Sie ballern aufs Tor, als wollten sie den Goalie kaputtschiessen. Der Spass steht ihnen ins Gesicht geschrieben. «Jeder hat Lust, Selbstvertrauen und freut sich aufs Derby gegen GC», sagt Alain Nef. Das Training des FC Zürich ist Beweis dafür, wie stark die Tabellenlage die Befindlichkeiten eines Teams beeinflusst. Doch Nef weiss aus eigener Erfahrung, wie schnell alles anders sein kann. In der Saison 2005/06 hatte der FCZ zwischenzeitlich elf Verlustpunkte Rückstand auf den FC Basel, bis Iulian Filipescu in der 93.  Minute der allerletzten Runde zum 2:1 traf und die Zürcher zum Meister machte.

Nach elf Jahren der Abgang

Elf Jahre lang hatte Nef bis zu jenen Glückmomenten für den FCZ gespielt. Er war 2005 Cupsieger geworden und dann also Meister. Mit 24 Jahren stellte er sich die Frage: Was nun, Alain Nef? «Ich entschied mich, das Abenteuer zu wagen und ohne jegliche Sprachkenntnisse nach Piacenza in die italienische Serie B zu gehen», sagt Nef. Er spielte danach auch noch für Udinese, Triestina und ein halbes Jahr bei Huelva in Spanien. «Ich habe es richtig gemacht. Die vier Jahre im Ausland waren eine gute Lebensschule», sagt Nef.

Auch der Transfer hernach zu YB passte. Er war bald im Mannschaftsrat und, weil er in jedem Spiel alles gab, ein Publikumsliebling. Er wäre gern in Bern geblieben, doch der im Sommer 2013 gekommene neue Trainer Uli Forte liess ihn spüren, dass er nicht auf ihn setzen würde.

Zum Glück zeigte der FCZ Interesse, den verlorenen Sohn nach sieben Jahren in den Letzigrund zurückzuholen. «Ich habe auf viel Geld verzichtet, denn ich hatte bei YB einen gut dotierten Vertrag bis 2015», sagt Nef. «Doch in meinem ganzen Leben bin ich nie dorthin gelaufen, wo es am meisten zu verdienen gab. Wichtig ist, dass mir die Arbeit gefällt.»

Verletzung warf ihn aus dem Tritt

Dies wäre nach seiner Rückkehr zum FCZ gewiss auch der Fall gewesen, doch zunehmende Schmerzen an der Achillessehne machten Nef einen Strich durch die Rechnung. Nach zwölf Einsätzen in der Liga wurde Nef im November operiert. Weil es die erste grosse Verletzung für ihn war, wusste er nicht, wie damit umgehen. «Ich war ungeduldig, dachte, die Genesung ginge schneller – und wurde immer gereizter», erzählt Nef.

Die gesamte Rückrunde fiel er aus, und als die neue Saison begann, sass er nur auf der Ersatzbank. Doch er hatte seine Enttäuschung unter Kontrolle. Trainer Urs Meier lobt den Routinier: «Alain war positiv und half den Talenten mit Tipps.» Dieser sagt: «Ich komme mit den Jungen gut klar. In der Garderobe bin ich manchmal selber noch ein Kind.»

Als er dann gegen Luzern endlich ran durfte, holte er sich eine Gehirnerschütterung. Nach ein paar weiteren Partien als Bankdrücker schlug dann seine Stunde. Zuletzt gegen Mönchengladbach und Vaduz spielte er durch. «Nach über acht Monaten ohne richtigen Ernstkampf lief es nicht schlecht», sagt Nef bescheiden.

Lust auf Fussball ist gross

Jetzt will er mit seinen Leistungen alles dafür tun, dass sein Ende Saison auslaufender Vertrag verlängert wird. Er hat zwar die Gewissheit, dass er dank einem Anschlussvertrag nach dem Ende seiner Laufbahn noch mindestens zwei Jahre beim FCZ eine Anstellung auf sicher hat, doch die Lust auf Fussball ist zu gross, um bereits jetzt an den Rücktritt zu denken. «Ich habe nach meinem Wegzug vom FCZ immer im Kopf gehabt, dereinst wieder zurückzukehren, doch im Fussball kommt es ja oft anders», sagt der gelernte Landschaftsgärtner. «Jetzt bin ich glücklich, dass sich der Kreis geschlossen hat.»

Er kann wieder mit dem Velo in ein paar Minuten ins Training fahren und mehr Zeit mit der Familie verbringen. Nur zum Fischen kommt er nicht mehr so oft. So wird es wohl nichts mit der Verbesserung seines Rekords. Vor anderthalb Jahren hat er einen Zander von 89 Zentimetern aus dem Sihlsee gezogen. «Schau mal», sagt der Wädenswiler Seebub und zückt stolz sein Handy. «Was für ein Prachtexemplar.»