Man stelle sich vor: Kurz nach dem 17. Geburtstag erhält man die Gelegenheit auf seinen ersten Profivertrag, aber das Herz sagt «Nein». So war es bei Anto Grgic, als bei einer Routineuntersuchung ein Herzfehler entdeckt wurde. Drei Monate lang durfte der Schlieremer gar keinen Sport betreiben und das obwohl er im Januar 2014 gemeinsam mit Nico Elvedi in die erste Mannschaft des FC Zürich hätte aufgenommen werden
sollen. Es begann eine Leidenszeit von acht Monaten ohne Pflichtspieleinsätze, für einen Kicker eine Ewigkeit – insbesondere in diesem Alter. «Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören», versucht Grgic rückblickend die positiven Seiten zu sehen. Der heute 18-Jährige liess sich nicht unterkriegen, arbeitete geduldig an
seinem Comeback, wurde vergangene Saison nochmals von einer Verletzung zurückgeworfen, stand erneut auf und unterschrieb in diesem Sommer endlich seinen ersten Profi-Kontrakt. Der schweizerisch-kroatische Doppelbürger sagt nicht ohne Stolz: «Es war ein sehr schönes Gefühl, aber auch eine Bestätigung für die harte Arbeit.» Schliesslich begnügte sich der Spielmacher nicht mit den ein bis zwei Trainings pro Tag, er widmet auch seine Freizeit dem runden Leder.

Fokus auf die Super League

«Ich verbringe nahezu jede freie Minute mit Fussballspielen. Manchmal bin ich auf dem Zelgli und übe für mich Freistösse.» Die Schlieremer Anlage ist übrigens auch der Ort, an dem die Fussballkarriere Grgics startete, auch wenn er nach einem halben Jahr, als F-Junior, bereits zu GC ging.

Danach wechselte er nur noch einmal dem Club. Mit 13 Jahren zog es den talentierten Kicker zum Stadtrivalen. «Das Ausbildungsangebot beim FCZ ist ab der U14 einfach besser, finanziell hingegen würde es wohl keinen Unterschied machen», erklärt Grgic. Dieser Wechsel hatte noch ein kleines Nachspiel, der «Blick» befragte in einem Artikel im Jahr 2012, auch anhand dieses Beispieles, seine User, ob sie ein solches Abwerben moralisch in Ordnung finden.

Durch seine Einsätze in bislang allen Junioren-Nationalstufen – in den nächsten Wochen wird entschieden, ob er in die U 20 oder U 21 kommt – wurden ausländische Klubs wie Chelsea auf Grgic aufmerksam. Dass er sich dennoch gegen seinen Traumverein entschied, obwohl er und seine Familie nach London eingeladen wurden, zeugt von grosser Reife und vor allem einem kühlen Kopf.

Oder wie der ruhige Neo-Profi mit sanfter Stimme sagt: «Dieser Schritt wäre wohl noch zu früh gekommen. Einerseits möchte ich hier meine kaufmännische Ausbildung abschliessen, andererseits sollte man sich zuerst in seiner Heimat einen Namen machen, bevor man ins Ausland geht.»

Doch wie jeder Jungkicker träumt natürlich auch Grgic von einem Engagement im Ausland, insbesondere die Bundesliga reizt ihn. Zuerst will er sich aber voll und ganz auf die Herausforderung Super League mit dem FCZ konzentrieren. Seine Chancen, sich wie sein Kumpel Elvedi schnell einen Stammplatz zu erarbeiten erachtet er als intakt. Er ist sich aber auch bewusst, dass einem im heissen Fussballbusiness nichts geschenkt wird.