Die Gunst der Stunde nutzen – das gelang den schnellen Männer aus Dietikon auf der für Topzeiten bekannten Charrière in La Chaux-de-Fonds im Neuenburger Jura nicht ganz wunschgemäss. Beunruhigt zeigten sich aber weder Amaru Schenkel noch Rolf Fongué. «Entscheidend ist das Gefühl und die Tendenz – und diese stimmen sehr zuversichtlich», sagten beide.

Zwar wurden beide kurz vor Mittag in Zeiten wie noch nie in dieser Saison gestoppt, in 10,33 Sekunden (Schenkel) und 10,43 (Fongué). Nur finden diese Leistungen keine Aufnahme in den Statistiken: Mit 4 m/s wurde ein unzulässiger Rückenwind registriert. Und weil die schnelle Bahn ebenso für ihre wechselnden Windverhältnisse bekannt ist, gab’s im Final zweieinhalb Stunden später keine Möglichkeit, nachzudoppeln: Jetzt blies ein nicht zu vernachlässigender Gegenwind. In 10,53 Sekunden wurde Schenkel gestoppt, in 10,65 Fongué.

Bis es «chlöpft»

Trotzdem strichen beide das Positive ihrer Auftritte hervor. Schenkel sieht seinen Aufwärtstrend bestätigt. «Step by Step» will er schneller und schneller laufen «und irgendwann chlöpft’s», so ist er überzeugt. Eine zeitlich wertvollere Bestätigung hatte ihm das Abendmeeting in Olten von letzter Woche geliefert.

«Doch diese 10,48 Sekunden werde ich bald knacken, deutlich knacken», prognostiziert der 27-Jährige. Er fühlt «wie die Trainingsreize greifen».

Seine Fortschritte sieht auch Fongué – und zwar nicht nur bezogen auf die Zeiten - sondern ebenso vom Gefühl her. Das ist erstaunlich, hat er doch «die schlechteste Hallensaison ever» hinter sich. Doch der Routinier zog die Konsequenzen und schloss sich dem deutschen Erfolgstrainer Sven Rees in Stuttgart (u. a. mit Schweizer Rekordhalter Alex Wilson) an.

Zurück zu altem Glanz

Erste Einflüsse zeigen sich bereits. «Ich laufe viel konstanter und war noch nie derart früh in der Saison auf einem derart hohen Level», sagt Fongué. «Den Spassfaktor hochhalten, locker bleiben und weiter Selbstvertrauen aufbauen», will er.

Lobend hervorgehoben sieht sich Fongué auch von Nationaltrainer Laurent Meuwly. «Rolf hat sich in den letzten Monaten auf verschiedenen Ebenen stark entwickelt», sagt er und verweist auf die neue Leaderrolle in der Staffel wie auf die technischen Fortschritte.

«Mehr Frequenz, mehr Rhythmus», macht der Sprint-Fachmann aus und sieht diesen Eindruck in immer besseren Zeiten bestätigt. «Rolf wird wieder zum 10,30-Läufer», ist Meuwly überzeugt. Und die Staffel kann ihn gebrauchen. Noch befindet sie sich dank ihrem Schweizer Rekord von 38,54 Sekunden auf Position 16 des Zweijahresrankings und somit auf WM-Kurs.