Fussball

Andreas Hirzel will beim HSV mehr als bloss die Nummer drei sein

Die nächsten drei Jahre hält Andreas Hirzel die Fussbälle im Dress des Hamburger SV.

Die nächsten drei Jahre hält Andreas Hirzel die Fussbälle im Dress des Hamburger SV.

Andreas Hirzel, in der Saison 2011/12 Torhüter beim SC Zofingen, hat diesen Sommer zum Hamburger SV gewechselt. Damit hat im Juli das Abenteuer Bundesliga begonnen - statt eines Kampfs um einen Super-League-Stammplatz beim FC Vaduz.

Hier das beschauliche Vaduz, mit etwas mehr als 5000 Einwohnern die Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein. Dort Hamburg, die 1,7-Millionen-Metropole im Norden Deutschlands. Nur schon der Vergleich der Bevölkerungszahl zeigt auf, wie gross der Schritt ist, den Andreas Hirzel in diesem Sommer getätigt hat.

Und das in Rekordtempo: Nach dem 5:1-Erfolg gegen die SP La Florita im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation mit dem FC Vaduz wurde der 22-jährige Torhüter Anfang Juli von Peter Knäbel, Direktor Profifussball beim Hamburger SV und früherer Technischer Direktor der Schweizer Nationalmannschaft, kontaktiert. Wenige Tage später war der Wechsel unter Dach und Fach. «Damit habe ich nicht gerechnet», zeigt sich Andreas Hirzel über das Interesse des HSV überrascht, «schliesslich habe ich erst ein Super-League-Spiel bestritten.»

Hirzel hat erst gezweifelt

Was der gebürtige Urdorfer aber am letzten Spieltag der vergangenen Saison gegen die Young Boys und auch gegen La Florita zeigte, überzeugte die Hamburger Verantwortlichen. «Zwei, drei Tage lang habe ich mir viele Gedanken gemacht», blickt Hirzel zurück. Nach einigen Gesprächen mit HSV-Trainer Bruno Labbadia, Peter Knäbel und Torhüter-Trainer Stefan Wächter entschied er sich gegen den Kampf um einen Stammplatz in der Super League und für die Chance, als dritter Torhüter bei einem Bundesliga-Klub aufgebaut zu werden.

Trotz seinem Wechsel zum Bundesligisten hat sich im Arbeitsalltag von Andreas Hirzel, der die Saison 2011/12 als vom FC Aarau ausgeliehener Schlussmann beim SC Zofingen in der 1.-Liga-Classic absolvierte, nicht viel geändert. Er trainiert täglich mit der ersten Mannschaft und am Wochenende sind Einsätze mit Hamburgs U23-Auswahl in der Regionalliga vorgesehen.

Zwei Göttis gefunden

Sollte sich jedoch HSV-Stammtorhüter René Adler oder dessen Ersatz Jaroslav Drobny verletzen, nimmt Hirzel beim Bundesliga-Klub auf der Bank Platz. «Ich profitiere extrem von der Zusammenarbeit mit den beiden und erhalte viele Tipps von ihnen», erzählt Hirzel vom positiven Umgang mit den Bundesliga-erprobten Adler und Drobny. «Beides sind super Typen. Ich kann im Training viel von ihnen abschauen und mich so weiterentwickeln.»

Auch vom Rest des Teams sei er gut aufgenommen worden. Mit Johan Djourou, dem zweiten Schweizer im HSV-Kader, verbindet Andreas Hirzel seit dem ersten Tag ein besonderes Verhältnis. «Er ist eine Bezugsperson für mich und hat mir den Einstieg erleichtert», sagt das Nachwuchstalent, das sich vom neuen Umfeld beeindruckt zeigt.

Ob Infrastruktur, Anzahl Fans während des Trainings oder Mitarbeiter des Vereins – es ist eine andere Welt, in die Andreas Hirzel eingetaucht ist. «In Vaduz war der Betrieb auch professionell, aber hier in Hamburg ist alles nochmals eine Nummer grösser», erklärt er.

Ebenfalls förderlich für seine Integration waren die Einsätze in den Testspielen während der Vorbereitung. Gegen Arminia Bielefeld (0:2-Niederlage), Hessen Kassel (2:0) und Aalborg (4:1) konnte Andreas Hirzel erste Erfahrungen im HSV-Dress sammeln. Ausserdem bezieht der Schweizer demnächst eine eigene Wohnung und hofft, so in Hamburg weiter Fuss fassen zu können. «Momentan lebe ich noch im Hotel und war deshalb nicht oft in der Stadt», sagt er.

Eine verheissungsvolle Ansage

Seine volle Aufmerksamkeit geniesst aber der Hamburger SV, der am Freitag mit einer 0:5-Klatsche gegen Bayern München in die Saison gestartet ist. In den Trainings will Andreas Hirzel Bruno Labbadia zeigen, dass der Trainer ihm vertrauen und auf ihn zählen kann. Zudem sollen René Adler und Jaroslav Drobny spüren, dass ein ambitionierter dritter Torhüter hinter ihnen stehe und bereit sei. «Nächste Saison greife ich dann voll an und will mehr als bloss die Nummer drei sein», sagt Hirzel kämpferisch.

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