel ein kleines Trainingslager, wo wir mit dem Car hinfuhren.» Shala sei auch in der Südschweiz beliebt gewesen. «Mein Trikot mit der Nummer 19 hängt immer noch in einer Bar.»

Dann sprudelt es aus ihm heraus. Die Auf-/Abstiegsrunde NLA/NLB, die er Ende der 1990er-Jahre mit Baden bestritt, mit Siegen gegen YB und Basel; die 1:2-Niederlage mit Bellenz im Cup gegen YB … Erinnerungen, die Shala gern aufleben lässt, «vor allem für mich selbst. Ich muss damit nicht angeben», sagt er. Freude bereitet dem zweifachen Vater aber, dass er seine Erinnerungen mit seinem älteren Sohn Lendrit (8) teilen kann. Dazu gehören auch die Jahre mit Dietikon, wo er lange Zeit Captain war. Ins Limmattal kam er just in der schwierigsten Phase der jüngeren Vergangenheit im Frühjahr 2009. Nach der Entlassung von Beat Studer ging es chaotisch zu und her. Die Rettung vor dem Abstieg in die 3. Liga gelang auch dank der Hilfe von Shala. Er bestritt verletzungsbedingt zwar nur eine Handvoll Spiele, wirkte aber als Vorbild und ruhender Pol positiv auf das Teamgefüge wirkte.

Zwei Jahre später jubelte Shala als Zuschauer über den Aufstieg der Dietiker in die 2. Liga interregional. Er hatte sich in der Vorrundenpartie nach einer Viertelstunde gegen die Blue Stars im Knie verletzt, weil es «aber nicht so stark» geschmerzt habe, spielte er die Partie zu Ende. Es sollte seine letzte sein für 12 Monate: Kreuzband- und Meniskusschaden. «Ich bin wahrscheinlich ein bisschen selbst schuld an meinen Verletzungen», sagt Shala mit einem etwas hilflosen Lächeln im Gesicht, «die Art, wie ich spiele, ist nicht sehr körperschonend. Ich kann in Zweikämpfen nicht zurückziehen, das würden meine Emotionen nicht zulassen.»

Trainer in Dietikon?

Sein Ende als Spieler im FC Dietikon bringt auch finanzielle Einbussen mit sich. Shala bezog ein Fixum und Prämien – beides fällt für den Lageristen nun weg. «Ich verdiene weniger Geld, habe aber mehr Zeit zur Verfügung, die mir auch viel wert ist.» Zeit, die er erst einmal auf seine Regeneration verwenden wolle. Danach sei er offen für Neues. Der FCD möchte Shala gern behalten, erste Gespräche über ein Engagement im Trainerbereich hätten stattgefunden. Dietikon sei sein erster Ansprechpartner. «Ich habe dem Verein viel zu verdanken», erklärt er, und wird etwas nachdenklich. Dann sagt er, im Hinterkopf seine Krankenakte: «Dietikon hätte mehr Freude an mir haben können.»