Leichtathletik
Amaru Schenkel: Gewünschte Leidenszeit auf der letzten Geraden

Der Dietiker 100-Meter-Läufer Amaru Schenkel erhielt Besuch im Trainingscamp in Florida von Manager Stefan Burkart. Der frühere Urdorfer Spitzensprinter schildert seine Eindrücke.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Amaru Schenkel kehrt in drei Wochen in die Schweiz zurück.keystone

Amaru Schenkel kehrt in drei Wochen in die Schweiz zurück.keystone

KEYSTONE

Stefan Burkart gerät ins Schwärmen. «Eine riesige Physiotherapieabteilung, Druckkammern, Regenerationsbäder – einfach top», sagt der ehemalige Schweizer Spitzensprinter aus Urdorf über die IMG Academy in Bradenton (Florida). Auf dem Gelände, wo früher die Tennisakademie von Nick Bolletieri stand, trainieren heute Athleten verschiedener Sportarten, zum Beispiel der Leichtathletik. Burkart besuchte während einiger Tage den Dietiker Sprinter Amaru Schenkel, dessen Manager er ist. Nach einem kurzen Aufenthalt im vergangenen Herbst trainiert Schenkel seit Ende Januar in den USA beim weltbekannten Trainer Loren Seagrave. Mitte Mai wird er gemäss Burkart in die Schweiz zurückkehren.

Ende Mai soll der morgen 25 Jahre alt werdende Sprinter in Weinheim «den ersten echten Test» absolvieren, wie Burkart sagt. Damit will er auch ausdrücken, dass die ersten zwei Starts seines Schützlings nicht allzu hoch zu bewerten sind: Auf den Bahamas und in Gainesville (Florida) lief Schenkel bescheidene 10,79 Sekunden beziehungsweise 10,72 Sekunden. Ein Grund dafür seien die noch nicht verinnerlichten Abläufe der neuen Technik. Der Start habe eine Änderung erfahren, darüber hinaus laufe er mit einer höheren Schrittfrequenz. Ein weiterer Grund: die Erschöpfung. «Amaru ist sehr müde, das Training ist enorm intensiv. Was andere während zweier Wochen Tag für Tag im Trainingslager leisten, macht er jeden Tag während Monaten. Gerade am Anfang musste er ziemlich beissen», erinnert sich Burkart an Gespräche mit Schenkel zu Beginn der Zeit in Übersee.

Der wieder für die LV Winterthur startende Schenkel (siehe nächsten Abschnitt) wird in der bevorstehenden Saison hierzulande selten zu sehen sein. «Er startet wahrscheinlich an einem Swiss Meeting, hauptsächlich suchen wir aber Wettkämpfe in Deutschland und Frankreich, wo Amaru Konkurrenz hat», führt Stefan Burkart aus. Er wird mit seiner Frau für die Trainings des Limmattalers zuständig sein, nach Vorgaben von Loren Seagrave. Das Ziel sind die Weltmeisterschaften Mitte August in Moskau.

Nach sieben Jahren im LC Zürich ist Amaru Schenkel (siehe Haupttext) wieder zu seinem Anfangsverein LV Winterthur zurückgekehrt. Der Grund dafür ist offenbar das Geld. Sein Manager Stefan Burkart, der den Deals ausgehandelt habe, sagt: «Er erhält mehr Unterstützung in Winterthur als in Zürich. Die Verantwortlichen sind sehr froh, dass er für ihren Verein läuft. Die Hauptsache ist, dass er sich wohlfühlt und abseits der Bahn keinen Stress hat.» Burkart verhehlt nicht, dass auch etwas anderes wohl ausschlaggebend war: Der LCZ-nahe Verein für Grossveranstaltungen, der hinter dem «Weltklasse»-Meeting in Zürich steht, strich Schenkel die Fördergelder, die er an alle potenziellen Finalisten der EM 2014 im Letzigrund auslobt - ein Affront. Der Ur-LCZler Stefan Burkart sei wegen Schenkels Entscheidung nicht in Verlegenheit geraten. «Das ist allein seine Sache, ich bleibe beim LCZ», sagt er.