Eishockey 2. Liga
Als die Hoffnung beim EHC Urdorf starb

Nach einer Blamage gegen Küssnacht am Rigi ist Urdorf Letzter in der 2. Liga und begräbt die Playoff-Ambitionen endgültig. Nach einem starken Startdrittel, in dem nur das Tor fehlte, fielen die Limmattaler komplett auseinander und verloren 0:6.

Raphael Biermayr
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Time-out mit Ansprache von Trainer Thomas Heldner bei der Niederlage gegen Küssnacht.

Time-out mit Ansprache von Trainer Thomas Heldner bei der Niederlage gegen Küssnacht.

Raphael Biermayer

Es wäre leicht, Häme über das Urdorfer Team zu schütten. Doch nach den jüngsten zwei Auftritten gegen die Direktkonkurrenten Bassersdorf (0:3) und Küssnacht am Rigi (0:6) ist eher Mitleid angesagt. Denn wer diese Matches gesehen hat, muss ernsthafte Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit der «Stiere» hegen. Vor allem auf mentaler Ebene. Gegen die Schwyzer brachte ein Tor alles zum Einstürzen. Nach zwölf Sekunden im Mittelabschnitt schlug es hinter Goalie Urs Landis ein. Damit war alles Positive aus den ersten 20 Minuten vergessen, diesem besten Drittel seit langem, zu dessen Krönung einzig der Torerfolg gefehlt hatte.

Rund acht Minuten nach dem ersten Treffer für das Schlusslicht fiel bereits das vierte Gegentor. Nicht einmal 50 Sekunden konnte der eingewechselte Ersatzkeeper Florian Wassmer seinen Kasten reinhalten. Wie schon zuvor gab Serge Haas dem Torschützen nur Begleitschutz. Der Ex-Profi stand sinngemäss für die schwache Leistung der Verteidiger. Haas Abend zum Vergessen endete vorzeitig: Zum letzten Drittel trat er nicht mehr an. Gemäss Trainer Thomas Heldner aus medizinischen Gründen: Es besteht der Verdacht auf eine Leistenverletzung. Das Fehlen des früheren NLB-Spielers bekamen viele Zuschauer nicht mehr mit: Sie hatten genug gesehen beziehungsweise in der Bise gefroren, und waren nach Hause gegangen.

Kein Donnerwetter

Thomas Heldner hatte diese Option nicht, und hätte sie natürlich auch nicht wahrgenommen. Denn er hatte zu tun. Nach der zweiten Sirene sass er minutenlang allein auf der Spielerbank und machte sich Notizen. Es war die Niederschrift der Gründe, die zu diesem Versagen geführt hatten, wie der über 300-fache NLA-Spieler nach Matchende darlegte. «Ich habe viele Spiele wie dieses erlebt. So etwas passiert, wenn man die kleinen Dinge nicht mehr macht, wenn man meint, es gehe von allein», führte er genauso ruhig aus, wie er das gegenüber seiner Mannschaft in der zweiten Pause getan hatte. Er nutzte diesen Abschnitt für einen Vortrag. «Ein Donnerwetter hätte in einer solchen Situation keinen Sinn», ist er überzeugt. Diese Partie sei gerade für die vielen jungen Spieler ein «Lehrblätz» gewesen. Tatsächlich können mittlerweile auch die Verstärkungsspieler der Elitejuniorenteams aus Zürich und Winterthur im EHCU keinen Unterschied mehr machen.

Der EHCU geht damit als Tabellenletzter ins neue Jahr. Angesichts dieses Rückfalls spricht auch Heldner nicht mehr von den Playoffs, sondern vom Abstiegskampf. «Für ein Team, das gegen zwei Direktkonkurrenten mit einem Torverhältnis von 0:9 verliert, sind die Playoffs kein Thema», stellte er klar an dem Abend, an dem die Hoffnung starb.

Angesichts des niederschmetternden Resultats war auch die persönliche Freude von Stürmer Tizian Müller getrübt. Er hatte nach einer Schulterverletzung sein Saisondebüt gegeben und bekundete Mühe bei gewissen Bewegungsabläufen. Immerhin reichte es, um eine Schlägerei zu gewinnen. Doch auch dieser Erfolg war nur eine Randnotiz angesichts der Blamage. Müller war fassungslos vom Geschehenen. «Dass eine Mannschaft nach einem so überlegenen Drittel das Spiel derart aus der Hand gibt, habe ich noch nie erlebt.»

Ein Video und Bilder zum Spiel finden Sie hier.

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