Boccia

Am Boccia-Turnier ist man mit vierzig bei den Jüngsten

Boccia-GP in Dietikon

Boccia-GP in Dietikon

Beim Gran Premio Dietikon wurden die Sorgen der Sportart sichtbar. Am Boccia-Turnier starteten 48 gemeldete Dreimannteams – wer nicht Italienisch spricht, versteht nicht viel.

Ein wenig abgelegen in einer Sackgasse steht die Bocciahalle im Allmendgelände in Dietikon. Von aussen eher unscheinbar, doch in der Halle geht es heiss zu und her. Rechts neben der Halle steht das Klubhaus, in welchem sich zehn ältere Herren über das Fussballspiel Genua gegen Juventus ereifern. Wer nicht Italienisch spricht, versteht nicht viel.

Von überall her sind italienische Rufe zu vernehmen. Dies kommt nicht von ungefähr, denn wer Boccia spiele, lerne auch Italienisch, erklärte ein Zuschauer. Alle Ausdrücke seien, auch auf internationaler Ebene, italienisch.

Keine Streitereien am Turnier

Bereits um neun starteten die 48 gemeldeten Dreimannteams in Dietikon, Rorbas, Letzi, Rorbas, Winterthur und Uster. Treffpunkt von Halbfinal und Final ist das Dietiker Bocciodromo. Präsident des Gran Premio Dietikon ist Giovanni Rapaglià. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Turnier. Es war ruhig, es gab keine Streitereien, was nicht unüblich ist», erklärt Rapaglià.

Tatsächlich wurde in der Halle nur leise gesprochen, die anwesenden Zuschauer fieberten angespannt mit. Auf der Bahn, den so genannten Viali, flogen und rollten die bunten Kugeln präzise auf den Pallino zu. Von Zufall kann keine Rede sein, denn bevor gespickt wird, muss angegeben werden, welche Kugel getroffen werden soll.

Taktisch gleicht Boccia dem Curling. Wenn der rote kleine Ball (Pallino) gesetzt ist, werden die Bocciakugeln gesetzt (raffa) oder geworfen (volo). Jeder Spieler spielt seine zwei persönlichen Kugeln ab. Pro Hand (Lauf) können bis zu sechs Punkte erzielt werden. Obwohl in Dietikon nur Männer im Halbfinal spielten, dürfen auch Frauen mitspielen. Es gibt spezielle Turniere wie beispielsweise Lui-Lei-Lui (er, sie, er) oder Lui-Lei (er, sie) und Frauenturniere.

Die Zukunft ist unsicher

Doch grundsätzlich fehlt dieser Sportart der Nachwuchs. «Ein Bocciaspieler mit 40 Jahren gehört zu den jüngeren», erklärt Rapaglià. Er befürchtet, dass die Sportart in der Deutschschweiz verschwinde, wenn sich die Entwicklung so fortsetze. Boccia sei einfach zu wenig bekannt. «Auch im Tessin, wo es populärer ist, verlor Boccia in den letzten zehn Jahren 70 Prozent der Aktiven.»

Rapaglià glaubt, dass sich die verschiedenen Länder zu einem einheitlichen Internationalen Reglement durchringen müssten. Von den trüben Aussichten war in Dietikon nichts zu spüren. Im Bocciodromo wurde in gewohnt italienischer Manier mitgeeifert und kommentiert, natürlich auf Italienisch.

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