Fussball

Als Soccer-Gast im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Franco Varga am Ball

Franco Varga am Ball

Für Franco Varga, den ehemaligen GC-Junior aus Urdorf steht bei seinem USA-Abenteuer die berufliche Zukunft im Vordergrund. Aber auch Fussball kommt nicht zu kurz.

Nachdenklich wirkt Franco Varga, wenn er über seine fussballerische Vergangenheit spricht: «Als ich 2011 bei Gossau war, hatte ich eigentlich alles. Ich spielte regelmässig in der 1. Liga und der Trainer setzte auf mich. Doch ich war ungeduldig, wollte sofort in die Challenge League. Zusätzlich war ich schlecht beraten.» Man könnte meinen, der 23-Jährige wäre um einiges älter, wenn er sagt: «Nach meinem gescheiterten Probetraining bei Kriens habe ich den Traum als Fussballprofi begraben. Ich bin einfach zu alt, um es irgendwo noch zu packen.» Selbiges gilt übrigens für seinen Bruder Marco Varga, der bis im Sommer bei Schaffhausen gespielt hat.

Während Marco neu für den FC Dietikon in der 1. Liga spielt und bei der Migros arbeitet, machte sich Franco auf die Suche nach einem neuen Traum, nach einer neuen Lebensaufgabe – und wurde fündig. «Schon immer wollte ich mal in die USA, da kam mir die Idee mit dem Stipendium. Ich habe praktisch mein ganzes Leben nur dem Fussball gewidmet, diese Zeit sollte nicht umsonst gewesen sein.» Schnell entstand der Kontakt über eine Agentur, die Studenten bei den komplizierten Stipendiengesuchen unterstützt. Danach enstand der Kontakt zu den Universitäten.

Amerikaner auf Späh-Mission

Mit Hilfe von Videos überzeugte Varga mehrere Trainer von College-Soccer-Mannschaften. «Einige sind sogar in die Schweiz geflogen, um mich spielen zu sehen», so Varga, der sich schlussendlich für die Auburn University at Montgomery im Bundesstaat Alabama entschieden hat. Seit Januar 2014 lebt der Urdorfer nun in Montgomery, wo er den Bachelor in Marketing machen will. Unterkunft und Studiengebühren werden mit dem Stipendium bezahlt. «Es war schon schwer, von meinen Freunden und der Familie weg zu ziehen. Dazu war es zeitweise etwas langweilig. Im letzten halben Jahr hatten wir gerade mal fünf Spiele, denn die Fussballsaison geht hier von August bis Januar», sagt Varga und ergänzt: «Dadurch hatte ich aber extrem viel Zeit für mich. Diese habe ich in meine berufliche Zukunft investiert.» Eine berufliche Zukunft, die in die Selbständigkeit führen soll, denn der 23-Jährige will sich seine eigene Stipendium-Agentur aufbauen.

Im kommenden halben Jahr wird die Zeit für Varga zweifellos etwas knapper. Am nächsten Montag beginnt die sogenannte Pre-Season. «Ab dann werden wir zwei Wochen lang dreimal täglich trainieren. Danach beginnt endlich die Meisterschaft», erklärt Varga und ergänzt: «Im Dezember findet dann das Conference-Finalturnier statt, wo die besten 32 College-Teams den US-Meistertitel untereinander ausmachen. Dort wollen wir unbedingt hin.»

San Diego als Traum des College-Soccers

Kein unrealistisches Unterfangen, in Anbetracht, dass Varga beim aktuellen US-Universitäts-Vizemeister unter Vertrag steht. «Das Niveau von unserer Mannschaft hat mich positiv überrascht. Ich denke, wir könnten in der Schweiz sicher in der 1. Liga mithalten», sagt der ehemalige GC-Junior. Da in der Auburn Universität auch eines der besten Football-Teams des Landes spielt, hat «Soccer» ein geringes Ansehen bei der Bevölkerung. 500 Zuschauer kommen im Durchschnitt an die Heimspiele der «Warhawks». Varga blickt etwas neidisch an die Westküste: «In der University of San Diego kommen bis zu 16 000 Zuschauer ins Stadion.»

Am liebsten wäre der Urdorfer deshalb fürs Studium nach Kalifornien gegangen. Er stand mit der University of San Diego sogar in fortgeschrittenen Verhandlungen. «Doch um mich in der Uni einzuschreiben, hätte ich hier in der Schweiz eine einzige Biologiestunde mehr absolvieren müssen», ärgert sich Varga. Hier habe ihn die Agentur falsch beraten. Daraus hat der 23-Jährige die Lehren gezogen für seine eigene Agentur «Stuletes», deren Homepage nächsten Monat aufgeschaltet werden soll.

Trotzdem bereut Varga den Schritt nach Montgomery keine Sekunde. «Die Erfahrungen, welche ich hier machen durfte, kann mir niemand wegnehmen. Das sind Erfahrungen fürs Leben.»

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