Man kneift sich. Wieder einmal. Fragt sich: Ist das wirklich wahr? Warum sind die Erinnerungen derart verblasst?

Es ist Samstag kurz vor 17 Uhr, als GC-Präsident Stephan Anliker auftritt. Er muss den Rauswurf von Sportchef Axel Thoma erklären. Erklären, warum nun bereits der zwölfte Abgang während seiner 18-monatigen Amtszeit vonstattenging. Anliker tut das im Stadionrestaurant des maroden Brügglifeld. Weil dort gerade noch ein Raum frei ist. Hinter ihm stehen einige Pokale. Pokale, die Teams des FC Aarau geholt haben. Der grösste entstammt dem «Torneo Internazionale Locarno», anno 2002. Ein anderer einem U16-Hallenturnier des FC Schaffhausen. Das ist also der Rahmen. Die Symbolik könnte nicht passender sein.

Dann beginnt Anliker. Es sind happige Vorwürfe, die der Präsident an Thoma richtet. Nicht alle will er öffentlich machen. Aber: «Es geht noch gut einen Monat, bis das Training für die neue Saison beginnt. GC hat kein Konzept. GC hat keine Transfers gemacht. GC hat keine Vertragsverlängerungen gemacht. GC hat einfach nichts. Wir mussten die Notbremse ziehen.» So sagt er das. Und schliesslich: «Vielleicht haben wir uns von Axel Thoma blenden lassen.»

Offenbar war die Unzufriedenheit überall spürbar, bei der Mannschaft, bei den Sponsoren – und auch beim Trainer Pierluigi Tami. «Das Vertrauen war weg. Bei allen. Thoma ist der Einzelgänger vom Campus geblieben», sagt Anliker.

Der Vertrag des ehemaligen Sportchefs läuft noch bis Juni 2017. Wobei GC die Haltung vermittelt, mit ziemlicher Garantie nicht so lange zahlen zu müssen. Ein erstes Angebot an Thoma ist bereits gemacht. Er dürfte kaum darauf eingehen. Selbst äussern mag sich Thoma derzeit nicht.

Es ist so offensichtlich wie ernüchternd: Dieses GC kommt einfach nicht zur Ruhe. Es ist der nächste Knall nach den Wirren um Ex-Captain Salatic und Ex-Trainer Skibbe. Und wieder einmal kursieren Gerüchte. Natürlich über Erich Vogel und dessen Einflussnahme. Aber offenbar soll auch der Agent von Thoma, Giacomo Petralito, in einer Weise Einfluss genommen haben, die der Klub nicht mehr dulden wollte. Nicht nur, aber vor allem bei Transfers.

Und jetzt, wie weiter? Ein Nachfolger für Thoma ist vorderhand nicht geplant. Geschäftsführer Manuel Huber übernimmt zusammen mit Georges Perego die sportliche Führung. Ob das eine Lösung auf Zeit ist oder mehr, entscheidet der neue Verwaltungsrat, der in der übernächsten Woche inthronisiert wird.

Zum Schluss versucht Anliker, so etwas wie Optimismus zu verbreiten. «In der letzten Saison betrugen die Ausgaben 28 Millionen, in dieser Saison werden es 24 Millionen sein. Nächste Saison noch 20 Millionen. Wobei wir mit 18 Millionen Franken Einnahmen budgetieren. Aber: Dieses Loch können wir stopfen.»

Bleibt somit nur noch eine Frage: Wann kommt es zum nächsten GC-Knall?