Fussball
Andere Vorzeichen, anderes Resultat

Beim Zürcher Derby vor einem Monat war es der FCZ, der einen Lauf hatte und 3:1 siegte. Inzwischen liegt das Momentum bei den Grasshoppers – und sie gewannen gestern 2:0. Sehr zum Leidwesen von Alain Nef.

Andreas Fretz
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Die FCZ Spieler hadern mit ihrem Schicksal. Keystone

Die FCZ Spieler hadern mit ihrem Schicksal. Keystone

KEYSTONE

FCZ-Verteidiger Alain Nef sitzt auf der Tribüne des Letzigrund Stadions und fiebert mit. Lautstark und mit vollem Körpereinsatz. Im November wurde er nach einem Teilabriss der Achillessehne operiert. Seitdem ist er zum Zuschauen gezwungen. Was er gestern sah, gefiel ihm gar nicht. «Im letzten Derby schwebten wir auf Wolke sieben. Alles gelang. Nun haben wir seit über vier Pflichtspielen kein Tor mehr geschossen», sagte er in der Pause. 1:0 stand es da nach dem Traumschuss von GCs Caio. Vor rund einem Monat hatte der FCZ an selber Stätte noch 2:0 geführt.

Sie fliegen tiefer

Beim letzten Zürcher Derby am 1. März war der FC Zürich das Team der Stunde. Damals spielte der FCZ wie im Rausch, gewann mit 3:1 und galt nach einer Serie von sechs Siegen plötzlich als valabler Meisterkandidat. Seither konnte das Team von Trainer Urs Meier jene Flughöhe nicht halten, mit einem Punkt aus den vergangenen vier Super-League-Partien ist die Mannschaft den Titel «Team der Stunde» längst los. Meier ahnte wohl schon vor dem gestrigen Spiel, was im 237. Derby geschehen wird, als er sagte: «GC ist weiter als der FCZ und Titelkandidat. Für uns bleiben die Top 4 und der Cupsieg das Ziel. Gebt mir einfach Zeit, hier in Ruhe zu arbeiten.»

Hochgradig mitgefiebert

Auch nach der Pause wurden die Leiden Alain Nefs nicht kleiner. Der 32-Jährige fieberte auf Hochtouren mit, doch seine Teamkollegen erwachten erst nach dem 0:2-Rückstand in der 47. Minute. Die Behauptung, Nef war bis zu diesem Zeitpunkt der aktivste FCZler, ist wohl nicht ganz falsch. Beim vermeintlichen Anschlusstreffer durch Gavranovic, den die Schiedsrichter wegen Offsides nicht anerkannten, entfahren Nef mehrere nicht druckreife Fluchwörter. Am Ende bleibt es beim 2:0 für die Grasshoppers. «Ich weiss auch nicht, weshalb wir seit dem Derbysieg am 1. März derart an Schwung verloren haben», sagte Nef, «vielleicht spielten wir damals über unseren Verhältnissen – und jetzt darunter.» Was aber Nef vor allem nicht verstehen mag: «Die Qualifikation für den Cupfinal hätte bei uns eigentlich eine Euphorie auslösen sollen. Davon habe ich aber nichts gesehen.» Wann Nef selbst wieder ins Geschehen eingreifen wird, ist noch nicht ganz klar. Viereinhalb bis sechs Monate Pause wurden ihm prognostiziert. «Doch ich halte nichts von Prognosen», sagte der Wädenswiler gestern, «ich will einfach so schnell wie möglich zurück.»

Längste Siegesserie

Ganz anders als bei Nefs FCZ verläuft die Entwicklung bei den Grasshoppers seit der Derby-Niederlage am 1. März. Zur Überraschung vieler halten sich die Grasshoppers hartnäckig im Basler Windschatten und haben nun mit dem Sieg gegen den FCZ nach Punkten zum Leader aufgeschlossen, der erst heute gegen Thun spielt. Seit dem 1. März feierten die Grasshoppers fünf Siege in Folge mit dem Gesamtskore von 15:4. Es ist ihre längste Siegesserie unter Trainer Michael Skibbe.