Curling
Alina Pätz will ihre Mentorin Mirjam Ott vom Thron stossen

Die 23-jährige Urdorferin hat grosse Pläne: Mit ihrem neuen Team Baden will sie den Schweizer Meistertitel erringen. 2018 soll das Quartett zu den Olympischen Spielen starten. Trotzdem spielt sie gegenwärtig auch für den grossen Rivalen Davos.

Fabio Baranzini
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Alina Pätz blickt zuversichtlich nach vorn.

Alina Pätz blickt zuversichtlich nach vorn.

fba

27 Grad - so gross ist der Temperaturunterschied an diesem Abend. Draussen ist es knapp 30 Grad und schwül. Drinnen, in der Badener Curlinghalle, zeigt das Quecksilber gerade mal drei Grad an und die Luft ist trocken. Auf dem vierten Rink, ganz hinten in der Halle, trainieren die Urdorferin Alina Pätz und die Kirchbergerin Nadine Lehmann. Gemeinsam mit Nicole Dünki (Luzern) und Nicole Schwägli (Bern), die derzeit in den Ferien weilen, bilden sie das Team Baden Regio.

Dass die Curlerinnen bereits im Hochsommer auf dem Eis stehen, hat einen guten Grund: Die vier jungen Frauen haben Grosses vor. «Wir wollen in diesem Winter den Schweizer Meistertitel holen, damit wir die Chancen haben, nächstes Jahr die Heim-EM in Champéry zu bestreiten», so Skip Alina Pätz. Doch damit nicht genug. Mit ihrem Team will die 23-Jährige an die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang.
Hoher Aufwand vonnöten
Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, arbeiten die vier jungen Frauen, die von der ehemaligen Spitzencurlerin Luzia Ebnöther betreut werden, hart. Fünf Trainings stehen derzeit pro Woche auf dem Programm. Einmal ein Teamtraining auf dem Eis in Baden und vier Mal wird individuell Ausdauer und Kraft gebüffelt. Im August wird das Eistraining intensiviert und kurz darauf geht es für zwei Wochen nach Kanada ins Trainingslager. Während der Saison sind sie praktisch täglich auf dem Eis. «Dieser Aufwand ist nötig, denn der Curlingsport wird immer professioneller.

Wenn wir das nicht tun würden, hätten wir keine Chance», sagt Pätz, die seit ihrem Bachelorabschluss in Betriebsökonomie im Juni ein Praktikum absolviert. Wie ihre Teamkolleginnen ist sie auf die Unterstützung und Flexibilität ihres Arbeitgebers angewiesen. Andernfalls wären Trainings und Turniere nicht zu bewältigen.

Ein weiteres wichtiges Puzzleteil für den Erfolg ist der mentale Bereich, an dem die vier Frauen ebenfalls intensiv arbeiten. «In den wichtigen Momenten agieren wir noch zu überhastet. Topteams bewahren in solchen Situationen die Ruhe», erklärt Pätz, deren Bruder Claudio ebenfalls Spitzencurling betreibt.
Trotzdem weiter bei Davos
Die Urdorferin weiss, wovon sie spricht. 2012 gewann sie als Ersatzspielerin im Team von Mirjam Ott an der Seite von Carmen Schäfer und Janine Greiner aus der Fahrweid die WM-Goldmedaille. Ihr bisheriger Karrierehöhepunkt. Noch immer ist Pätz Teil von Otts Team und wird mit diesem sowohl die Europameisterschaft als auch die Olympischen Spiele in Sotschi bestreiten.

Alina Pätz tanzt in dieser Saison also gleich auf zwei Hochzeiten. Gibt das keine Spannungen innerhalb ihres eigenen Teams, wenn sie während der Saison «fremdgeht»? «Nein, das ist kein Problem. Dank diesen Teilnahmen an Grossanlässen kann ich Erfahrungen sammeln, von denen auch mein Team profitieren kann», ist sie überzeugt. Erfahrungen, welche die vier jungen Curlerinnen auf dem Weg an die Spitze gut gebrauchen können.